Nach Ende des Krieges ersetzten die Fluggesellschaften die Flugboote durch Landflugzeuge und der während des Krieges neu errichtete Flughafen Shannon spielte von da an eine wichtige Rolle im transatlantischen Flugverkehr. Am 16. September 1945 fand der erste reguläre Flug statt, der von Gander in Neufundland ausging.
Zu dieser Zeit war die Reichweite der Flugzeuge je nach Typ noch auf max. 6000 Kilometer beschränkt; deshalb musste die kürzeste Verbindung zwischen Westeuropa (Flughafen Shannon in Irland) und dem Osten Nordamerikas (Flughafen Gander in Neufundland) genutzt werden. Zum einen diente er bis in die 1960er Jahre als Zwischenstopp für viele Fluggesellschaften, da die begrenzte Reichweite vieler damals noch im Einsatz befindlicher Maschinen einen Nonstop-Flug (z. B. von Frankfurt/M. nach New York) nicht zuließ. Gegen Ende der 1950er Jahre kamen die ersten Verkehrsflugzeuge mit ausreichender Tankkapazität zum Einsatz, und die Bedeutung Shannons als transatlantisches Luft-Drehkreuz ging zurück, weil die großen Flugplätze nun im Direktflug zu erreichen waren. Es hieß daher, die Attraktivität dieses technisch nicht mehr unbedingt nötigen Flughafens zu steigern.
Die Förderung des Fremdenverkehrs schien eine Möglichkeit. Dazu mussten neue Attraktionen geschaffen werden. Irgendwer hatte die gloriose Idee, in dem gerade modernisierten Bunratty Castle so genannte <Medieval Banquets> zu veranstalten - die Nachkommen der ausgewanderten Iren, die ihre irischen <Roots> suchten, waren vollauf begeistert. Diese Banquets gibt es heute noch täglich, infolge des großen Andrangs aber nicht mehr nur in Bunratty Castle, sondern auch im nahe gelegenen Knappogue Castle und in dem südwestlich Galways gelegenen Dunguaire Castle.
In anderen Ländern gibt es seit langem Nachahmungen; in Österreich etwa die Rittermahle auf Burg Lockenhaus: allen ist gemeinsam, die Gäste essen in den Burgräumen mit eingebauter Heizung, dafür aber bei viel Kerzenlicht, fettes Schweinefleisch mit den Händen und bekommen ein Lätzchen umgebunden, damit sie sich nach Möglichkeit nicht anpatzen. Dazu spielt imitierte mittelalterliche Musik auf garantiert unechten mittelalterlichen Musikinstrumenten und serviert wird von echten heutigen Maiden in mittelalterlicher Mode, dass jedem Historiker übel wird. Das wird übrigens auch vielen Gästen infolge zuviel Met und Wein. Ist indessen in Lockenhaus wie in Bunratty oder sonstwo ein kommerzieller Erfolg, also Schwamm drüber. Von irgendetwas müssen die Einheimischen ja leben.
Die Urheber der Medieval Banquets in Bunratty hatten noch eine weitere Königsidee: zwischen dem Bunratty Castle und dem von den Eigentümern des Castle im 19. Jahrhundert errichteten Bunratty House errichteten sie den Bunratty Folk Park. Castle und Folk Park sind sicherlich die einträglichsten Touristenattraktionen im Westen Irlands.

Die ursprüngliche Idee bestand darin, alte Bauernhäuser und Schuppen nicht einfach niederzureißen, sondern, aus Originalteilen im Folk Park wiederaufzubauen. Der überwiegende Teil der Gebäude ist mit durchaus modernen Baumaterialien errichtet (Klinkerwände sind oft nur vor Betonmauern vorgesetzt), und vieles hat keine konkreten Vorbilder: es schaut halt alt aus und das ist der Zweck der Übung. Wer etwa das Pub in der Dorfstraße besucht, sollte sich immer vor Augen halten, dass dieses Gebäude erst ca. 10 Jahre nach den anderen Bauten errichtet worden ist. Wer das nicht weiß, der merkt es nicht: alle miteinander stellen sie die Imitation der gleichsam archetypischen Hauptstraße in einer irischen Kleinstadt um 1900 dar. In vielen der Häuser auf der Dorfstraße sind übrigens Läden untergebracht, in denen es echte Waren zu kaufen gibt - auf diese Weise wird ein allzu musealer Charakter vermieden und vielen Besuchern erleichtert, sich ins Leben in der Vergangenheit zurückzusetzen.
Die Einrichtungsgegenstände sind aus Altwaren zusammengesucht oder neu gebaut und auf alt gemacht,, wie etwa im Pub. Etwas echter und den wirtschaftlichen Verhältnissen eher entsprechend sind die Kleinhäuslerkaten zwischen dem Eingangsgebäude in die Anlage und dem Castle, sowie einige abgelegene Katen, die, da touristisch weniger attraktiv, auch weniger besucht werden.

Nachbau eines Fischerhauses aus Kerry
Dazu gehört etwa das Byre House, eine jener im 19. Jahrhundert sehr häufigen Katen besitzloser Landpächter, in denen Menschen und Tiere in der kalten Jahreszeit unter einem Dach lebten.

Dieses Haus ist auch ein - denke ich - schönes Beispiel für die geschönte Vergangenheit: Leute, die mit der Kuh im Haus lebten, hatten sicherlich kein Geld für roten lackierte Türen: nach allem was man weiß, waren auch die Wände solcher Byre-Houses nicht weiß gekalkt, sondern naturbelassen, allenfalls die Ritzen mit Mörtel verschmiert. Und von einer so schönen Pflasterung und schönen Schränken konnten die besitzlosen Kleinhäusler des 19. Jahrhunderts auch nur träumen. Immerhin, es ist das einzige Haus, wenn ich nicht irre, in dem die Fäkalienrinne sichtbar ist, die den Bereich der Tiere von dem der Menschen trennt. In natura kann man so etwas im Deserted Village auf Achill Island sehen.

Einigermaßen typische Feuerstelle in einem
Bauernhaus.
Nur die Feuerstelle selbst war gepflastert, der Boden bestand
aus festgetretener Erde.
An Haken hingen die vorhandenen Töpfe und Kannen, möglichst nahe
saßen die Leute,
um etwas Wärme abzubekommen.
Dieses Haus besitzt einen Rauchfang; die meisten dieser Häuser
gegen Ende des 19. Jahrhunderts
besaßen ihn nicht, der Rauch des Herdfeuers zog in ca. 1,5 Meter
Höhe durch die Türen
ab. Deshalb bestanden Sitzgelegenheiten meist aus niedrigen
Hockern.
Mit anderen Worten: das Leben <auf dem Land> im Irland um 1900 wird ein wenig geschönt und touristentauglicher gemacht, doch wer sich die Mühe macht, sozusagen hinter die schöne Kulisse zu blicken, sieht durchaus die Wahrheit. Das Bauernhaus aus dem Golden Vale (der lt. Informationsblatt vorgeschlagene Ausgangspunkt eines Rundgangs) hat es zwar gegeben, typisch für die Lebensverhältnisse war es indessen nicht.

Blick von einer Seitengasse aufs Pub, in dem es echtes
Bier, Wein, Whiskey etc. zu trinken gibt und ferner so genanntes <Bar
Food> zu essen.
Die <Wild Woodbine Chigarettes> gibt es ebenso wenig dort wie
anderswo;
Gleiches gilt für die Sweet Afton Cigarettes.


