Ausklang

 

Ich denke, im Besonderen bei der LEICA MP und M7 stoßen zwei Welten aufeinander: die traditionelle Denkweise, welche eine Kamera auf das reduziert, was die LEICA von Anfang an war: eine Kamera, mit der man, so man mitdenkt und ein wenig Vorwissen und Interesse mitbringt, ganz prächtig großartige Aufnahmen machen kann. Die Kamera liefert die technische Grundlage, bedienen muss sie der Fotograf und damit hat er alle Möglichkeiten sozusagen in seiner Hand.

Japanische Produzenten scheinen mir hingegen anders zu denken: sie wollen Kameras erzeugen, welche durch vielerlei Automatiken einem jeden ohne viel Nachdenken technisch einwandfreie Aufnahmen ermöglichen. Dafür sorgt heutzutage ein hohes Maß an Elektronik, die eine Kamera sozusagen in einen (sehr kleinen und einfachen) Computer verwandelt. Man sehe sich bloß einmal die elektronischen Schaltungen einer Nikon F5 an, um nur ein Beispiel für eine  Kamera anzuführen, die Filme auf Silberhalogenidbasis verwendet - von den modernen digitalen Spiegelreflexkameras japanischer Hersteller gar nicht zu reden.
   
Wer jemals mit einer LEICA fotografiert hat, weiß, dass es erst dieser, von der Kamera abgenommene Aufwand ist, der manche Aufnahmen sozusagen mühelos gelingen lässt. Eine Nahaufnahmen mit dem Visoflex-Ansatz an einer LEICA und einem LEICA-Objektiv ohne Springblende samt Berechnung der notwendigen Belichtungsverlängerung durch den längeren Auszug wird zur Arbeit. Die gleiche Aufnahme mit einer modernen dSLR mag ja vielleicht nicht direkt ein Vergnügen sein, aber sie gelingt mit weniger Aufwand und mit wenige Ausschuss infolge eigener Fehler. Auf manchen Gebieten der Fotografie ist daher eine Kamera vom Typ der LEICA einfach nicht mehr konkurrenzfähig. Machen wir uns nichts vor: auf manchen Gebieten war die Leica seit dem Aufkommen von Spiegelreflexkameras mit Springblende, Wechselobjektiven und TTL-Belichtungsmessung ohnehin nie konkurrenzfähig. Gewiss, Leitz hat dies mit einer Vielzahl von Zwischenringen, Adaptern und phantasievollen Zubehörteilen kaschiert, mit dem eben erwähnten Visoflex zum Beispiel. Genützt hat das alles nichts: die Vielseitigkeit einer Spiegelreflexkamera kann von einer Messsucherkamera einfach nicht erreicht werden.
   
Auf anderen Gebieten ist die LEICA  freilich nach wie vor unübertroffen. Mit keinem anderen Kameratyp gelingen so einfach Aufnahme von Menschen, im Alltag und in Situationen, in denen es auf unauffälliges Fotografieren ankommt, um nicht die Situation oder die Stimmung etc. zu zerstören. Darüber sind schon ganze Bücher geschrieben worden. Ich versuche es erst gar nicht, ich weise nur auf die vielen Bücher mit Fotos hin, die mit einer LEICA gemacht worden sind. Unvergängliche Bilder sind mit einer LEICA entstanden, Bilder, die unser Weltbild geprägt haben. Ich denke, das ist der beste Beweis dafür, was man und wie man mit einer LEICA fotografieren kann (auch wenn man selbst keine solchen unvergänglichen Bilder zusammenbringt).
   
Die LEICA ist seit 1925 zu einem in seiner Art vollkommenen Werkzeug geworden. Natürlich wurde sie verbessert, natürlich gibt es Leute, die davon träumen, was man alles bei einer LEICA M7 besser machen könnte, von einem viel genaueren elektronisch gesteuertem Verschluss bis zur aufklappbaren Rückwand. Ich gehöre auch zu den Fantasten, ich habe auch meine Seite über denkbare und technisch sicher mögliche Verbesserungen.
   
Die LEICA Camera AG hat in den vergangenen Jahren - unter Beibehaltung des Konzepts - begonnen, einigen Besonderheiten (nicht Schwächen) des Konzepts mehr Rechnung zu tragen als früher. Da gehört einerseits die Suchervergrößerung dazu, denen man durch  gleiche, aber in der Suchervergrößerung unterschiedliche Modelle Rechnung tragen will. Damit wird immer wieder geäußerten Klagen über das bei längeren Brennweiten zu kleine und daher schwer beurteilbare Sucherbild ebenso entsprochen wie den Klagen über die schlechte Sichtbarkeit des Rahmens für das 28er. Und durch den erstmaligen Einbau einer Blitzbelichtungsmessung in eine Kamera der M-Reihe, in die M6TTL, wurde auch dem Wunsch vieler Fotografen nach einer einfacheren Blitzbelichtung und einfacherer Aufhellung bei Tageslicht entsprochen, soweit eben das Konzept des mechanisch gesteuerten Tuch-Schlitzverschlusses es zulässt.
   
Irgendwann wird wohl der mechanische Verschluss ausgedient haben und wird mehr Elektronik als schon heute auch in ein zukünftiges Modell der LEICA eingebaut werden. Ob das dann noch die klassische LEICA sein wird, bleibt abzuwarten. Das habe ich im Juli 2002 geschrieben. 

Wie man weiß, hat Leica inzwischen die M7 mit einem elektronisch gesteuerten Verschluss herausgebracht (Mehr finden Sie hier), und ist, nach Einstellung der M6 TTL mit der im Frühjahr 2003 auf den Markt gekommenen Leica MP wieder einen Schritt zurückgegangen zum mechanisch gesteuerten Verschluss ohne Blitzbelichtungsmessung, dafür mit Bauteilen, die an die Leica M3 erinnern (Mehr davon finden Sie hier).
   
Ich hoffe bloß, dass wir auch mit den zukünftigen Modellen der LEICA ebenso schöne Bilder machen werden, wie mit den früheren und den heutigen Modellen. Und manchmal macht man uns ja ohnehin eine kleine Freude: Jahre haben manche LEICA-Freaks gejammert, weil der geschwungene LEICA-Schriftzug auf der Gehäuseoberseite weggefallen war. Siehe da, was lieferte man in Japan in Form der LEICA M6 TTL o,58?



  
Schon seit einigen Jahren wurde darüber gemunkelt und machten Sprecher von LEICA mehr oder minder geheimnisvolle Andeutungen. Im Herbst 2006 war es dann soweit.  Während der Photokina hat LEICA (inzwischen übrigens nach dem Ausscheiden von Hermes zu fast 90 % im Besitz einer Beteiligungsfirma mit Sitz in Österreich) die M 8 vorgestellt, eine digitale Leica mit einem 10 MP-Sensor. An dieser Kamera sind fast alle Objektive verwendbar, die Leica jemals erzeugt hat - bei den älteren Objektiven sollte man dennoch ins Datenblatt der LEICA sehen. Stolzer Preis: ca. 4.200 € allein fürs Gehäuse. Um dieses Geld könnte sich einer 5 Canon EOS 400D, ebenfalls mit einem 10 MP-Sensor, kaufen.

Was die Verwendbarkeit betrifft, hat die LEICA M 8 dieselben systemimmanenten Beschränkungen wie ihre <Schwestern> für herkömmlichen Kleinbildfilm. Ob es LEICA mit dieser Kamera gelingt, in Zukunft mehr als ein Nischendasein zu führen, war von Anfang an schon angesichts des Preises zweifelhaft. Denn es gilt natürlich, neue Käuferschichten für den Kauf einer - nun digitalen - LEICA zu interessieren und für diese Erstkäufer kommt zu den 4.200 € fürs Gehäuse noch der nicht geringe Preis der Objektive dazu, welche das Fotografieren mit der LEICA erst zum Vergnügen machen - mit technisch herausragenden Ergebnissen.

Wie man inzwischen weiß, war der Start der digitalen M8 nicht übermäßig glücklich. Alle Personen mit schwarzen oder allgemein dunklen Mänteln, Anzügen und Kleidern mit Kunststoffbeimischung trugen auf den Aufnahmen lila Mäntel, Anzüge und Kleider. Ein entsprechendes Filter vor dem Sensor war konstruktiv entfallen und niemand, ach niemand, wollte die lila Verfärbungen in der Testphase bemerkt haben, war die offizielle Erklärung. Seltsam. Es traten anfangs noch andere Fehler auf, etwa Lichtstreifen, ausgehend von Lichtquellen, quer übers Bild. Also durften die Käufer der ersten 1000 oder 1500 Leica M8 ihre Kamera zur Verbesserung auf Kosten von Leica einschicken und seither wird jede neue Kamera mit 2 passenden Filtern ausgeliefert. Das halte ich auch für Murks.

In der Zwischenzeit dürfte auch eingetreten sein, was manche von Anfang an befürchtet haben: eine Leica M8 haben jene gekauft, die auch eine digitale Leica haben wollten. Neue Käuferschichten wurden nicht wirklich erschlossen. Inzwischen ist dieser Interessentenkreis befriedigt und die Umsätze sinken bedeutend. Irgendwann wird eine Leica M9 auf den Markt kommen, wann, steht in den Sternen. Bis dahin wird man mit einer M8 oder mit der geringfügig verbesserten Leica M8.2 leben müssen. Deren größter Vorteil ist der nunmehr wiederum leisere Verschluss, dessen Geräuschkulisse in der M8 Leica wahrlich keine Ehre machte. Das kratzfeste Saphirglas des Monitors ist eher Pflanz, denke ich. Für wenige Euro gibt es für die Nikons einen durchsichtigen Plastikaufsatz, der dieselbe Aufgabe erfüllt: Kratzer vermeiden.

Nur der Vollständigkeit halber die wesentlichen Unterschiede zwischen M8 und M8.2:

- Neuer Verschluss, wesentlich leiser, dafür 1/8000 sec. weggefallen (immer noch wesentlich lauter als bei den M-Leicas für Film),

- Traditionelle <Belederung>, wie man sie von früheren Modellen der M-Leicas gewohnt ist,

- Genauere Bildrahmen

- Normal großes Ladegerät an Stelle des mit der M8 mitgelieferten kleinen <Ungeheuers>.

- Der Ein-/Ausschalter um den Auslöser erfordert mehr Kraft zur Verstellung, damit wird das gelegentlich mögliche versehentliche Ein-/Ausschalten der Kamera vermieden,

- kratzfestes Saphirglas im Monitor,

- Schnappschuss-Modus für Zahnärzte, Chirurgen, etc., die unfähig sind, eine Leica vernünftig zu bedienen und zu viel Geld haben, um sich mit einer digitalen Kompaktkamera um € 250 abzugeben.
 

Schlimmer dran sind jene, welche gerne mit einer digitalen SLR von Leica fotografiert hätten, z. B., weil sie eine Menge extrem teure Objektive zu ihren Film-SLRs von Leica besitzen. Es gibt keine digitale SLR von Leica. Ja, es gibt seit einiger Zeit nicht einmal mehr eine SLR für Film mehr von Leica, weil man die R9 wegen <großen> Erfolges aufgegeben hat und Restbestände billig verscherbeln lässt.

Irgendwann im Sommer oder Herbst 2009 wird eine digitale SLR mit übergroßem Sensor auf den Markt kommen, schon vom kolportierten Preis her ausschließlich für Profis. Danach, wurde zunächst angekündigt, wird es auch eine digitale R10 in den für Leica üblichen Preisgefilden (also sehr teuer) geben, mit Autofokus und so, sagt man. Das wird dann eine Kamera sein, mit der man jene Aufnahmen wird machen können, die man heute schon mit den Kameras der Weltmarktführer zustande bringt - aber natürlich bei der R10 in der unvergleichlichen Qualität, die man von Leica gewöhnt ist. Warten wir's ab, ob solche Argumente jene Käufer überzeugen werden, für welche Leica heute nur mehr eine Erinnerung ist, mit der sie nicht viel  verbinden - zum Unterschied von uns, die sich die Nase plattgedrückt haben an den Auslagenscheiben, hinter denen eine Leica stand.

Auch der vorstehende Satz ist schon einige Zeit auf dieser Webseite zu finden - mit Recht, wie sich zeigt, denn inzwischen hat Leica angekündigt, also, eine Leica R10 wird es definitiv nicht geben. Aber man wird die Objektive zu R8 und R9, und vielleicht auch zu den älteren Modellen, auch weiterhin für digitale Bilder verwenden können, garantiert. Na, sicher. Mit einem passenden Adapterring von www.leitax.com schon jetzt an Canons, Nikons, etc. Derartiges wird Novoflex oder sonst wer sicherlich auch offiziell anbieten können.

Wäre dies eine Seite, die sich mit wirtschaftlichen Aspekten befasst, ach, man könnte noch allerlei schreiben. So aber, als Anwender, schreibe ich bloß, ich wünsche der Firma Leica Camera A. G. viel Glück - sie wird es brauchen.

Lassen Sie mich damit diese kleine und ganz subjektiv gefärbte Geschichte der LEICA abschließen, die - trotz gelegentlicher Kritik - nichts weiter sein soll als mein persönlicher Tribut an schöne Kameras, die ich nicht missen möchte.

 

Weiter zum Anhang1: Wie man 1931 mit der Leica fotografierte

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Peter LAUSCH
Zuletzt geändert am  26. Juli 2009

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