Die Leica
und ihre Geschichte -
Bedienung der IIIg

Peter LAUSCH 

 

Die Bedienung der LEICA IIIg und der anderen Schraubleicas

 

  

2. Teil der Benützungsanleitung:

Einen Film einlegen
   
 
Am einfachsten legen Sie einen Film in eine IIIg (und in alle anderen Schraubleicas auch) nach folgender Methode ein, die ich an Hand der IIIg erkläre:
   
1. Legen Sie die Kamera - auf den Kopf gestellt -vor sich auf den Tisch und öffnen Sie die Rückwand. Entnehmen Sie die Aufwickelspule.
   
2. Verlängern Sie den Filmanschnitt mit einer Schere auf 10cm. Dabei schneiden Sie den Film zwischen zwei Perforationslöchern, nicht durch eines an. Runden Sie diesen Anschnitt mit der Schere ab und stecken Sie ihn danach in die Aufwickelspule. Das schaut dann so aus:


 
Ein wenig sauberer als ich können Sie schon schneiden. Wichtig ist die Länge des Anschnitts, durch die Maßangabe auf dem Kalender symbolisiert.

Wollen Sie genau schneiden und sind Sie mit Ihren Freihandschnitten nicht zufrieden, von Leitz gab es eine eigene Schneidelehre mit der Bezeichnung ABLON. Gebraucht findet man sie noch heute in den einschlägigen Geschäften - billig ist sie aber nicht.
   
3. In die auf dem Kopf stehende Kamera (mit dem Objektiv zu Ihnen) setzen Sie gleichzeitig Filmpatrone und Aufwickelspule mit dem Film dazwischen ein, sodass er in die Filmführung gleitet. Kassette und Spule halten Sie dabei parallel zueinander. Haben Sie zu viel Film aus der Patrone gezogen, wickeln Sie ihn um die Aufwickelspule oder drehen ihn wahlweise in die Patrone zurück. Der Film sollte beim Einlegen keine Schlaufe bilden, aber auch nicht direkt gespannt sein, sonst bringen Sie ihn nicht in die Filmführung. Worte helfen nichts, probieren Sie!
   
3. Lassen Sie Kassette und Spule mit dem Film dazwischen in die Kamera gleiten. Vermeiden Sie den Fehler, den Sie auf der nächsten Abbildung sehen (verkanten Sie nicht die Spule!!!!). Lassen Sie Kassette und Spule einrasten - helfen Sie notfalls durch Drehen des Rückspulknopfes nach.



   4. Halten Sie Kassette und Spule in Position, drehen Sie Kamera um und stellen Sie auf der Oberseite (vor dem Auslöser) den Hebel auf "A". Drehen Sie langsam den Transportknopf. Achten Sie, ob Sie einen Widerstand spüren. Lösen Sie einmal aus. Drehen Sie weiter. OK? Setzen Sie den Bodendeckel auf, machen Sie noch 2 Leeraufnahmen. Der Rückspulknopf dreht sich beim Filmtransport? Gut so, ansonsten wäre der Anschnitt aus der Aufwickelspule gerutscht.
   
5. Stellen Sie das Zählwerk auf Null und machen Sie eine weitere Leeraufnahme. Sie haben es geschafft!

Eine Aufnahme machen
   
Haben Sie den Film richtig eingelegt, 2 oder 3 Leeraufnahmen gemacht, das Rad des Bildzählwerkes auf 1 gestellt, dann steht nach diesen Vorbereitungen den eigentlichen Aufnahmen nichts mehr im Wege.
   
Ach ja, die Belichtungszeit müssen Sie einstellen. Die Zeit so kurz, dass Sie die Aufnahme nicht verwackeln - Freihandaufnahmen mindestens auf 1/125 sec, besser noch auf 1/250 sec - abhängig letztlich von der Blende, mit der Sie fotografieren wollen und von der vorhandenen Helligkeit und der Empfindlichkeit des von Ihnen gewählten Films. Sind Sie ein noch junger Mensch, hat das viele Vorteile, aber unter anderem auch einen kleinen Nachteil: die richtige Belichtungszeit und Blende zu schätzen, haben Sie wahrscheinlich bei Ihren bisherigen mehr oder minder elektronisch gesteuerten Kameras nicht schätzen gelernt. Daher brauchen Sie einen Belichtungsmesser. 

Handbelichtungsmesser gibt es sonder Zahl, auch noch welche mit Selenzelle, die keine Batterie für die Messung benötigt. Solche Messgeräte sind preiswert erhältlich, aber leider nicht sehr empfindlich. Relativ teuer - und gut - sind Handbelichtungsmesser mit CdS-Zelle etc. 

Neuerdings gibt es von Cosina einen in den Zubehörschuh aufsteckbaren bzw. einschiebbaren kleinen Belichtungsmesser, der sehr gut zum Erscheinungsbild der LEICA IIIg passt, genauso gut aber zu anderen Schraubleicas. Auch auf einer M-Leica ohne TTL-Belichtungsmessung (z. B. M2, M3, M4, M4-2 und M4-P) schaut er nicht übel aus. Er ist so klein, dass er auch auf viele Altkameras auch anderer Marken passt, soweit sie keinen Belichtungsmesser eingebaut haben oder, wenn doch, einen, dessen Selenzelle nach 30 oder 40 Jahren ihre Funktionsfähigkeit verloren hat.
   
Nur der Vollständigkeit sage ich, dieses Seite wird von Cosina nicht gesponsert, ich bin auch sonst nicht am Gewinn beteiligt etc. Ich habe bloß einen solchen Belichtungsmesser und ich bin sehr zufrieden, wenngleich er nicht billig ist.

So Sie wollen, Sie können sich auch einen aufsetzbaren und mit der Zeiteinstellung kuppelbaren und von Metrawatt für Leitz erzeugten Leicameter MC oder MR in verschiedenen Ausführungen kaufen. Die Leicameter schauen zwar an einer LEICA sehr hübsch aus, haben aber heute gravierende Nachteile: 1. sind sie teuer, 2. ist der Leicameter MC mit Selenzelle relativ unempfindlich und ist die Zelle aus Altersgründen vielfach schon funktionsunfähig, 3. hat der Leicameter MR zwar eine CdS-Messzelle, den dafür notwendigen Strom liefert eine in der EU und in den USA verbotene Batterie mit Quecksilberoxyd - Ersatz bieten notfalls bloß die Zink-Luft-Batterien, wie sie im Zubehörhandel gelegentlich erhältlich sind. Probieren Sie jeden Leicameter vor dem Kauf auf Funktionsfähigkeit, vereinbaren Sie ein Rückgaberecht (Geld zurück, nicht Gutschrift!).
   
Haben Sie also Zeit und Blende hoffentlich richtig eingestellt, schauen Sie durch den Sucher und komponieren sozusagen Ihre Aufnahme. Die Entfernung stellen Sie mit Hilfe des Entfernungsmessers und durch gleichzeitiges Drehen der Entfernungseinstellung am Objektiv fest, indem Sie die beiden vergrößerten Teilbilder miteinander zur Deckung bringen. Die meisten älteren Objektive zu den Schraubleicas haben zwecks schnellerer Einstellung der Entfernung während des Blicks in das Fenster des Entfernungsmessers einen Einstellhebel am Objektiv. Verwenden Sie ein Fremdobjektiv, findet sich statt dessen allenfalls eine Griffmulde mit der selben Funktion. Fehlt auch das, drehen Sie am - meist geriffelten - Ring der Entfernungseinstellung. Mit Einstellhebel sind Sie einfach schneller.
   
Druck auf den Auslöser, Film transportieren (und damit gleichzeitig Verschluss aufziehen) - und Sie sind für die nächste Aufnahme bereit, solange der Film reicht. Nach der letzten Aufnahme öffnen Sie die Kamera nicht - als die Schraubleicas erzeugt wurden, war das Zeitalter der automatischen und motorischen Filmrückspulung noch nicht angebrochen - aber das wissen Sie ja ohnehin. Sie müssen mittels Rückspulknopf den Film in die Patrone zurückspulen.
   
Das war es auch schon.
   
Wenn Ihnen die Bilder gefallen, sobald Sie sie vom Händler erhalten, liegt es an Ihnen und an der Kamera - und natürlich am Motiv.
   
Sind hingegen die Aufnahmen nicht so ausgefallen, wie sie sein sollten,, kann es mehrere Ursachen haben.
   
Mag sein, die abgelichtete Gattin etc. gefällt sich nicht auf den Aufnahmen. Dazu sage ich nichts. 
   
Mag aber auch sein, die Bilder sind unscharf, verschleiert, verwaschen, an einer Seite dunkler als auf der anderen etc. Das kann viele Gründe haben. Vielleicht haben Sie eine falsche Zeit- und Blendenkombination gewählt, vielleicht hat das Labor geschlampt. Vielleicht haben Sie die Entfernung falsch eingestellt, falls die Bilder unscharf sind. Sind sie alle unerklärlicher Weise auf einer Seite dunkler als auf der anderen, prüfen Sie den Verschluss, vielleicht läuft er nicht gleichmäßig ab. Dass Sie erst jetzt - von vorne - das Objektiv Ihrer LEICA anschauen, nehme ich nicht an. Aber dennoch: fehlt vielleicht die Vergütung? Dann haben Sie ein recht altes Objektiv verwendet; zur Zeit der IIIg waren alle Objektive von Leitz bereits vergütet. Unvergütete Objektive sind anfällig für Reflexionen und reagieren mit verschleierten Aufnahmen und überhaupt ein wenig verwaschenen, pastellartigen Farben, obgleich das Original vielleicht durchaus intensiv farbig war. Auch weisen viele Objektive innen einen mehr oder minder deutlich sichtbaren Belag auf - die seinerzeit verwendeten Klebstoffe haben sich chemisch verändert. Dieser Belag ist mit vernünftigen Kosten nicht zu entfernen, wenn überhaupt.

Dass die Verschlusszeiten nicht mehr stimmen, dass der Verschluss nicht gleichmäßig abläuft, kommt bei 40 oder 50 Jahre alten Kameras schon vor, ist weiter kein Problem, die Kamera muss gereinigt werden und der Verschluss überprüft. Dumm nur, dass das Geld kostet und den Preis des guten Stücks allenfalls beträchtlich in die Höhe treibt. Allenfalls ist der Verschluss auch einfach löchrig; auf Unendlich eingestellte Objektive wirken - bei günstiger Lage der Kamera zur Sonne - wie Brenngläser und brennen gern winzig kleine Löchlein in das Tuch des Schlitzverschlusses. Das gilt letztlich für alle LEICAs, die alle einen Schlitzverschluss mit Verschlussvorhängen aus Tuch haben - mit Ausnahme der Compur-LEICA, die Sie wahrscheinlich nicht besitzen und mit der Sie noch viel weniger eine Aufnahme machen werden. Die heutige Firma Nikon Corp hat daher schon ab 1959 ihre Kameras mit Schlitzverschlüssen mit Verschlussvorhängen aus Titaniumfolie ausgestattet.
   
Wenn aber, was ich Ihnen wünsche, alles gut gegangen ist, haben Sie Aufnahmen gemacht, die den Aufnahmen mit heutigen Kameras technisch in Nichts nachstehen - und darauf kommt es an.

Zum Teil 1 der Beschreibung
 

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

Peter LAUSCH
Zuletzt geändert am  17.März 2015