PETER LAUSCH
Das Stone Fort in Caherconnell

 


Das Fort von außen mit der unten erwähnten Bresche in der Außenwand,
Die lange Mauer im Mittelgrund ist ca. 1 Meter hoch.

 Aus  den vielen Stone Forts (oder auch: Ringforts) in der Landschaft des Burren sticht das in Caherconnell aus mehreren Gründen heraus:

  • Caherconnell ist fast doppelt so groß wie übliche Steinforts, ist ein wenig später erbaut als die meisten anderen (nämlich zwischen 900 und 1000 nach Christus) und wurde erst im 17. Jahrhundert verlassen. Seit damals wurde es nicht mehr für Wohnzwecke benutzt und blieb mehr oder minder sich selbst überlassen. Genutzt wurde es jedoch wahrscheinlich zur sicheren Unterbringung von Rindern und Schafen.
  • Caherconnell wurde archäologisch untersucht, zuletzt 2007 mit modernen Methoden, etwa Radiokarbonuntersuchungen der aufgefundenen organischen Überreste.
  • Das Fort wurde von den Grundeigentümern unter Mitarbeit von Archäologen "besucherfreundlich" gestaltet; nebenan wurde ein kleines Besucherzentrum errichtet, einzelne Steinmauern wurden zur Lenkung der erhofften Besucherströme - in altem Stil - neu errichtet, und der Eintritt ist nicht billig (2011 für Vollzahler € 6 - die Eigentümer verdienen mit der Vermarktung ihres Forts ihren Lebensunterhalt).
  • Ja, und ebenso wie fast alle anderen Forts ist es als Verteidigungsanlage ziemlich ungeeignet und hätte im Mittelalter einem Angriff nicht lange widerstanden; insofern ist der eingebürgerte Begriff <Fort> für derartige Anlagen nicht sehr glücklich.


 

 

Der Platz nahe der heutigen R 480 wurde allerdings, wie die Ausgrabungen gezeigt haben, schon sehr viel früher bewohnt bzw. genützt. An der südlichen Mauer des Forts wurden in einer Bodensenke die Pfostenlöcher eines Hauses aus der späten Jungsteinzeit oder der frühen Bronzezeit gefunden: wie bei allen diesen Funden sieht der Laie in Wahrheit gar nichts, doch sind die Umrisse des Gebäudes, von dem nichts als die verfärbten Stellen der einstigen Pfostenlöcher erhalten ist, durch Stangen gekennzeichnet - siehe die Abbildung oben. Später wurde dann, teilweise an Stelle des damals offenbar nicht mehr vorhandenen Gebäudes, in der angrenzenden Bodensenke eine halbkreisförmige Steinsetzung errichtet, die, entsprechend überdacht, wahrscheinlich als Lagerraum diente. Zeitlich nach dieser Nutzung wurde die Bodensenke als Abfallgrube von den Bewohnern des Forts verwendet - aus dieser Zeit stammen die meisten Funde, nämlich Münzen, Pfeilspitzen, Pistolenkugeln und die offenbar unvermeidlichen Tonscherben (die sich, zur Freude der Archäologen, leicht datieren lassen). Am - früheren - Eingang zu dieser Struktur wurden vor einigen Jahren die unvollständigen Skelette dreier Menschen gefunden, die dort im 15. Jahrhundert eingegraben wurden. In der vorstehenden Abbildung ist die Fundstelle mit einem roten Pfeil bezeichnet. Da die Knochen ungeordnet durcheinanderlagen, wird angenommen, sie seien irgendwo in situ gefunden worden, bei Bauarbeiten auf einem alten Begräbnisplatz etwa, und in der Grube entsorgt worden, weil nicht sicher war, ob es sich um die Knochen von Christen handelte, die ein christliches Begräbnis verdient hätten.


Die Überreste der einstigen Trennmauer, sagen die Archäologen.


Als Gegenleistung für die Entrichtung der € 6 erhält der Besucher ein Faltblatt mit einer nüchternen Beschreibung und zusätzlich einer recht fantasievollen Abbildung der Anlage, wie sie zur Zeit der Errichtung ausgesehen haben könnte. Die einzelnen Punkte in dieser Beschreibung sind nummeriert und zur Vermeidung von Missverständnissen sind auch die einzelnen Strukturen im Fort und um das Fort herum entsprechend nummeriert. Was man sieht, ist viel und wenig zugleich: einerseits die massiven Wände des Steinforts (an einer Stelle ist die Wand zusammengefallen), im Fort selbst die Fundamente einer Trennmauer (wahrscheinlich zur Trennung von Menschen und Tieren) und die viel Fantasie verlangenden Fundamente 2 Häuser. In solchen Forts lebten oft mehrere Generationen einer Sippe, möglicherweise bis zu 25 Menschen. Außerhalb der Ringmauer wohnten wahrscheinlich die Bediensteten, doch hat sich von deren Unterkünften bislang nichts gefunden. Man muss, da die Bauweise im Lauf der Jahrhunderte an sich unverändert blieb, bei allfälligen Nebengebäuden hinsichtlich des Alters vorsichtig sein - ein an der Außenseite sichtbarer, hier nicht abgebildeter Schuppen (ohne Dach) diente wahrscheinlich der Unterbringung von Lämmern und Kälbern, der Schuppen selbst dürfte aber erst zu Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet worden sein.

Die Besichtigung des Caherconnell Stone Forts kann Familien mit Kindern und Amerikanern ohne Vorbehalte empfohlen werden. Wer einen unverfälschten, wenn auch nicht durch Faltblatt verklärten Eindruck  von einem Steinfort erhalten möchte, dem ist die Besichtung des Cahercommaun Stone Forts in der Nähe der Burren Perfumery anzuraten.


Erstellt:
20. Juni 2011
© 2011/Peter Lausch

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