Systeme der Belichtungsmessung 
bei Nikon-SLRs

Vorgeschichte

Elektrische Belichtungsmesser gibt es erst seit 1932. Damals präsentierte die Fa. Weston den ersten Belichtungsmesser mit einer eingebauten Selenzelle. Die Selenzelle verwandelt Licht in elektrischen Strom und bringt mittels eines Potentiometers eine Messnadel zum Ausschlagen, stärker bei mehr Licht, schwächer bei weniger Licht. Mit entsprechenden Anzeigeskalen versehen, die den Abgleich von Filmempfindlichkeit, Belichtungszeit und Blendenwert ermöglichen - fertig ist der Belichtungsmesser.

Und wie stellte man vor 1932 die richtige Belichtung für eine Aufnahme ein? Und wie nachher, so man keinen elektrischen Belichtungsmesser besaß? Wie haben die Fotografen des 19. Jahrhunderts ihre Aufnahmen belichtet?

Durch Versuch und Irrtum sozusagen. Man schrieb schön brav die Belichtungsdaten einer jeden Aufnahme auf einschließlich der Lichtverhältnisse und gewann einen Erfahrungsschatz, der dem Fotografen in ähnlichen Beleuchtungsverhältnissen zugute kam.

In deutschen Landen galt lange Zeit zu Recht die Regel: <Die Sonne lacht, Blende 8>. Probieren Sie die Regel doch aus: Sonne im Rücken, Landschaft vor Ihnen, ISO 100-Film, 1/250 Sekunde. Sie erhalten eine richtig belichtete Aufnahme, sogar bei Verwendung eines Diafilms mit seinem relativ geringen Belichtungsspielraum.

Aus Amerika kam die "Sunny 16"-Regel: Blende 16, Belichtungszeit in Sekundenbruchteilen entspricht der Empfindlichkeit in ISO: ISO 100-Film, 1/100 Sekunde, ISO 50-Film, 1/60 Sekunde. Probieren Sie, es funktioniert. Kleine Abwandlungen sind am Strand oder bei Seitenlicht fällig.

In Innenräumen, am Abend etc. ist die Regel nicht anwendbar. Für solche Fälle, aber natürlich auch bei Sonnenschein, gab es schon vor dem 1. Weltkrieg optische Belichtungsmesser: man blickt durch eine Art kleines Fernrohr, sieht das Motiv streifenförmig in unterschiedlicher Helligkeit, überträgt die Zahl des Streifens, mit dem man das Motiv gerade noch erkennen kann, auf eine Skala und erhält die richtige Belichtungszeit und Blende. So wie es klingt, war es auch, kompliziert und ungenau, aber immer noch besser als nix. 

Schließlich gab es Belichtungsscheiben, mit drehbaren Skalen für die Witterungsverhältnisse, die Filmempfindlichkeit und für Zeit und Blende. Machte man alles richtig, bekam man auch bei trübem Wetter, bei Nebel und Regen etc. auf SW-Film eine einigermaßen richtig belichtete Aufnahme.

In Zweifelsfällen half die eigene Erfahrung und half auch sie nicht, machte man Aufnahmen mit unterschiedlichen Einstellungen von Zeit und Blende und hoffte, irgendeine Aufnahme werde schon richtig belichtet sein.

Sie werden verstehen, dass sich elektrische Belichtungsmesser rasch durchsetzten.

Waren die ersten Belichtungsmesser noch etwa faustgroß, baute man in den 50er-Jahren handliche und teils auf die Kamera aufsetzbare Belichtungsmesser, die bei manchen Fabrikaten auch noch mit dem Zeitenrad der Kamera gekuppelt wurden. Euphemistisch sprach man von der <Automatisierung der Aufnahmetechnik>.

Nächster Schritt war logischerweise der Einbau kleiner Belichtungsmesser in die Kameras selbst. Aus Platzgründen wurden die Selenzellen verkleinert, damit sie mit dem Messgerät ins Oberteil der Kamera passten - kleine Messzellen sind aber leider weniger empfindlich.

Die Nippon Kogaku K. K. baute derartige kleine Belichtungsmesser in ihre für den Gebrauch durch Amateure gedachten Nikkorex-Modelle ein.

Belichtungsmesser für die Nikon SP und die anderen Sucherkameras

  

Vorgestellt wurde dieser Belichtungsmesser von Nikon im Jahre 1957 zur Verwendung mit der Nikon SP, er lässt sich aber auch an den späteren Modellen S3, S4 und S3M verwenden, die ja allesamt über keinen eingebauten Belichtungsmesser verfügen. An den früheren Modellen Nikon I, M, S und S2 lässt er sich nicht ansetzen, weil er mit den Bedienungselementen auf der Oberseite der Kameras kollidiert. Insgesamt wurden etwa 17ooo Stück produziert, was zeigt, dass es sich um ein seinerzeit sehr begehrtes Zubehör handelte - war ja auch praktisch und handlich.

Wäre er nicht von Nikon erzeugt worden, man müsste kein Wort über das Gerät verlieren. Er gehört zu den vielen bauähnlichen Belichtungsmessern, die, klein und handlich, auf die Kamera aufgesteckt werden konnten, mit Selenzelle und Diffusor ausgestattet waren und bei wenig Licht nichts mehr anzeigten. Durch Druck auf den links oben ersichtlichen Knopf konnte die Schutzkappe aufgeklappt und der Belichtungsmesser benützt werden. Durch eine mitgelieferte Streuscheibe eignet sich das Gerät auch für Lichtmessung (vom Motiv aus). Lieferbar war auch eine separate, in die Schiene in der Abbildung links oben einschiebbare seitlich ansteckbare Verstärkerzelle . Bei deren Verwendung ist für die Zeiteinstellung nicht der Pfeil auf dem Gehäuse, sondern das Fenstersymbol daneben maßgebend. Diese Verstärkerzelle ist übrigens auch mit den späteren Aufsteckbelichtungsmessern zur Nikon F verwendbar.

Es gibt eine (seltenere) graue Ausführung und die gängigere Ausführung mit schwarzem Gehäuse. Infolge Alterung der Selenzelle funktionieren allerdings nur mehr wenige Exemplare auch heute noch genau, wenn überhaupt.

Die Bedienung ist einfach. die gewünschte Zeit wird mit der weißen Scheibe auf den weißen Pfeil auf dem Gehäuse eingestellt und auf Grund der mit der schwarzen Scheibe eingegebenen Filmempfindlichkeit in ASA gegenüber dem kleinen schwarzen Pfeil auf der Zeitenscheibe (im Beispiel auf 100 ASA eingestellt) ergibt sich je nach Zeigerausschlag die passende Blende. Filterfaktoren etc. musste der Benutzer manuell berücksichtigen.

Auf der Unterseite befindet sich ein Aufsteckfuß, der in den Sucherschuh der Kamera eingeschoben wird wodurch, sich eine durchaus handliche Kombination von Kamera und Belichtungsmesser ergibt.

Von vorne gesehen sieht der Belichtungsmesser so aus:

 

Belichtungsmesser zur Nikon F

Denkt man an Belichtungsmesser zur Nikon F, denkt man normalerweise an den Photomic, eine Kombination von Prismensucher und (mit Zeit und Blende gekuppelten) Belichtungsmesser, vor allem an die Modelle mit TTL-Innenmessung.

Die Nikon F wurde ab Juni 1959 verkauft; damals war aber der Photomic noch nicht fertig. Nikon lieferte statt dessen in mehreren Varianten einen mit Zeit und Blende gekuppelten Belichtungsmesseraufsatz mit Selenzelle . Sein Zeitenknopf ist durch einen Stift auf dem Zeitenknopf der Kamera verbunden. Die Verbindung mit der Blendenskala des Objektivs erfolgt mittels des gabelförmigen Blendenmitnehmers des Objektivs, in den ein Kupplungsstift an der Unterseite des Belichtungsmessers einrastet.

Für die Nikon F wurden insgesamt drei Versionen eines aufsteckbaren   Selen-Belichtungsmessers auf den Markt gebracht; bei der ersten und der letzten Version konnte ein Verstärkerelement zugeschaltet werden. Handlicher wurde die Kamera durch diese Aufsätze freilich nicht, und schöner anzusehen auch nicht.

 

 

 

In der Abbildung oben ist links vorne der Belichtungsmesseraufsatz Modell 1 abgebildet. Wie die übrigen Varianten wird er durch 2 Klemmen mit der Frontplatte der Kamera verbunden und deckt den Schriftzug Nikon ab, weshalb jeder Belichtungsmesseraufsatz mit einem eigenen Schriftzug versehen ist.

Mit der Drehscheibe auf der Oberseite wird die Filmempfindlichkeit in ASA von 6 - 4000 ASA eingestellt sowie ferner die gewünschte Blende am Objektiv mittels des Einstellhebels unterhalb des Belichtungsmessers und des gabelförmigen Blendenmitnehmers des Objektivs. Danach kann die passende Zeit-/Blendenkombination auf der Drehscheibe mit Hilfe der beweglichen Anzeigenadel abgelesen bzw. durch Verstellen von Zeit oder Blende korrigiert werden. Ein Ein- und Ausschalter fehlt, weil ja die Selenzelle den für die Messung notwendigen Strom bei Lichteinfall auch ohne Batterie produziert.

In Aufnahmehaltung befindet sich rechts eine Halterung für eine aufsteckbare Verstärkerzelle. Eine Nikon F mit Belichtungsmesser Modell I samt Verstärkerzelle zeigt die folgende Abbildung:

Im Glasfenster auf der Oberseite des Belichtungsmessers zeigte eine goldfarbene Messnadel bei schlechtem Licht und eine silberfarbene Messnadel bei gutem Licht die richtige Blende an.

In der Abbildung der 3 Aufsteckbelichtungsmesser oben sehen Sie rechts oben das Modell II des Belichtungsmesseraufsatzes, erkennbar durch die größeren Fläche der Selenzelle, die dadurch empfindlicher ist als die des Modell I. Dafür hat Nikon den Anschluss für die Verstärkerzelle weggelassen.

Das Modell III schließlich hat zwar wieder den Anschluss für die Verstärkerzelle, hat eine etwas kantigere Form und ist etwas länger als Modell I und II.

In der genannten Abbildung   sehen Sie übrigens rechts unten den Belichtungsmesseraufsatz Modell III mit dem Schriftzug <Nikkor> an Stelle von <Nikon>. Eine Zeit lang wurde infolge eines namensrechtlichen Streits mit Zeiss Ikon die Nikon samt Zubehör in Deutschland als <Nikkor> verkauft. Als Zeiss Ikon keine Kameras mehr herstellte, wurde die Kamera samt Zubehör auch in Deutschland als <Nikon> geliefert.

 

Nikon F Photomic
(Nikon F mit Belichtungsmesseraufsatz Photomic)

 

 

Ab 1962 lieferte Nikon zum Gehäuse der Nikon F eine als <Photomic> bezeichnete Kombination von Prismensucher und Belichtungsmesser mit CdS-Zelle, wobei eine Quecksilberbatterie PX-13 mit 1,3 Volt den notwenigen Strom für die Messung lieferte. Gemessen wird durch die außen liegende CdS-Messzelle. Der Photomic ohne Namenszusatz verfügt über keine Innenmessung!

Der Photomic existiert in 2 Ausführungen, einer ersten, älteren, bei der das Mess-System mit einer ausschwenkbaren Klappe eingeschaltet wird (in der Abbildung oben in eingeschaltetem Zustand). Der Ausschlag der Messnadel kann durch Blick in den Prismensucher und wahlweise auch von oben durch Blick auf das Messfenster auf der Oberseite des Suchers verfolgt werden. Der Photomic ist wie alle Nachfolgemodelle dieses Sucheraufsatzes recht groß und überdeckt die Blendenskala des Objektivs. Daher findet sich bei allen Modellen an der Rückseite ein kleines Fenster, in dem die eingestellten Blendenzahl abgelesen werden kann.

Was in der Abbildung links aus dem Aufsatz ragt, ist ein vorne auf das runde Mess-Auge aufsteckbarer Teleskopvorsatz und eine Streuscheibe. Mit dem Photomic ist daher nicht nur, wie sonst üblich, Objektmessung, sondern nach Aufsetzen der Streuscheibe aufs runde Messauge auch Lichtmessung möglich. Mit dem Televorsatz wird  der Messwinkel von ca. 60 Grad auf 18 Grad verkleinert - praktisch z. B. bei Aufnahmen mit Teleobjektiven mit Festbrennweiten von 85 bis 135 mm (Zoomobjektive waren noch nicht erfunden), aber auch eine Art Spotmessung war möglich, obgleich der Begriff damals noch nicht existierte.

Ähnlich schaut auch die 2. Ausführung  aus, doch wurde die Klappe (<Flag> auf Englisch) durch einen kleinen seitlichen Schalter ersetzt, mit dem der Belichtungsmesser eingeschaltet wurde. Ausgeschaltet wurde er dann durch Druck auf einen kleinen Druckknopf auf der Oberseite des Gehäuses. Die automatische Abschaltung nach einer bestimmten Zeit war noch nicht erfunden!

 

Nikon F Photomic T
(Der Photomic T Sucher zur Nikon F)

Ab 1965, beginnend mit Kamera Nr. 6 700 001, lieferte Nikon die ersten Nikon F's mit einem TTL-Belichtungsmesseraufsatz aus. So wie bei den Aufsteckbelichtungsmessern vorher wird auch beim Photomic-Sucher  der Zeitenknopf der Kamera mit dem Einstellrad des Photomic verbunden und rastet ein Kupplungsstift an der Vorderseite unten in die für die Nikkor-Objektive damals charakteristische Messgabel auf dem Objektiv ein. Dadurch werden Zeit- und Blendeneinstellung im Sinne einer schnelleren Einstellung dieser Werte mit dem Belichtungsmesser gekuppelt.

Dieses etwas klobige Bauteil enthielt das Sucherprisma, den elektrischen Belichtungsmesser und 2 Quecksilberbatterien PX-13 mit je 1,3 V Spannung. Der Photomic T ermöglichte erstmals bei der Nikon F die Innenmessung bei offener Blende, was damals bei weitem noch nicht bei allen Konkurrenzprodukten der Fall war. Die Belichtung wurde auf der ganzen Mattscheibe gemessen (Ganzfeldmessung), eine mittenbetonte Messung wie bei den Nachfolgemodellen oder gar die heute übliche Matrixmessung gab es noch nicht. Dafür war der Belichtungsmesser für die damalige Zeit recht empfindlich, sein Messbereich reichte von Lichtwert 2 - 17, das entspricht bei ISO 100 einem Bereich von 1/2 Sekunde bei Bl. 1,4 - 1/1000 Sekunde bei Bl. 11, wenn ein Nikkor-S 1,4/50 verwendet wurde.

Der Photomic T war ein - rückblickend betrachtet - wichtiger Fortschritt. Nicht nur war damit die TTL-Belichtungsmessung möglich, was eine genauere Belichtung zuließ, auch und vor allem, wenn die Kamera mit Zwischenringen oder Balgengerät verwendet wurde - konnten doch automatisch die Verlängerungsfaktoren berücksichtigt und damit eine genaue Belichtung derartiger Aufnahmen sichergestellt  werden. Bis dahin war es notwendig gewesen, Verlängerungsfaktoren manuell zu berücksichtigen, der Aufsatz nahm diese Arbeit ab. Darüber hinaus war bei allen Aufnahmen, bei denen das Objektiv an der Kamera verwendet wurde, dank des von Anfang an an den Objektiven mit Springblende angebrachten Blendenmitnehmers die Belichtungsmessung bei offener Blende möglich. Der Belichtungsmesseraufsatz benötigt für die Belichtungsmessung 2 Stück Quecksilberzellen der Type PX 625 mit je 1,35 V Spannung), die aus Gründen des Umweltschutzes übrigens in der EU nicht mehr erzeugt und nicht mehr gehandelt werden dürfen. Neben Bastellösungen gibt es einen akzeptablen Ersatz in Form von Zink/Luftbatterien im Elektrohandel. 

Ausgenommen hievon waren Aufnahmen mit Zwischenringen, Balgengerät und überhaupt alle Aufnahmen, wo, wie etwa bei Mikroskopaufnahmen, ohne an die Kamera angesetztes Objektiv gearbeitet wurde. Da wurde es dann kompliziert: zwar wurden die Verlängerungsfaktoren berücksichtigt, aber es musste

  • der ASA-Wert auf der Skala auf der Oberseite des Zeitenknopfes auf den roten Punkt (für Blende 1,2) der Skala direkt unterhalb gedreht werden,
  • der Blendenmitnehmer auf der Vorderseite des Photomic T manuell ganz nach rechts geschoben
  • und die Belichtung bei Arbeitsblende gemessen werden.

Nach heutigen Begriffen war die Benützung des Photomic T auch sonst nicht wirklich bequem, aber damals war man Besseres nicht gewohnt und daher zufrieden. So musste die Empfindlichkeit des eingelegten Films manuell mit dem Index für die größten Blende auf dem Drehknopf abgeglichen werden. In der unteren Abbildung sehen Sie die korrekte Einstellung, wenn ein ISO 100 Film mit dem Nikkor-S 1,4/50 verwendet wird.

Mit dem kleinen seitlichen Druckknopf vorne wurde der Belichtungsmesser eingeschaltet, wobei der Knopf auf der Oberseite angehoben wurde (er musste nach der Messung niedergedrückt werden, um den Belichtungsmesser wieder auszuschalten, die heute übliche automatische Abschaltung des Mess-Systems war 1965 noch nicht erfunden). Bei der Messung wurde an Blenden- oder Zeitenskala so lange gedreht, bis die Messnadel (sichtbar im kleinen Kästchen an der Oberseite des Aufsatzes und beim Blick auf die Mattscheibe) sich auf eine Kreismarke einpendelte. Damit war - sofern der bildwichtige Teil des Motivs angemessen wurde - die richtige Belichtung eingestellt.

Der Photomic T wies zwei systemimmanente Mängel auf:

  • Wurde ein Objektiv mit einer anderen Lichtstärke angesetzt, z. B. ein Nikkor-Q 3,5/135 musste die Filmempfindlichkeit an die max. Blende, im Beispiel: 3,5, angepasst werden. Wurde diese Anpassung in der Eile vergessen, waren mehr oder minder falsch belichtete Aufnahmen die Folge.
  • War der bildwichtige Teil des Motivs (etwa bei einem Porträt) deutlich heller oder dunkler, musste die gemessene Belichtung manuell korrigiert werden, um eine Über- oder Unterbelichtung des Gesichts zu vermeiden. Das war eine unvermeidbare Folge der Ganzfeldmessung.

Normalerweise wurde der Photomic T mit dem Kameragehäuse gemeinsam angeboten, die Kamera in dieser Ausführung wurde daher von Nikon als <Nikon F Photomic T> bezeichnet. Der Photomic T konnte aber auch als Zusatzsucher separat gekauft und an Stelle des <normalen> Prismen- oder des Lichtschachtsuchers benützt werden. Das war problemlos möglich, außer bei den früheren Kameras unter Nr. 6 700 001; sofern diese Anpassung nicht ohnehin schon von Nikon im Werk vorgenommen worden war, musste die nächst gelegene Nikon-Vertretung für einen nominellen Betrag zwei Stege im Gehäuse oberhalb der Mattscheibe ein wenig abschleifen, damit der Photomic T einwandfrei passte.

Leider ist nämlich Nikon auch in den ersten Produktionsjahren der Nikon F der Tradition bei den Sucherkameras treu geblieben, Deckplatten etc. auf Vorrat zu erzeugen und mit der Zeit aufzubrauchen. Es gibt daher auch Nikon F Photomic T mit niedrigerer Nummer, bei denen, weil - unter der Verwendung der <alten> Deckplatte später hergestellt - die Halterung bereits modifiziert worden ist, ebenso wie es ältere Nikon F gibt, bei denen bei Reparaturen die Halterung unter einem geändert wurde.

 

 Nach heutigen Begriffen ist das Fotografieren trotz Photomic T einigermaßen umständlich; nicht nur ist die Integralmessung bei Gegenlichtaufnahmen und allgemein bei Motiven mit ungleichmäßiger Lichtverteilung einigermaßen ungenau, kompliziert ist auch die Kupplung des Photomic T mit dem Objektiv bei dessen Wechsel. Die Blende muss auf 16 eingestellt werden, beim Ansetzen des Objektivs muss die Messgabel des Objektivs mit dem entsprechenden Verbindungsstift des Photomic T kuppeln; danach wird auf dem Zeit-Einstellring des Photomic T dem ASA-Wert des verwendeten Films die größte Blende des Objektivs gegenübergestellt. 

Fehlbelichtungen sind die Folge, wenn man da etwas falsch macht. Immerhin, die Belichtungsmessung erfolgt (außer bei Verwendung von Zwischenringen oder des Balgengeräts) bei offener Blende, das war damals nicht selbstverständlich und ein ganz wesentlicher Wettbewerbsvorteil.

Nikon F Photomic Tn

Das Manko der Integralmessung wurde 1967 mit dem Photomic Tn und mit der fast gleichzeitig vorgestellten Nikkormat FTN beseitigt: entsprechend geformte Linsen vor den beiden CdS-Zellen im Prismenaufsatz bewirken eine mittenbetonte Messung Lieferbar war dieser erste Photomic mit <mittenbetonter> Messung von April 1967 bis Mitte 1968.

Wichtigster Unterschied: Das Mattscheibenzentrum (der zentrale Mikroprismenring samt Schnittbildentfernungsmesser) mit einem Durchmesser von 12 mm wurde mit 60%, das Umfeld mit 40% berücksichtigt. Ordnet man bei der Messung den bildwichtigen Teil einer Aufnahme im Zentrum an, wird in sehr vielen Fällen auch bei großen Helligkeitsunterschieden eine gleichsam automatische Berücksichtigung dieser Helligkeitsunterschiede erreicht. Falls gewünscht, lässt sich danach das Motiv für die eigentliche Aufnahme immer noch anderswo platzieren als in der Bildmitte, auf die gemessen wurde.

Äußerlich erkennbar ist der Photomic Tn an einem Batterietestknopf an der Oberseite vor dem Druckknopf für die Ausschaltung des Mess-Systems und an einem kleinen N unmittelbar hinter diesem Knopf (für: New).

Die mittenbetonte Messung blieb bei Nikon der Standard der Belichtungsmessung bis 1983, als mit der Nikon FA erstmals die Belichtungsmessung mit mehreren Messfeldern vorgestellt wurde (die heutige Matrixmessung). 

 

Nikon F Photomic FTN

Vor Herbst 1968 bis zum Produktionsende der Nikon F im Mai 1974 war der Prismensucher/Belichtungsmesser Photomic FTN unverändert lieferbar. Dennoch gibt es von der Nikon F Photomic FTN zwei Versionen, denn Anfang 1974 glich Nikon das Aussehen der Nikon F an die Nikon F2 an - der Sucher-/Belichtungsmesseraufsatz Photomic FTN selbst blieb dabei unverändert.

Auf den ersten Blick erkennt man diese 2. Version an den Plastikummantelungen des Selbstauslöser- und des Transporthebels. Andere kleine Änderungen der Kamera sind schwerer zu erkennen, etwa die Tragösen aus Stahl bei unverändertem Aussehen.

Diese geänderte Kamera mit dem Photomic FTN zeigt die Abbildung.

 Nikon F Photomic FTN

© Leicashop Wien

Nicht nur ist der Photomic FTN kleiner und ragt nicht mehr über die Blendenreihe der Objektive (das kleine Sichtfenster an der Rückseite - Kennzeichen aller früheren Photomics - entfiel daher), der wesentliche Unterschied liegt in der Änderung der Lichtstärkeneingabe in den Belichtungsmesser. Vorbei sind die Zeiten des mühseligen Abgleichens von größter Blende mit dem ASA-Wert auf der Oberseite des Zeitenknopfes (wurde oft vergessen, Fehlbelichtungen sind die Folge, wenn das angesetzte Objektiv eine andere Lichtstärke hat).

Statt dessen wird beim Ansetzen des Objektivs die Blende auf 5,6 gestellt und  das Objektiv ans Gehäuse angeschlossen, wobei der Stift des Belichtungsmessers in den gabeförmigen Objektivmitnehmer des Objektivs einrastet (selten muss man manuell nachhelfen) - die Kupplung mit dem Mess-System erfolgt durch eine Rechts- und Linksdrehung des Blendenrings. Damit wird die größte  und die kleinste Blende des Objektivs eingesteuert. Das geht schneller, ist einfacher und erfolgt gleichsam automatisch durch den Benutzer.

Fehlt Ihnen der Batteriedeckel unter dem Einschalter? Die Batterien wurden bei abgenommenen Photomic FTN von der Unterseite eingelegt.

Ansonsten entspricht der Photomic FTN bis auf belanglose Kleinigkeiten dem Vorgängermodell TN, auch er besitzt also die mittenbetonte Messmethode der Belichtung.

Dieser Sucheraufsatz wurde bis zur Produktionseinstellung der Nikon F angeboten und nicht mehr verändert. Er ist somit nicht nur der relativ jüngste und relativ modernste, sondern auch der häufigste.

Belichtungsmessung bei der Nikon F2

 

Zur F2 war ab deren Vorstellung im Jahr 1971 ein Photomic-Aufsatz mit der Bezeichnung DP-1 lieferbar, der in seinen Eigenschaften dem Photomic FTN zur Nikon F entspricht. Anstatt dieses Aufsatzes wurde ab 1976 der Aufsatz DP-3 geliefert, der mit schneller ansprechenden Silizium-Fotodioden arbeitet.

Dieser Sucher blieb dann einige Jahre Stand der Technik; bei der ab 1979 lieferbaren Nikon EM wurde der Mattscheibenkreis statt mit 60 % nur mehr mit 40 % bewertet und die Gewichtung des Bildzentrums damit abgeschwächt: die Benutzer dieser für den Amateurmarkt bestimmten Kamera sollten vor Fehlmessungen durch allzu starke Gewichtung eines relativ kleinen und vielleicht unwichtigen Bildteiles nach Möglichkeit bewahrt bleiben.

Die weitere Entwicklung:

Im Gegensatz dazu floss bei der Nikon F3 der Belichtungswert für das Bildzentrum sogar mit 80 % in die Rechnung ein, eine schwache Spotmessung mit Berücksichtigung der Randzonen war das Ergebnis. Das war vielleicht günstig für Profis, die ihre Aufnahmen sorgfältig belichten, nicht für unbeschwertes Fotografieren. 

Daher ist Nikon mit der F-801 ab 1988 zu einer Gewichtung von 75 : 25 übergegangen, die bei der mittenbetonten Messung den Bedürfnissen der Praxis am Besten entspricht - und dabei bis heute geblieben. 

Seit Einführung der Spotmessung (erstmals in die Nikon F4 im Jahre 1988) besteht alternativ die Möglichkeit, bei Bedarf einen etwa 5 mm großen Kreis in der Bildmitte gezielt anzumessen und mittels Messwertspeicherung den gemessenen Wert bei der Aufnahme zu berücksichtigen.

Die mittenbetonte Messung spielt seit vielen Jahren nur mehr eine Nebenrolle, genau genommen seit der Einführung der Nikon FA im Jahre 1983 mit AMP. Die in der "Automatic Multi-Pattern-Messung verkörperte Belichtungsmessung in insgesamt 5 Feldern bei Berücksichtigung der einzelnen Belichtungswerte und die Anordnung der 5 Felder  ermöglicht dem Rechenwerk der Kamera eine weitaus höhere Treffsicherheit und damit in sehr vielen Fällen eine optimale Belichtung auch unter schwierigen Verhältnissen, etwa bei Schneeaufnahmen im Sonnenschein oder bei Sonnenuntergängen. Diese Messmethode kommt dem oben genannten Ziel näher, den Nutzer von allerlei Überlegungen vor der Aufnahme zu befreien.

Entsprechend vervollkommnet, heißt sie ab 1988 mit der F-801 allerdings "Matrix-Messung" und ist seither zur Standardmethode geworden; ergänzt wird sie in der Regel durch die mittenbetonte Messung und bei den teureren Modellen durch die Spotmessung.

Ab 1990 und der Nikon F 90 ist die Matrixmessung vervollkommnet worden, indem auch die Entfernung des scharfgestellten Motivs berücksichtigt wird. Das setzt entsprechend ausgerüstete Objektive voraus, die AF-D-Nikkore. Heutzutage gibt es neu nur mehr solche Objektive zu kaufen. Von Nikon groß herausgestellt, ist der Vorteil dieser entfernungsabhängigen Belichtungsmessung meiner Meinung aber vor allem bei geblitzten Aufnahmen merkbar.

Und seit der Vorstellung der Nikon F5 im Jahre 1996 wird, aber nur bei dieser Profikamera, zusätzlich bei der Matrixmessung auch noch die Farbe des scharfgestellten Motivs berücksichtigt - wie das auch immer in der Praxis bewerkstelligt wird.  

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© Peter Lausch
Zuletzt bearbeitet:
30.1.2010

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