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Einleitung

1. Teil
Anfänge

2. Teil
Nikon M etc.

3. Teil
Nikon SP

4. Teil
Nikon F

5. Teil
Nikkorex

6. Teil
Nikon F2

7. Teil
Nikkormat

8. Teil
Nikon FM

9. Teil
Nikon F3

10. Teil
Nikon FM2

11. Teil
Nikon F-301

12. Teil
Nikon F4

13. Teil
Nikon F90

14. Teil
Nikon F5

15. Teil
Nikon F100, D1 F80
und F65 

16. Teil
Ausblick

Anhang:
Nikon Digital für
Profis

Nikon 
D1X

Motoren

Belichtung
bei den SLR

 Leica-Story

Contax-Story

 

Systeme der Belichtungsmessung 
bei Nikon-SLRs

Vorgeschichte

Elektrische Belichtungsmesser gibt es erst seit 1932. Damals präsentierte die Fa. Weston den ersten Belichtungsmesser mit einer eingebauten Selenzelle. Die Selenzelle verwandelt Licht in elektrischen Strom und bringt mittels eines Potentiometers eine Messnadel zum Ausschlagen, stärker bei mehr Licht, schwächer bei weniger Licht. Mit entsprechenden Anzeigeskalen versehen, die den Abgleich von Filmempfindlichkeit, Belichtungszeit und Blendenwert ermöglichen - fertig ist der Belichtungsmesser.

Und wie stellte man vor 1932 die richtige Belichtung für eine Aufnahme ein? Und wie nachher, so man keinen elektrischen Belichtungsmesser besaß? Wie haben die Fotografen des 19. Jahrhunderts ihre Aufnahmen belichtet?

Durch Versuch und Irrtum sozusagen. Man schrieb schön brav die Belichtungsdaten einer jeden Aufnahme auf einschließlich der Lichtverhältnisse und gewann einen Erfahrungsschatz, der dem Fotografen in ähnlichen Beleuchtungsverhältnissen zugute kam.

In deutschen Landen galt lange Zeit zu Recht die Regel: <Die Sonne lacht, Blende 8>. Probieren Sie die Regel doch aus: Sonne im Rücken, Landschaft vor Ihnen, ISO 100-Film, 1/250 Sekunde. Sie erhalten eine richtig belichtete Aufnahme, sogar bei Verwendung eines Diafilms mit seinem relativ geringen Belichtungsspielraum.

Aus Amerika kam die "Sunny 16"-Regel: Blende 16, Belichtungszeit in Sekundenbruchteilen entspricht der Empfindlichkeit in ISO: ISO 100-Film, 1/100 Sekunde, ISO 50-Film, 1/60 Sekunde. Probieren Sie, es funktioniert. Kleine Abwandlungen sind am Strand oder bei Seitenlicht fällig.

In Innenräumen, am Abend etc. ist die Regel nicht anwendbar. Für solche Fälle, aber natürlich auch bei Sonnenschein, gab es schon vor dem 1. Weltkrieg optische Belichtungsmesser: man blickt durch eine Art kleines Fernrohr, sieht das Motiv streifenförmig in unterschiedlicher Helligkeit, überträgt die Zahl des Streifens, mit dem man das Motiv gerade noch erkennen kann, auf eine Skala und erhält die richtige Belichtungszeit und Blende. So wie es klingt, war es auch, kompliziert und ungenau, aber immer noch besser als nix. 

Schließlich gab es Belichtungsscheiben, mit drehbaren Skalen für die Witterungsverhältnisse, die Filmempfindlichkeit und für Zeit und Blende. Machte man alles richtig, bekam man auch bei trübem Wetter, bei Nebel und Regen etc. auf SW-Film eine einigermaßen richtig belichtete Aufnahme.

In Zweifelsfällen half die eigene Erfahrung und half auch sie nicht, machte man Aufnahmen mit unterschiedlichen Einstellungen von Zeit und Blende und hoffte, irgendeine Aufnahme werde schon richtig belichtet sein.

Sie werden verstehen, dass sich elektrische Belichtungsmesser rasch durchsetzten.

Waren die ersten Belichtungsmesser noch etwa faustgroß, baute man in den 50er-Jahren handliche und teils auf die Kamera aufsetzbare Belichtungsmesser, die bei manchen Fabrikaten auch noch mit dem Zeitenrad der Kamera gekuppelt wurden. Euphemistisch sprach man von der <Automatisierung der Aufnahmetechnik>.

Nächster Schritt war logischerweise der Einbau kleiner Belichtungsmesser in die Kameras selbst. Aus Platzgründen wurden die Selenzellen verkleinert, damit sie mit dem Messgerät ins Oberteil der Kamera passten - kleine Messzellen sind aber leider weniger empfindlich.

Die Nippon Kogaku K. K. baute derartige kleine Belichtungsmesser in ihre für den Gebrauch durch Amateure gedachten Nikkorex-Modelle ein.

Belichtungsmesser für die Nikon F

Schon für die Nikon SP hatte es einen aufsteckbaren Belichtungsmesser mit Selenzelle gegeben, der mit dem Zeitenknopf gekuppelt werden konnte. 

Für die Nikon F wurden in rascher Folge insgesamt drei Versionen eines aufsteckbaren und mit dem Zeitenrad sowie dem Blendenring des Objektivs gekuppelten Selen-Belichtungsmessers auf den Markt gebracht; bei der ersten und der letzten Version konnte ein Verstärkerelement zugeschaltet werden. Handlicher wurde die Kamera durch diese Aufsätze freilich nicht, und schöner anzusehen auch nicht.

Im Jahre 1962 präsentierte Nippon Kogaku K. K. einen Prismensucher mit eingebautem Belichtungsmesser; diese Kombination wurde als Photomicsucher bezeichnet. Entsprechend heißt eine Nikon F mit diesem Sucher "Nikon F Photomic''. Möglich wurde der Photomic-Sucher durch die Verwendung einer CdS-Messzelle, die links oben im Gehäuse des beträchtlich großen Suchers sitzt. Kleiner konnte der Sucher nicht sein, weil er nicht nur die Mechanik des Belichtungsmessers beherbergt, sondern auch die beiden Quecksilberbatterien. Zum Unterschied von Selenzellen funktioniert eine CdS-Zelle nicht ohne Stromzuführung. Die notwendigen Quecksilberbatterien (2 Stück PX 625 mit je 1,35 V Spannung) werden übrigens in der EU nicht mehr erzeugt und nicht mehr gehandelt, wirklich gleichwertiger Ersatz ist nicht vorhanden.

So wie bei den Aufsteckbelichtungsmessern vorher wird auch beim Photomic-Sucher  der Zeitenknopf der Kamera mit dem Einstellrad des Photomic verbunden und rastet ein Kupplungsstift an der Vorderseite unten in die für die Nikkor-Objektive damals charakteristische Messgabel auf dem Objektiv ein. Dadurch werden Zeit- und Blendeneinstellung im Sinne einer schnelleren Einstellung dieser Werte mit dem Belichtungsmesser gekuppelt.

Die entscheidende Neuerung erfolgte drei Jahre später. Ab 1965 wurde der Photomic T angeboten, das T symbolisiert die TTL-Belichtungsmessung. Zwei CdS-Zellen im Sucheraufsatz neben dem Okular messen dabei das vom Motiv durch das Objektiv auf die Mattscheibe einfallende Licht integral. Deshalb wird nur das tatsächlich für die Belichtung des Films wirksame Licht vom Belichtungsmesser erfasst, unabhängig von der Brennweite. Lichtverluste durch Verwendung von Vorsatzfiltern, Zwischenringen oder eines Balgengeräts werden berücksichtigt, die umständliche Rechnerei bei Nahaufnahmen erübrigt sich. Eine wesentliche Fehlerquelle für misslungene Aufnahmen fällt weg. 

Nach heutigen Begriffen ist das Fotografieren trotz Photomic T einigermaßen umständlich; nicht nur ist die Integralmessung bei Gegenlichtaufnahmen und allgemein bei Motiven mit ungleichmäßiger Lichtverteilung einigermaßen ungenau, kompliziert ist auch die Kupplung des Photomic T mit dem Objektiv bei dessen Wechsel. Die Blende muss auf 16 eingestellt werden, beim Ansetzen des Objektivs muss die Messgabel des Objektivs mit dem entsprechenden Verbindungsstift des Photomic T kuppeln; danach wird auf dem Zeit-Einstellring des Photomic T dem ASA-Wert des verwendeten Films die größte Blende des Objektivs gegenübergestellt. 

Fehlbelichtungen sind die Folge, wenn man da etwas falsch macht. Immerhin, die Belichtungsmessung erfolgt (außer bei Verwendung von Zwischenringen oder des Balgengeräts) bei offener Blende, das war damals nicht selbstverständlich.

Das Manko der Integralmessung wurde 1967 mit dem Photomic Tn und mit der Nikkormat FTN beseitigt: entsprechend geformte Linsen vor den beiden CdS-Zellen im Prismenaufsatz bewirken eine mittenbetonte Messung; der durch Mattscheibe und Schnittbildentfernungsmesser gebildete zentrale Bereich mit 12 mm Durchmesser geht zu 60% in die Messung ein, der Rest der Mattscheibe zu 40%. Nach Meinung der Konstrukteure liegt eben der bildwichtige Teil des Motivs im allgemeinen in der Mitte der Aufnahme und der werde dadurch primär berücksichtigt. Man kann auch den nicht in der Bildmitte liegenden Teil des Bildes gezielt anmessen, wenn er als bildwichtig angesehen wird.

All das führt zu einer Vereinfachung der Messtechnik, aber nicht immer zu optimal belichteten Aufnahmen.

Mir scheint das Jahr 1967 aber vor allem wichtig, weil hier gedanklich ein Prozess beginnt, der die japanische Kameraindustrie seither beherrscht: durch Gerätetechnik dem Fotografen möglichst das Denken abzunehmen und ihm dennoch perfekt belichtete Aufnahmen zu garantieren. Man kann diesen Gedanken natürlich auch vornehmer formulieren: Durch Befreiung von technischen Überlegungen die Konzentration aufs Bild zu ermöglichen. Die Verfeinerung der Messtechnik in den folgenden Jahrzehnten beweist diese Denkweise ebenso wie die Perfektionierung der AF-Einstellung in modernen Kameras.

1969 wurden mit dem Photomic FTN zwei weitere Schwächen beseitigt: die großen und schweren Photomics haben sich im Gedränge der Profis gelegentlich vom Gehäuse gelöst; durch eine neue Befestigungsvorrichtung an Gehäuse und Photomic wird ein sicherer (Komparativ!) Sitz des Photomic FTN gewährleistet. Vor allem kann bei ihm die Lichtstärke des verwendeten Objektivs automatisch eingegeben werden (zeitgenössisches Werbedeutsch). Der Blendenring wird vor dem Einsetzen auf Blende 5,6 eingestellt, das Objektiv wird eingesetzt und der Blendenring wird einmal nach rechts und links auf die größte und kleinste Blende gedreht. Damit ist die Lichtstärke ins Messsystem eingegeben. 

Ein Photomic FTN ist leicht zu erkennen: das Batteriefach ist auf der Unterseite angeordnet und ein seitlicher Knopf links am Sucher schaltet den links oben angebrachten Einschaltknopf wieder aus. Dieser Sucheraufsatz wurde bis zur Produktionseinstellung der Nikon F angeboten und nicht mehr verändert. Er ist somit nicht nur der relativ jüngste und relativ modernste, sondern auch der häufigste.

Belichtungsmessung bei der Nikon F2

Zur F2 war ab deren Vorstellung im Jahr 1971 ein Photomic-Aufsatz mit der Bezeichnung DP-1 lieferbar, der in seinen Eigenschaften dem Photomic FTN zur Nikon F entspricht. Anstatt dieses Aufsatzes wurde ab 1976 der Aufsatz DP-3 geliefert, der mit schneller ansprechenden Silizium-Fotodioden arbeitet.

Dieser Sucher blieb dann einige Jahre Stand der Technik; bei der ab 1979 lieferbaren Nikon EM wurde der Mattscheibenkreis statt mit 60 % nur mehr mit 40 % bewertet und die Gewichtung des Bildzentrums damit abgeschwächt: die Benutzer dieser für den Amateurmarkt bestimmten Kamera sollten vor Fehlmessungen durch allzu starke Gewichtung eines relativ kleinen und vielleicht unwichtigen Bildteiles nach Möglichkeit bewahrt bleiben.

Im Gegensatz dazu floss bei der Nikon F3 der Belichtungswert für das Bildzentrum sogar mit 80 % in die Rechnung ein, eine schwache Spotmessung mit Berücksichtigung der Randzonen war das Ergebnis. Das war vielleicht günstig für Profis, die ihre Aufnahmen sorgfältig belichten, nicht für unbeschwertes Fotografieren. 

Daher ist Nikon mit der F-801 ab 1988 zu einer Gewichtung von 75 : 25 übergegangen, die bei der mittenbetonten Messung den Bedürfnissen der Praxis am Besten entspricht - und dabei bis heute geblieben. 

Seit Einführung der Spotmessung (erstmals in die Nikon F4 im Jahre 1988) besteht alternativ die Möglichkeit, bei Bedarf einen etwa 5 mm großen Kreis in der Bildmitte gezielt anzumessen und mittels Messwertspeicherung den gemessenen Wert bei der Aufnahme zu berücksichtigen.

Die mittenbetonte Messung spielt seit vielen Jahren nur mehr eine Nebenrolle, genau genommen seit der Einführung der Nikon FA im Jahre 1983 mit AMP. Die in der "Automatic Multi-Pattern-Messung verkörperte Belichtungsmessung in insgesamt 5 Feldern bei Berücksichtigung der einzelnen Belichtungswerte und die Anordnung der 5 Felder  ermöglicht dem Rechenwerk der Kamera eine weitaus höhere Treffsicherheit und damit in sehr vielen Fällen eine optimale Belichtung auch unter schwierigen Verhältnissen, etwa bei Schneeaufnahmen im Sonnenschein oder bei Sonnenuntergängen. Diese Messmethode kommt dem oben genannten Ziel näher, den Nutzer von allerlei Überlegungen vor der Aufnahme zu befreien.

Entsprechend vervollkommnet, heißt sie ab 1988 mit der F-801 allerdings "Matrix-Messung" und ist seither zur Standardmethode geworden; ergänzt wird sie in der Regel durch die mittenbetonte Messung und bei den teureren Modellen durch die Spotmessung.

Ab 1990 und der Nikon F 90 ist die Matrixmessung vervollkommnet worden, indem auch die Entfernung des scharfgestellten Motivs berücksichtigt wird. Das setzt entsprechend ausgerüstete Objektive voraus, die AF-D-Nikkore. Heutzutage gibt es neu nur mehr solche Objektive zu kaufen. Von Nikon groß herausgestellt, ist der Vorteil dieser entfernungsabhängigen Belichtungsmessung meiner Meinung aber vor allem bei geblitzten Aufnahmen merkbar.

Und seit der Vorstellung der Nikon F5 im Jahre 1996 wird, aber nur bei dieser Profikamera, zusätzlich bei der Matrixmessung auch noch die Farbe des scharfgestellten Motivs berücksichtigt - wie das auch immer in der Praxis bewerkstelligt wird.  

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© Peter Lausch
Zuletzt bearbeitet: 21. März 2004

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