CANON 7
Die wichtigsten Mess-Sucherkameras von Canon und ihre Bedienung und Bewertung an Hand der Canon7

Entwicklungsgeschichte der Mess-Sucherkameras von Canon bis zur Canon7:

Die heutige Firma geht auf ein 1933 gegründetes <Precision Optical Instruments Laboratory> in einem Zimmer eines Gebäudes in Tokio zurück. 1934 erschien ein Inserat in einer Zeitung, in der eine Kamera mit dem Namen <Kwanon>  mit einem Normalobjektiv 3,5/50 namens <Kasyapa> angekündigt wurde. Wie viele dieser Kwanons tatsächlich erzeugt wurden, ist nicht bekannt, angenommen wird, keine einzige. Vorhanden ist eine erst 1955 bekannt gewordene Kamera dieses Namens, die aber nicht dem Original entspricht, für das geworben wurde. Anfang 1936 kam dann die <Hansa Canon> auf dem Markt, die so heißt, weil sie ausschließlich von einer Firma namens Hansa vertrieben wurde. Die Kamera wurde teils aus Bauteilen zusammengebaut, welche  die Nippon Kogaku K. K. (heute Nikon) an das Laboratorium lieferte. Äußerlich ist das am Objektiv erkennbar, einem Nikkor 3,5/50. Von Nikon stammt aber auch der Objektivanschluss am Gehäuse, der Sucher und der Entfernungsmesser. Der Name des <Laboratoriums> scheint auf der Kamera nicht auf, sondern erstmalig (nach einer Namensänderung) in einem Inserat von August 1936 als nunmehr <Japan Precision Optical Instruments Laboratory>. Durch die spätere Umwandlung in die Precision Optical Industry Co. Ltd. wird sozusagen die heutige Firma Canon gegründet.

Hansa Canon

Wie unschwer erkennbar, entspricht die Kamera weitgehend den damaligen Modellen der Leica, weist aber doch einige originelle Merkmale auf, zum Beispiel das Bildzählwerk auf der Gehäusevorderseite, das geriffelte Rad für die Entfernungseinstellung und - unübersehbar - der ausfahrbare Sucher. Im Detail ist sie hübsch gestaltet, wie folgendes Detail zeigt:

Hansa Canon Detail

 

Einzelne Kameras wurden jedoch ab Fabrik direkt an Endkunden verkauft - sie tragen nur die Gravur Canon und werden von den Sammlern als <Canon Original> bezeichnet.

Die Objektive sind dank spezieller Bajonettfassung auswechselbar, was auch nach Meinung der Leicasammler die Kameras von der Einbeziehung zu den Leica-Kopien ausschließt.

Ende 1938 entstand die Canon S mit langen Verschlusszeiten und ab 1939  wurde die Canon J geliefert, ein Sparmodell ohne Entfernungsmesser. Beide Kameras besitzen ein Schraubgewinde. Grund für den Wechsel von der bisherigen Bajonettfassung auf Schraubfassung waren Lieferengpässe von Nikon. Leica-Kopien sind sie indessen nicht einmal nach Auffassung der Leicasammler, denn die Kamera hat zwar ein Auflagemaß von 28,8 mm, aber die Objektivöffnung beträgt nicht 39, sondern nur 38,5 und die Gewindesteigung 1,1 und nicht 0,977 mm.

Diese Besonderheit beseitigt Canon erst mit der von 1946 bis 1949 lieferbaren Canon S2. Die S2 ist somit im Sinne der üblichen Definition die erste <Leica-Kopie> und gleich zeigt sich auch das aufgezeigte Definitionsproblem: Die S2, von der ca. 7500 Stück erzeugt wurden, ist die erste japanische Kleinbildkamera mit kombinierten Mess-Sucher, das heißt, beim Blick in den Sucher kann auch gleich die Entfernung kontrolliert und eingestellt werden. Einen Mess-Sucher hat Leitz aus verschiedenen Gründen in keiner seiner Schraubleicas (Leica II bis zur Leica IIIg) konstruktiv untergebracht, obgleich es an entsprechenden Entwürfen und Prototypen nicht gefehlt hat. Dieser Sprung vorwärts ist Leitz erst 1954 mit der Leica M3 gelungen. Bis dahin mussten Leica-Fotografen umständlich im Fenster des Entfernungsmessers die Entfernung richtig einstellen und dann erst den Bildausschnitt im Sucher festlegen (sofern sich das Motiv bis zum Auslösen nicht nach vorne oder rückwärts bewegt hat, war das Bild scharf. Bei der geringen Schärfentiefe eines Objektiv bei den damals beim Normalobjektiv üblichen größten Blenden von 1,5 eine Sache von Trial and Error!). Das erklärt u. a. den hohen Anteil an nicht ganz scharf wirkenden Aufnahmen mit der Leica bei schlechtem Licht.
 


Canon SII

Insgesamt hat die heutige Canon Camera Company Inc, wie die Firma seit 1951 endgültig heißt, nach der Zählung von Canon 29 verschiedene Modelle der Leica-Kopien; andere zählen bis zu 35 Modellen. Einerseits hat Canon bis 1956 keine Modellbezeichnungen an den Kameras angebracht, andererseits erklärt sich der Unterschied dadurch, welche Änderungen zu geringfügig sind, um als eigenständiges Modell von den Sammlern angesehen zu werden. Feststeht eigentlich nur, dass von Canon bis zur Einstellung der Produktion der Leica-Kopien insgesamt fast 500.000 Stück erzeugt wurden - das macht diese Art von Kameras zu den am Meisten verbreiteten Leica-Kopien. Kein Wunder übrigens, haben doch meist sehr kleine japanische Firmen, bessere Mechanikerwerkstätten, Leica-Kopien erzeugt und von vielen Modellen nicht viel mehr als 500 Stück verkaufen können.

In den Folgejahren hat Canon diese Kameras in Etappen weiterentwickelt, wobei es immer wieder einfachere Varianten zu kaufen gab, die eine eigene Modellbezeichnung erhielten.

Die Bezeichnung der Modelle ist nicht einheitlich: in einigen Fällen wird eine Kamera mit einem lateinischen Buchstaben bezeichnet (z. B. die 1957 in 8000 Stück erzeugte Canon Model L1, doch gibt es auch die einfachere L3, bei der die Blitzsynchronisation und der Selbstauslöser fehlt und die Rückspulkurbel durch einen Rückwickelknopf ersetzt wurde). Allmählich hat sich jedoch die Bezeichnung mit römischen Ziffern durchgesetzt, beispielsweise bei den Modellen VI-L und VI-T, die bis auf einen - wesentlichen - Unterschied identisch sind: die VI-L besitzt den üblichen Transporthebel, bei der VI-T indessen erfolgt der Filmtransport mittels eines aufklappbaren Schiebers im Kameraboden, ähnlich dem Rapidwinder von Leitz und Leica und von Abbrahamsson).

Überhaupt sind die VI-L und VI-T wichtig für die weitere Entwicklung: dies waren 1958 die ersten Modelle mit einer während der Aufnahme nicht rotierenden Zeitenscheibe mit Verschlusszeiten von 1-1/1000 Sekunde, was Leitz bei keiner Leica mit Schraubgewinde verwirklicht hat. Dies ist indessen eine wichtige Eigenschaft, weil dadurch die Kopplung eines separaten, aufsteckbaren Selen-Belichtungsmessers mit der Zeitenscheibe möglich wurde.

Canon VI-L mit aufgestecktem Belichtungsmesser.
An der Kamera eingestellt ist eine Belichtungszeit von 1/60 Sekunde,
am Belichtungsmesser eine Filmempfindlichkeit von 200 ASA,
was bei Wahl des mit weißen Ziffern markierten Messbereiches
eine Blende zwischen 8 und 11 ergibt
(die rote Farbe der Ziffern des roten Blendenbereiches ist
weitgehend verblasst und schlecht erkennbar).
Der Belichtungsmesser ist überdies drehbar,
damit er nicht jedes Mal beim Zurückspulen eines Films
abgenommen werden muss.

Canon7:

Das erste Modell der Serie mit eingebautem Selenbelichtungsmesser war die ab 1961 lieferbare Canon 7, eine vollständig neu konstruierte Kamera. Der Objektivanschluss ist neu, neben dem Schraubgewinde weist er eine außen angebrachte Bajonettfassung für das ebenfalls neue 0,95/50 mm Objektiv auf, dem damals lichtstärksten lieferbaren Normalobjektiv. Die Canon 7 ist mit fast 140 000 Stück die meistverkaufte Kamera dieser Modellreihe. Ihr fehlt, als Besonderheit vermerkt, ein Sucherschuh.

Varianten der Canon 7:

Die ab April 1965 angebotene Canon 7s wird von Canon, wie ich denke, zu Recht, als eigenes Modell geführt. Auffälligstes Merkmal ist der Cds-Belichtungsmesser, welcher den Selenbelichtungsmesser mit seiner großen wabenförmige Messzelle ersetzt. Wie alle Cds-Belichtungsmesser benötigt dieser als Stromquelle eine Batterie, eine nicht mehr lieferbare Quecksilber haltige PX 625 mit 1,3 V Spannung - heute sind nur mehr gleich große Lithium oder Silberbatterien mit 1,5 V Spannung erhältlich. Der Druckknopf für die Einschaltung des Belichtungsmessers findet sich auf der Rückseite des Kameraoberteils. Auch wurde auf der Oberseite ein Sucherschuh angebracht, für den bei der Canon 7 kein Platz mehr war.


Canon 7s mit 0,95/50

Von dieser Kamera wurden an die 16.000 Stück verkauft, ehe sie durch eine leicht geänderte Variante ersetzt wurde, die von Canon nicht als eigenes Modell geführt, von vielen Sammlern indessen als Canon 7sZ bezeichnet wird. Sie besitzt einen größeren Rückspulknopf mit ausklappbarer Kurbel; ferner wurde die Lage der vertikalen Justierschraube für den Entfernungsmesser auf der Gehäuseoberseite geändert. Insgesamt wurden von dieser Variante ca. 4000 Stück gebaut.

Mit dieser Kamera endet die Ära der Mess-Sucherkameras von Canon mit M39-Schraubgewinde. Canon hat sich statt dessen auf die Entwicklung und den Bau von Spiegelreflexkameras verlegt und hat es auf diesem Gebiet zum weltweit größtem Hersteller gebracht, auch bei den digitalen Spiegelreflexkameras ist die Firma übrigens Marktführer.

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Zur Bedienung der Kamera

Peter Lausch
Erstellt am 4. November 2004
Rechtliches

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