PETER LAUSCH
Der Burren

 

1. Landschaft und Pflanzenwelt
2. Landschaft und Menschen im Lauf der Geschichte


Die Landschaft des Burren ist ein Teil des County Clare; der Name leitet sich vom irischen Wort für einen <öden, steinigen Platz> her. Gemeinhin wird das Gebiet zwischen Ballyvaughan und Kilfenora im Süden sowie Kinvara im Osten und der Küste des Atlantiks im Westen als Burren bezeichnet

Geologisch handelt es sich um einen recht seltenen Landschaftstyp: teils bergig, teils einigermaßen flach, besteht der Boden aus porösem Kalkstein, der durch Verwitterung in Platten (clints) zerfallen ist, welche voneinander durch die teils bis zu 2 Meter tiefen Grykes abgegrenzt werden. Davon sieht man meist nichts, weil viele Grykes im Lauf der Jahrtausende mit Erosionsmaterial angefüllt wurden und die extrem dünne Humusschicht in anspruchslosen Pflanzen ein Überleben sichert.

Von der Ferne aus betrachtet scheint der Burren eine Steinwüste.  Steinschicht auf Steinschicht aufgetürmt wie von einem Riesen, unwirtlich und unzugänglich. Aus der Nähe jedoch zeigt sich eine überraschen vielfältige und abwechslungsreiche Pflanzenwelt, die zwischen den einzelnen Steinplatten wächst und die von großer Schönheit und Seltenheit ist. So ist es im Mai, als diese Aufnahmen entstanden, so ist es mehr noch im Sommer, der Zeit der Blüten im Burren.

Manche Platten sind nur 15 - 25 cm dick und liegen nur lose auf dem Untergrund auf - man sagt, etwa jede 25. wackelt beim Betreten. Vielfach sind die Platten indessen durch Verwitterung zu einer Art Granitschotter zerbrochen. Von der Ferne lässt dies den Burren als graue Steinwüste erscheinen.

 


In den Grykes versickert Regenwasser sehr schnell in unterirdischen Höhlensystemen - das bekannteste ist die Aillwee Cave knapp außerhalb von Ballyvaughan; diese Höhle kann gegen Entgelt  besucht werden kann.

Namentlich im östlichen Teil des Burren gibt es eine Anzahl von Turloughs, Seen, die unterirdisch gespeist werden und deren Wasserstand von den unterirdischen Wasserströmen abhängt. Meistens sind sie im Winter gut gefüllt, trocknen im Sommer aus und werden dann als Weiden für Rinder und Schafe genützt. Im Durchschnitt sind sie nur 6 Monate im Jahr mit Wasser gefüllt. In der Touristensaison kann es daher sein, dass die Turloughs scheinbar nicht existieren. Übrigens findet man Turloughs nicht nur im eigentlichen Burren, sondern auch noch östlich davon - das wohl bekannteste, weil am leichtesten zugängliche, Beispiel eines Turlough ist der See im Coole Park bei Gort, wo einst Lady Gregory wohnte.

Obwohl infolge der Bodenerosion (über die Gründe hier) in vielen Teilen des Burren der nackte Kalkfelsen hervortritt, findet sich im Burren dennoch eine durchaus reichhaltige  und schön anzusehende Pflanzenwelt: denn, wie gesagt, sind nicht alle Teile des Burren bis zum nackten Fels erodiert und andererseits ist in den Grykes mit ihrem besonderen Mikroklima eine ganz eigenartige Pflanzenwelt heimisch geworden. Charakterisiert wird sie sowohl durch arktische Pflanzen, die im Burren ihr südlichstes Verbretiungsgebiet haben, andererseits auch durch alpine Pflanzen, die im Burren auch in geringer Höhe über dem Meeresspiegel wachsen. Es gibt aber auch eine Reihe von Pflanzenarten, wie sie sonst nur in Südeuropa gedeihen.

Ende Mai/Anfang Juni ist die beste Zeit, die meisten Pflanzen in ihrer Blüte zu sehen. Aber speziell im Hochsommer blüht eine Reihe von Orchideenarten in den Grykes.



 
Ein Geißblatt (Honeysuckle) anfangs Juni, vor dem Aufblühen. Nach der Blüte bildet die Pflanze kleine rote Beeren, schön anzusehen, aber leider giftig. Die Vergiftungserscheinungen können vielfältig und eigentlich unspezifisch sein, sie reichen von Brechdurchfällen bis Arrythmien des Herzens. Mitreisende Kinder sollten daher vom Essen dieser Beeren abgehalten werden.



Eine sehr schöne Darstellung der im Burren heimischen blühenden Pflanzen gibt diese Seite der Burren Perfumery; durch Anklicken kann man eine relativ große Darstellung der Pflanze betrachten.

 

Besiedelt ist diese scheinbar unwirtliche Landschaft seit ca. 6000 Jahren; von Jägern und Sammlern zunächst, über deren Zahl man sich keine Illusionen machen darf. Es wird angenommen, dass in dem ganzen Landstrich, der heute als Burren bezeichnet wird, nie mehr als 1 bis 2 Sippen mit vielleicht je 20 Menschen gelebt haben. Kein Wunder daher, dass man von diesen - wenigen - Menschen heute kaum mehr Spuren findet, außer vielleicht steinerne oder aus Knochen gefertigte Werkzeuge. Über ihre Religion, über ihre Bräuche weiß man mangels Funden nichts - große Unterschiede zu den Lebensverhältnissen von vorgeschichtlichen Jägern und Sammlern wird es wohl nicht gegeben haben. Örtlich bedingte Unterschiede dennoch: ganz charakteristisch an der Westküste Irlands sind die <Midden>, große Haufen von Muschelschalen, die von diesen Menschen seinerzeit weggeworfen wurden. Wo freilich kein Meer in unmittelbarer Nähe, da auch kein Midden.

Nicht immer sind die Spalten zwischen den durch Verwitterung der Deckschicht aus Kalkstein entstandenen Spalten (Grykes) durch den Wind praktisch bis zur Oberfläche der Deckplatten mit Erosionsmaterial und angewehter Erde angefüllt; das obenstehende Bild des Poulnabrone Dolmen täuscht über die Verhältnisse auch insofern hinweg, als es den Rest des ursprünglich vorhandenen <Cairn> zeigt, der zusammengefallen ist und wahrscheinlich das Grab nicht vollständig bedeckt hat. Aber nur 10 oder 15 Meter vom Dolmen entfernt, zeigt sich die von Grykes durchzogene Landschaft deutlich.

 

 
Erstellt:
6. Augsut 2011
© 2011/Peter Lausch

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