Die Leica
und ihre Geschichte -
Bedienung der IIIg

Peter LAUSCH 

 

 Die Bedienung der LEICA IIIg und der anderen Schraubleicas

 

 

1. Teil:   

Warum gibt es diese Seite?
   
Heutzutage klappt man die Rückwand seiner Kamera auf, legt die Patrone ein, zieht den Film aus der Patrone quer über das Bildfenster bis zu einer Markierung, schaut, dass er flach liegt und schließt die Rückwand. Der Kameramotor schaltet sich ein, transportiert den Film bis zur ersten Aufnahme, im Sucher oder im Monitor auf der Deckplatte sehen Sie ein Symbol für die Filmpatrone und die Zahl 1, nichts blinkt, nichts zirpt - der Film ist einwandfrei eingelegt, die Kamera ist bereit zum fotografieren.
   
Und am Filmende? Die Kamera spult den vollständig belichteten Film motorisch und gegebenenfalls Geräusche von sich gebend, in die Patrone zurück. Sie brauchen ihn bloß bei geöffneter Rückwand zu entnehmen. Den Rest erledigt der Fotohändler, oder die Drogerie.
   
Ich will Sie nicht ärgern. Ich weiß, und Sie wissen, wie man einen Film einlegt und wie man ihn bei modernen Kameras auch wieder herausnimmt. Sie sollten sich nur vergewissern, wie einfach dieser Vorgang heutzutage ist, bevor Sie weiterlesen.
   
Denn die Leica war schon immer ein wenig anders als die anderen.
   
Daher will ich Ihnen Schritt für Schritt am Beispiel einer LEICA IIIg beschreiben, wie Sie den Film einlegen, wie Sie Aufnahmen machen, wie Sie den Film zurückspulen und wie Sie dabei alles richtig machen. Bedenken Sie auch, dass der Vorgang des Filmeinlegens jedoch für alle LEICAs mit Schraubgewinde gleich ist. Was ich bezüglich der IIIg diesbezüglich schreibe, gillt somit auch für die anderen Schraubleicas.
   
Erste Schritte
   
Also: Am besten setzen Sie sich an einen Tisch und legen Ihre LEICA in Aufnahmehaltung auf denselben. Von oben sehen Sie schon die wichtigsten Bedienungselemente.

3goben.jpg (62728 Byte)Mit dem Drehknopf links spulen Sie den Film in die Patrone zurück, wenn Sie alle Aufnahmen gemacht haben oder den Film zwischendurch wechseln wollen. Mit dem drehbaren Hebel darunter stellen Sie den Dioptrienausgleich ein, wenn nötig.
   
Im erhabenen Gehäuse rechts davon befindet sich der Sucher und der Entfernungsmesser. Auf dem Gehäuse ist der Zubehörschuh angebracht. Vor dem Zubehörschuh sehen Sie die Gehäusenummer. An Hand dieser Nummer können Sie das Alter Ihrer Kamera feststellen, denn im Internet finden sich entsprechende Verzeichnisse der Fertigungsnummern. Meine LEICA IIIg hat die Gehäusenummer 980 810 und stammt aus dem Jahre 1955. Am Drehknopf daneben stellen Sie die Verschlusszeit ein, indem Sie die passende Zahl (in Sekundenbruchteilen mit Ausnahme der 1, die für eine ganze Sekunde steht) der schwarzen Strichmarke auf der rechten Schiene des Zubehörschuhs gegenüberstellen. Bei allen Schraubleicas sollten Sie sich angewöhnen, vor der Einstellung einer Verschlusszeit vorher den Film weiter zu transportieren (und damit den Verschluss zu spannen). Wollen Sie eine andere Verschlusszeit einstellen und haben den Film schon weitertransportiert, heben Sie den Drehknopf ein wenig an und drehen; lassen Sie ihn bei passender Einstellung los, rastet er ein und Sie haben die gewünschte und hoffentlich auch passende Belichtungszeit eingestellt. Mit diesem Drehknopf stellen Sie nur die Zeiten ab 1/30 sec bis 1/1000 sec und B ein. Außerdem benützen Sie ihn zur Einstellung der richtigen Blitzsynchronisation. Das rote Blitzsymbol (neben der Einstellung auf 1/30 sec ist für Birnchenblitze, das schwarze Blitzsymbol entspricht 1/50 sec und wäre bei Elektronenblitz einzustellen). Auf diesem Knopf finden Sie auch die Einstellung für B (bei älteren Modellen der LEICA statt dessen ein Z für Zeit). 

Die langen Zeiten von 1/30 bis 1 sec stellen Sie mit dem Drehknopf darunter, an der Vorderseite des Gehäuses ein - aber nur, nachdem Sie mit dem Drehknopf auf der Oberseite vorher die Einstellung 30-1 gewählt haben. Ältere Modelle haben noch die alte, deutsche, Abstufung der Belichtungszeiten, daher finden Sie bei ihnen das Kürzel: (1/)25 - 1 sec. Diesen Langzeitenknopf an der Gehäusevorderseite müssen Sie notfalls durch Druck mit dem Daumennagel auf eine kleine Erhebung oben entriegeln, um ihn drehen zu können, z. B. an der IIIg. 

Gleiches gilt, wenn Sie eine IIIc oder IIIf vor sich haben; bei den früheren Modellen fehlt dieser Druckknopf. Wollen Sie unbedingt 1/7 sec. einstellen, Sie können! Bei den langen Zeiten sind nämlich auch Zwischenzeiten einstellbar. Auf diesem Ring finden Sie auch die Einstellung für T. Bei Einstellung auf T bleibt nach Druck auf den Auslöser der Verschluss so lange offen, bis Sie den Drehknopf auf eine andere Einstellung drehen. T finden Sie bei modernen Kleinbildkameras kaum mehr. 

Für Jüngere von Ihnen ungewohnt: der Zeitenknopf auf der Oberseite (für die kurzen Zeiten) dreht sich beim Auslösen des Verschlusses. Berühren Sie ihn nicht bei der Auslösung! Die moderne Art der Zeiteinstellung, bei der sich der Zeitenknopf nicht dreht, finden Sie bei LEICAs erst ab der Einführung der M-Leicas mit der M 3.
   
Rechts davon finden Sie auf dem abgestuften Gehäuseteil hinten den Auslöser mit einer Manschette, in die ein speziell geformter Drahtauslöser eingeschraubt werden kann.
3goben2.jpg (70203 Byte) Den von Leitz findet man kaum mehr; die Nippon Kogaku K. K. hat für ihre älteren Kameramodelle eine gleichartige Lösung gewählt (das heißt, kopiert), sodass Sie auch einen leichte erhältlichen Nikon-Drahtauslöser verwenden können. Wie auch immer, er muß die sogenannte Leica-Glocke aufweisen, sonst passt er nicht an die Kamera. Bei einem Versender aus Süddeutschland bekommen Sie für einige Euros einen Drahtauslöseradapter auf die Leica-Glocke.
   
Auf dem eigentlichen Auslöser finden Sie einen schwarzen Punkt. Er dreht sich beim Filmtransport mit und zeigt damit an, dass der Film einwandfrei transportiert wird (das sehen Sie aber auch, wenn Sie dabei den Rückspulknopf links beobachten).
   
Vor dem Auslöser finden Sie einen Hebel mit einer Pfeilmarkierung auf dem Oberteil. Bei Stellung A nehmen Sie auf, bei Stellung R können Sie den Rückspulknopf herausziehen und den Film zurückspulen (die Rückspulsperre ist dabei entriegelt).
   
Mit dem Drehknopf rechts transportieren Sie den Film nach jeder Aufnahme weiter, indem Sie in Pfeilrichtung drehen. Dabei dreht sich das Filmzählwerk jeweils um einen Teilstrich weiter.
   
In Aufnahmehaltung rechts vom Objektiv finden Sie unterhalb des Langzeitenknopfes den Selbstauslöserhebel. Bei aufgezogenem Verschluss drehen Sie diesen Hebel nach rechts unten und lösen sodann durch Druck auf den kleinen Knopf neben dem Hebel (auf dem Foto durch den Pfeil gekennzeichnet) den Selbstauslöser mit einer Vorlaufzeit von 10 Sekunden aus.
  
Bleibt noch das Objektiv. 3gvorne.jpg (59409 Byte) Auf den Abbildungen ist meine IIIg mit einem russischen Jupiter-8 mit den Daten 2/50mm ausgestattet - ein Sakrileg für alle Liebhaber einer LEICA, ich weiß es ja, aber ich bin mit der Leistung des Objektivs hoch zufrieden und dank Schraubgewinde passt es anstandslos an die LEICA. Vom Gehäuse nach vorne sehen Sie die Skala für die Tiefenschärfe (fix), die naturgemäß drehbare Skala für die Entfernungseinstellung und vorne die Blendenskala. Die Sonnenblende vorne ist weder russisch noch original, sondern von Heliopan und erfüllt ihren Zweck.
   
Auf der Rückseite des Kameraoberteils finden Sie einerseits den Synchronkontakt für Blitzgeräte mit Kabelanschluss bzw. mit entsprechendem Adapter. Daneben finden Sie den geteilten Suchereinblick. Die größere, innere, Öffnung ist der eigentliche Suchereinblick. Im Sucher sehen Sie zwei Bildrahmen, den für das Normalobjektiv und den kleineren in der Mitte für die Brennweite 90mm. Einen Sucherrahmen für ein Weitwinkelobjektiv suchen Sie vergeblich, gibt es nicht. Ohnehin ist die IIIg die einzige Schraubleica mit mehr als einem Sucherrahmen, noch dazu erstmals mit Parallaxenausgleich. Die Sucherrahmen werden mit Hilfe des kleinen viereckigen Fensters neben dem Sucherausblick auf der Vorderseite eingespiegelt., während die runden Fenster rechts und links davon der Entfernungsmessung dienen. 

Wollen Sie die Entfernung mit Hilfe des mit dem Objektiv gekuppelten Entfernungsmessers einstellen, blicken Sie durch die kleinere Öffnung auf der Hinterseite und sehen eine eineinhalbfach vergrößerte Wiedergabe des Sucherbildes (in Wahrheit des Zentrums desselben) und eine zweite, verschobene Version, die Sie durch Drehen der Entfernungseinstellung zur Deckung bringen. Das haben Sie getan? Dann haben Sie scharfgestellt! Blicken Sie jetzt daneben durch den eigentlichen Sucher, komponieren Sie Ihr Bild und lösen Sie aus. Sie haben eine Aufnahme gemacht! War die Belichtungszeit kurz genug und die Blende den Lichtverhältnissen entsprechend richtig eingestellt, haben Sie eine nicht verwackelte und richtig belichtete Aufnahme gemacht.
   
Abschließend weise ich noch auf die Filmarten- und empfindlichkeitsskala auf der Gehäuserückseite hin. Sie entspricht der der M-LEICAS und ist ebenso funktionslos. Falls Sie sich die Empfindlichkeit des eingestellten Films partout nicht merken, ist sie aber ganz nützlich.

 

 

2. Teil der Beschreibung
(Filmeinlegen, Fotografieren)

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© Peter Lausch
Zuletzt geändert am 1.2.2010