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15.
Teil Anhang: Motoren |
Systeme der
Belichtungsmessung Vorgeschichte Elektrische
Belichtungsmesser gibt es erst seit 1932. Damals präsentierte die Fa.
Weston den ersten Belichtungsmesser mit einer eingebauten Selenzelle.
Die Selenzelle verwandelt Licht in elektrischen Strom und bringt mittels
eines Potentiometers eine Messnadel zum Ausschlagen, stärker bei mehr
Licht, schwächer bei weniger Licht. Mit entsprechenden Anzeigeskalen
versehen, die den Abgleich von Filmempfindlichkeit, Belichtungszeit und
Blendenwert ermöglichen - fertig ist der Belichtungsmesser. Und wie stellte man vor
1932 die richtige Belichtung für eine Aufnahme ein? Und wie nachher, so
man keinen elektrischen Belichtungsmesser besaß? Wie haben die
Fotografen des 19. Jahrhunderts ihre Aufnahmen belichtet? Durch Versuch und
Irrtum sozusagen. Man schrieb schön brav die Belichtungsdaten einer
jeden Aufnahme auf einschließlich der Lichtverhältnisse und gewann
einen Erfahrungsschatz, der dem Fotografen in ähnlichen
Beleuchtungsverhältnissen zugute kam. In deutschen Landen
galt lange Zeit zu Recht die Regel: <Die Sonne lacht, Blende 8>. Probieren Sie
die Regel doch aus: Sonne im Rücken, Landschaft vor Ihnen, ISO
100-Film, 1/250 Sekunde. Sie erhalten eine richtig belichtete Aufnahme,
sogar bei Verwendung eines Diafilms mit seinem relativ geringen
Belichtungsspielraum. Aus Amerika kam die "Sunny 16"-Regel: Blende 16, Belichtungszeit in Sekundenbruchteilen entspricht der Empfindlichkeit in ISO: ISO 100-Film, 1/100 Sekunde, ISO 50-Film, 1/60 Sekunde. Probieren Sie, es funktioniert. Kleine Abwandlungen sind am Strand oder bei Seitenlicht fällig. In Innenräumen, am
Abend etc. ist die Regel nicht anwendbar. Für solche Fälle, aber
natürlich auch bei Sonnenschein, gab es schon vor dem 1. Weltkrieg optische Belichtungsmesser: man
blickt durch eine Art kleines Fernrohr, sieht das Motiv streifenförmig
in unterschiedlicher Helligkeit, überträgt die Zahl des Streifens,
mit dem man das Motiv gerade noch erkennen kann, auf eine Skala und erhält
die richtige Belichtungszeit und Blende. So wie es klingt, war es auch,
kompliziert und ungenau, aber immer noch besser als nix. In Zweifelsfällen half
die eigene Erfahrung und half auch sie nicht, machte man
Aufnahmen mit unterschiedlichen Einstellungen von Zeit und Blende und
hoffte, irgendeine Aufnahme werde schon richtig belichtet sein. Sie werden verstehen,
dass sich elektrische Belichtungsmesser rasch durchsetzten. Waren die ersten
Belichtungsmesser noch etwa faustgroß, baute man in den 50er-Jahren
handliche und teils auf die Kamera aufsetzbare Belichtungsmesser, die bei manchen Fabrikaten
auch noch mit dem Zeitenrad der Kamera gekuppelt wurden. Euphemistisch
sprach man von der <Automatisierung der Aufnahmetechnik>. Nächster Schritt war logischerweise der Einbau kleiner Belichtungsmesser in die Kameras selbst. Aus Platzgründen wurden die Selenzellen verkleinert, damit sie mit dem Messgerät ins Oberteil der Kamera passten - kleine Messzellen sind aber leider weniger empfindlich. Die Nippon Kogaku K. K. baute derartige
kleine Belichtungsmesser in ihre für den Gebrauch durch Amateure
gedachten Nikkorex-Modelle ein. Belichtungsmesser für
die Nikon F Schon für die Nikon SP
hatte es einen aufsteckbaren Belichtungsmesser mit Selenzelle gegeben,
der mit dem Zeitenknopf gekuppelt werden konnte. Im Jahre 1962 präsentierte
Nippon Kogaku K. K. einen Prismensucher mit eingebautem
Belichtungsmesser; diese Kombination wurde als
Photomicsucher
bezeichnet. Entsprechend heißt eine Nikon F mit diesem Sucher
"Nikon F Photomic''. Möglich wurde der Photomic-Sucher durch die
Verwendung einer CdS-Messzelle, die links oben im Gehäuse des beträchtlich
großen Suchers sitzt. Kleiner konnte der Sucher nicht sein, weil er
nicht nur die Mechanik des Belichtungsmessers beherbergt, sondern auch
die beiden Quecksilberbatterien. Zum Unterschied von Selenzellen
funktioniert eine CdS-Zelle nicht ohne Stromzuführung. Die notwendigen
Quecksilberbatterien (2 Stück PX 625 mit je 1,35 V Spannung) werden
übrigens in der EU nicht mehr erzeugt und nicht mehr gehandelt,
wirklich gleichwertiger Ersatz ist nicht vorhanden. So wie bei den
Aufsteckbelichtungsmessern vorher wird auch beim Photomic-Sucher
der Zeitenknopf der Kamera mit dem Einstellrad des Photomic verbunden
und rastet ein Kupplungsstift an der Vorderseite unten in die für die Nikkor-Objektive damals charakteristische
Messgabel auf dem Objektiv ein. Dadurch werden Zeit- und
Blendeneinstellung im Sinne einer schnelleren Einstellung dieser Werte
mit dem Belichtungsmesser gekuppelt. Die entscheidende
Neuerung erfolgte drei Jahre später. Ab 1965 wurde der
Photomic T
angeboten, das T symbolisiert die TTL-Belichtungsmessung. Zwei CdS-Zellen im Sucheraufsatz neben dem Okular messen dabei das vom Motiv
durch das Objektiv auf die Mattscheibe einfallende Licht integral.
Deshalb wird nur das tatsächlich für die Belichtung des Films wirksame
Licht vom Belichtungsmesser erfasst, unabhängig von der Brennweite. Lichtverluste durch Verwendung
von Vorsatzfiltern, Zwischenringen oder eines Balgengeräts werden
berücksichtigt, die umständliche Rechnerei bei
Nahaufnahmen erübrigt sich. Eine wesentliche Fehlerquelle für
misslungene Aufnahmen fällt weg. Das Manko der
Integralmessung wurde 1967 mit dem
Photomic Tn und mit der Nikkormat FTN
beseitigt: entsprechend geformte Linsen vor den beiden CdS-Zellen im
Prismenaufsatz bewirken eine mittenbetonte Messung; der durch
Mattscheibe und Schnittbildentfernungsmesser gebildete zentrale Bereich
mit 12 mm Durchmesser geht zu 60% in die Messung ein, der Rest der
Mattscheibe zu 40%. Nach Meinung der Konstrukteure liegt eben der
bildwichtige Teil des Motivs im allgemeinen in der Mitte der Aufnahme
und der werde dadurch primär berücksichtigt. Man kann auch den nicht
in der Bildmitte liegenden Teil des Bildes gezielt anmessen, wenn er als
bildwichtig angesehen wird. All das führt zu einer
Vereinfachung der Messtechnik, aber nicht immer zu optimal belichteten
Aufnahmen. Mir scheint das Jahr
1967 aber vor allem wichtig, weil hier gedanklich ein Prozess beginnt, der
die japanische Kameraindustrie seither beherrscht: durch Gerätetechnik
dem Fotografen möglichst das Denken abzunehmen und ihm dennoch perfekt
belichtete Aufnahmen zu garantieren. Man kann diesen Gedanken natürlich
auch vornehmer formulieren: Durch Befreiung von technischen
Überlegungen die Konzentration aufs Bild zu ermöglichen. Die
Verfeinerung der Messtechnik in den folgenden Jahrzehnten beweist diese
Denkweise ebenso wie die Perfektionierung der AF-Einstellung in modernen
Kameras. 1969 wurden mit dem
Photomic FTN zwei weitere Schwächen beseitigt: die großen und schweren
Photomics haben sich im Gedränge der Profis gelegentlich vom Gehäuse
gelöst; durch eine neue Befestigungsvorrichtung an Gehäuse und
Photomic wird ein sicherer (Komparativ!) Sitz des Photomic FTN gewährleistet.
Vor allem kann bei ihm die Lichtstärke des verwendeten Objektivs
automatisch eingegeben werden (zeitgenössisches Werbedeutsch). Der
Blendenring wird vor dem Einsetzen auf Blende 5,6 eingestellt, das
Objektiv wird eingesetzt und der Blendenring wird einmal nach rechts und
links auf die größte und kleinste Blende gedreht. Damit ist die
Lichtstärke ins Messsystem eingegeben. Belichtungsmessung
bei der Nikon F2 Zur F2 war ab deren
Vorstellung im Jahr 1971 ein Photomic-Aufsatz mit der Bezeichnung DP-1
lieferbar, der in seinen Eigenschaften dem Photomic FTN zur Nikon F
entspricht. Anstatt dieses Aufsatzes wurde ab 1976 der Aufsatz DP-3
geliefert, der mit schneller ansprechenden Silizium-Fotodioden arbeitet.
Dieser Sucher blieb
dann einige Jahre Stand der Technik; bei der ab 1979 lieferbaren Nikon
EM wurde der Mattscheibenkreis statt mit 60 % nur mehr mit 40 % bewertet
und die Gewichtung des Bildzentrums damit abgeschwächt: die Benutzer
dieser für den Amateurmarkt bestimmten Kamera sollten vor Fehlmessungen
durch allzu starke Gewichtung eines relativ kleinen und vielleicht
unwichtigen Bildteiles nach Möglichkeit bewahrt bleiben. Im Gegensatz dazu floss
bei der Nikon F3 der Belichtungswert für das Bildzentrum sogar mit 80 %
in die Rechnung ein, eine schwache Spotmessung mit Berücksichtigung der
Randzonen war das Ergebnis. Das war vielleicht günstig für Profis, die
ihre Aufnahmen sorgfältig belichten, nicht für unbeschwertes
Fotografieren. Die mittenbetonte
Messung spielt seit vielen Jahren nur mehr eine Nebenrolle, genau
genommen seit der Einführung der Nikon FA im Jahre 1983 mit AMP. Die in
der "Automatic Multi-Pattern-Messung verkörperte
Belichtungsmessung in insgesamt 5 Feldern bei Berücksichtigung der
einzelnen Belichtungswerte und die Anordnung der 5 Felder ermöglicht
dem Rechenwerk der Kamera eine weitaus höhere Treffsicherheit und damit
in sehr vielen Fällen eine optimale Belichtung auch unter schwierigen
Verhältnissen, etwa bei Schneeaufnahmen im Sonnenschein oder bei
Sonnenuntergängen. Diese Messmethode kommt dem oben genannten Ziel näher,
den Nutzer von allerlei Überlegungen vor der Aufnahme zu befreien. Entsprechend
vervollkommnet, heißt sie ab 1988 mit der F-801 allerdings
"Matrix-Messung" und ist seither zur Standardmethode geworden;
ergänzt wird sie in der Regel durch die mittenbetonte Messung und bei
den teureren Modellen durch die Spotmessung. Ab 1990 und der Nikon F
90 ist die Matrixmessung vervollkommnet worden, indem auch die
Entfernung des scharfgestellten Motivs berücksichtigt wird. Das setzt
entsprechend ausgerüstete Objektive voraus, die AF-D-Nikkore.
Heutzutage gibt es neu nur mehr solche Objektive zu kaufen. Von Nikon
groß herausgestellt, ist der Vorteil dieser entfernungsabhängigen
Belichtungsmessung meiner Meinung aber vor allem bei geblitzten
Aufnahmen merkbar. Und seit der Vorstellung der Nikon F5 im Jahre 1996 wird, aber nur bei dieser Profikamera, zusätzlich bei der Matrixmessung auch noch die Farbe des scharfgestellten Motivs berücksichtigt - wie das auch immer in der Praxis bewerkstelligt wird. Sie wollen weiterlesen? Zurück zur Nikon-Story ©
Peter Lausch © 2004 www.lausch41.com
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