PETER LAUSCH
Bunratty Castle

 

Die Stelle, an der sich seit Jahrhunderten Bunratty Castle befindet, diente um 1000 n. Chr. den Wikingern als Handelsplatz an dem kleinen Flüsschen Raitte, welches am Castle vorbeifließt. Im 15. Jahrhundert errichteten die örtlichen Grundherren, die McNamaras, das heutige Bunratty Castle; in den folgenden Jahrhunderten diente das Castle als befestigter Wohnsitz, wurde aber zu Beginn des 19. Jahrhunderts zu Gunsten des damals etwas weiter östlich errichteten Bunratty House (oder Bunratty Manor) von den damaligen Eigentümern aufgegeben, weil ihnen das Wohnen in einem mittelalterlichen Wohnturm denn doch zu unbequem schien. Bunratty House wies hingegen allen damals neuzeitlichen Wohnkomfort auf - es liegt auf dem Gelände des benachbarten Folk-Parks und kann mit derselben Eintrittskarte besichtigt werden.


Bunratty Castle von der Straße Limerick - Galway aus.
Der Qualität des nicht dazu gehörigen Pubs wird unterschiedlich beurteilt.

Der Wohnturm weist an jeder Ecke einen viereckigen Turm auf, die im Süden (abgebildet) und im Norden je ein hoher Bogen miteinander verbindet. Der Eingang ist auf dem Bild oben nicht sichtbar an der Nordseite, oberhalb eines einst wassergefüllten Grabens; heutzutage klettert man eine Treppe hinauf - der Turm ist natürgemäß nicht behindertengerecht ausgestattet.  Im zweiten Stock befindet sich die <Große Halle>, 14,5 x 9 Meter groß und 14,5 Meter hoch. Eindrucksvoll ist die antike Holzdecke; die Wände sind mit Teppichen behängt, an der Südseite befindet sich ein Podium mit einem fast 7 Meter langen Tisch, der nach Ansicht mancher dem Holz eines gestrandeten Schiffs der Armada stammen soll.


Die <Große Halle>mit wenigen Besuchern (einer, außer mir), 2011


Meistens sind es mehr Besucher, wie hier im Juni 2009

Die einen Stock tiefer gelegene Halle war das sozusagen das Wohnzimmer der Soldaten und der Bediensteten des jeweiligen Earls sowie ein Esszimmer, das für kleinere Bankette benützt wird, während die <Medieval Banquets> in der Großen Halle stattfinden.


Zimmer für Bankette etc.

Über der Großen Halle befindet sich ein weiteres Geschoß mit den Privaträumen der Earls und ihrer Familien; dieses Geschoß wurde nachträglich umgebaut, die ursprüngliche Raumaufteilung und Zweckwidmung kann man nur erschließen.

In die oberen Geschoße gelang man vom Eingang her durch in den Türmen bzw. den dicken Wänden des Castles befindlichen engen Treppen; in den seitlichen Türmen aber auch seitlich der Haupträumlichkeiten in den oberen Geschoßen befindet sich eine ganze Anzahl von Nebenräumen, wie Kapelle, Küche und Abtritte (insgesamt soll es 15 geben, je einer ist für weibliche und männliche Besucher ausgebaut worden.

Steigt man den Hinweisen folgend, die Treppen hinauf, gelangt man schließlich aufs Dachgeschoß mit schöner Aussicht bei schönem Wetter. Den Hinweispfeilen sollte entsprochen werden, sonst wird das Ausweichen auf den engen Wendeltreppen schwierig.


Ansicht des Bunratty Castle vom Weg zum Folk Park

Um die Mitte des 20. Jahrhunderts war Bunratty Castle einigermaßen verfallen, wurde damals von Lord Gort aufgekauft und restauriert. In der Folge gingen Castle und die angrenzenden Grundflächen in die Verwaltung von <Shannon Developement> über. Castle und neu errichteter Folk Park wurden seither zu einer der wichtigsten Touristenattraktionen Irlands. Grund für den Ausbau war, dass in den Jahren ab 1950 die Lebensfähigkeit des Flughafens Shannon in Frage gestellt schien: Geschaffen für Zwischenlandungen bei Transatlantikflügen, wurde der Flughafen dank größerer Reichweiter der modernen Flugzeuge weitgehend entbehrlich und es mussten ringsum Attraktionen geschaffen werden, um Passagiere nach Shannon zu bringen. Heute ist Shannon beträchtlich ausgebaut, doch der Andrang von Passagieren und Starts und Landungen von Flugzeugen halten sich in Grenzen. An einem Samstagnachmittag im Juni ähnelt die Abflughalle einem Spukschloss.

Begonnen hat eigentlich alles nach der Renovierung des Castle und seiner Ausstattung mit einigermaßen zeitgemäßen Möbeln und sonstiger Einrichtung im Jahre 1963 mit <Medieval Banquets>.

Auf das angestrebte Zielpublikum abgestellt, ist das Ganze seit damals eine überwältigende Kitschorgie. Zugleich ist es aber rührend, wenn man sieht, wie alte AmerikanerInnen an dem Mummenschanz freudig teilnehmen: Es passt sozusagen alles zusammen: das Servierpersonal nennt man dort nicht Kellnerin, sondern <Ladies of the Castle>, den Oberkellner >Earl's Butler>, aus jeder Gruppe wird ein <Earl> und seine <Lady> aus den teilnehmenden Greisen und Greisinnen ausgewählt und in der nach altem Fett duftenden Banketthalle wird ein 4-gängiges Menü serviert, ohne Gabel nota bene, denn die hatte man im Mittelalter angeblich noch nicht, dafür mit einer überdimensionalen Serviette als Schutz der Kleidung vor dem vom fetten Schweinefleisch herabtriefenden heißen Fett. Ach ja, zur Einleitung gibt es auch noch einen Kelch (goblet) mit Met. Währenddessen spielt fortwährend eine Musikkapelle angebliche Folksongs und irgendwelche Künstler singen unüberhörbar. Das Ganze ist ein Riesenspass für die Teilnehmer, sofern ihnen erst auf der Rückfahrt im Autobus schlecht wird.

Wer an so etwas teilnehmen will (die Veranstaltung weist eine Reihe von durchaus komischen Aspekten auf und ist samt Essen ihr Geld wert!), der findet Details hier.

Untertags merkt der Besucher bei der Besichtigung des Castle wenig vom allnächtlichen Treiben während der Reisesaison. 

Bunratty Castle unterscheidet sich von den anderen Wohntürmen in Irland schon von Größe und Ausstattung her. Dennoch, ein gemütliches Heim für den Earl und seine Familie dürfte es dennoch nicht gewesen sein und für seine Leute erst recht nicht. Die Kamine im Bankettsaal sind zwar eindrucksvoll, aber wer weiter, bedingt durch seinen Rang, weiter hinten saß, dürfte von der Wärme des Feuers wenig abbekommen haben. Es ist daher verständlich, dass die damaligen Besitzer 1804 sich ein neues Heim bauten - Bunratty House im Gelände des Parks, das besichtigt werden kann.

Beim Eintritt ins Gelände mit Folk-Park und Castle erhalten Gäste Faltblätter mit den notwendigen Informationen in gängigen Sprachen, wozu auch Deutsch gehört. Insofern erübrigen sich hier weitere Beschreibungen.

Eine kleine Beschreibung des Folk-Parks finden Sie in Zukunft hier.

 
Erstellt:
24. Juli 2011
© 2011/Peter Lausch

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