PETER LAUSCH
Aughanure Castle bei Oughterard
Nördlich der Straße zwischen Galway und
Oughterard zeigt kurz vor dieser Stadt ein Wegweiser zu einer schmalen
Straße, auf der nach gut einem Kilometer Aughanure Castle erreicht wird.
Das Castle gehört zum Typ der
Turmhäuser, wie sie im 16. Jahrhundert üblich waren und wie man sie
eigentlich zahlreich im Westen Irlands besichtigen kann. Von anderen
Turmhäusern (wie Kildavnet
Castle, Rockfleet
Castle, Carigafoyle
Castle unterscheidet es sich durch den guten Erhaltungszustand und
ferner dadurch, dass man es gegen geringes Entgelt besichtigen kann.
Turmhäuser wie diese wurden von
wohlhabenden und mächtigen Grundbesitzern vorwiegend gälischer Herkunft,
aber auch anglo-normannischer Abstammung als befestigte Wohnsitze
erbaut, von denen aus die umliegenden Gebiete beherrscht werden konnten.
Der Standort in der scheinbar
gleichförmigen Landschaften ohne besondere Merkmale ist mit Sorgfalt
gewählt: der heutige Zugangsweg vom Parkplatz zum Eingang führt über
einen kleinen Fluss, den Drimneen, der jedoch ab dem Castle mit
kleineren Schiffen bis zum Lough Corrib befahren werden kann. Im 16.
Jahrhundert waren - mangels Straßen - solche Zufahrten von großer
Bedeutung, weil das Turmhaus und seine Bewohner auf diese Weise mit den
notwendigen Vorräten versorgt werden konnten. Diesem Zweck dient das
heute noch erkennbare flache Hafenbecken im äußeren Burghof.
Auch heute noch ist das Turmhaus mit
seiner wechselvollen Geschichte und dem umgebenden Befestigungen eine
eindrucksvolle Anlage. Der eigentliche Wohnturm war von 2 Burghöfen
umgeben, der innere geschützt durch die Reste einer Befestigungsmauer
mit Schießscharten, sagen die Archäologen, denn der Großteil der Mauer
ist zerstört.

Im Südosten des Wohnturms steht ein kleiner runder
Wachturm mit konischem Steindach und umlaufenden Wehrgang und zusammen
mit dem wuchtigen Wohnturm ein klassisches Fotomotiv:

Der auf dem Foto erkennbare Zugang zum
Wohnturm ist auf der dem Eingang in die Anlage abgewandten Seite des
Turmes eingebaut und wird durch eine hoch oben angebrachte Pechnase
geschützt. Nicht nur heißes Baumharz (und sogenanntes siedendes Öl)
konnte über allfällige Angreifer geschüttet werden. man konnte sie auch
mit Steinen bewerfen: Von den beiden Mauervorsprüngen im (dritten)
Geschoß aus konnten die Angreifer auch mit Pfeilen bzw. mit
Gewehrschüssen bekämpft werden.
Die oberen Geschoße werden durch eine
in die dicken Außenmauern eingebaute Wendeltreppe erreicht - die Familie
des Burgherrn (meist stand die Burg im Eigentum der O'Flahertys) hielt
sich gewöhnlich im 3. Geschoß auf, wo sich auch ein großer Kamin
befindet:

Einstiger Aufenthaltsraum der Familie

Blick von der Galerie des obersten Geschoßes
Das oberste Geschoß mit Holzdecke
diente wohl primär repräsentativen Zwecken, hier wurden wahrscheinlich
auch Gerichtsverhandlungen abgehalten. Auf diesem Geschoß befindet sich
auch eine Klappe, die in eine nur von oben zugängliche Kammer führt -
sie wurde wahrscheinlich als Kerker benutzt.
In den Burghof zurückgekehrt, ist die
erhalten gebliebene Ostwand einer einstigen, strohgedeckten Banketthalle
bemerkenswert, die seinerzeit auf einer natürlichen Felsbrücke über dem
Fluss errichtet war. Als diese zusammenbrach, stürzte auch die Halle
zusammen und es blieb nur diese eine Außenwand erhalten. Dies erklärt
die zwei schön verzierten Fenster dieser (heutigen Außen-) Mauer.
*
Aughanure Castle wird vom
Office of Public Works verwaltet. An der Kasse gibt es auch allerlei
Broschuren, auch in deutscher Sprache, die zwar extra kosten, aber eine
Führung ersetzen.
Erstellt: 20. Juni 2011
© 2011/Peter Lausch
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