NIKON, KODAK & FUJIFILM
DIGITALKAMERAS FÜR PROFIS

PETER LAUSCH

 

RÜCKBLICK

Sony MavicaWie doch die Zeit vergeht: 1981 präsentierte Sony die Mavica, die erste Kamera, in der die Aufnahmen auf einem elektronischen Speichermedium festgehalten werden. Mit wohltönenden Worten wurde von einer neuen Ära der Fotografie gesprochen; alle meinten, jetzt gehe es mit der Fotografie auf chemischer Basis zu Ende, und zwar schnell. Es hat gedauert, ehe sich die digitale Fotografie einen wesentlichen Marktanteil erkämpfen konnte und trotz der im Vergleich gewaltigen Fortschritte und der in absehbarer Zeit zu erwartenden Verbesserungen wird es noch dauern, bis die digitale Fotografie unsere heutigen Kameras auf dem Massenmarkt ersetzen wird.

Das liegt nicht so sehr an den digitalen Kameras. Wer nur Bilder fürs Album benötigt, 9x12 cm oder max. 10x13 cm groß, 

  • kommt mit einer 2 MB-Kamera zu sehr schönen Ergebnissen,
  • erzielt mit einer Digitalkamera mit 3,3 MB ausgezeichnete Ergebnisse,
  • hat mit einer 4 MB-Kamera Reserven für 13x18 oder 20x25 cm von ausgezeichneter, und für DIN A4 von sehr guter Qualität
  • hat mit einer 5 MB-Kamera  eine überqualifizierte Ausrüstung, die dafür bei DIN A5 ausgezeichnete Ergebnisse liefert, wenn die Bilder dabei mit 300 ppi gedruckt werden und schafft DIN A4 mit sehr guter Qualität, wobei mit max. 200 ppi gedruckt wird.

 
Wäre bloß nicht die umständliche Bedienung, wären nicht die Kosten für die Kameras und die Bilder, wäre da nicht die schlechte Haltbarkeit der Ausdrucke, von der man lieber nicht redet, wäre da nicht die mangelnde Lichtechtheit .... Es gibt noch vieles, was gegen die rasche Durchsetzung digitaler Kameras auf dem Massenmarkt spricht, die sich aber dennoch durchsetzen werden - und genau davon lebt die Kameraindustrie. 

NIKONS BEITRAG:

Sozusagen alle haben sich nach Sony in die Entwicklung digitaler Kameras gestürzt. Nikon wollte nicht abseits stehen. 

Dafür gab es gute Gründe.

Namentlich für Journalisten und Zeitungsredaktionen ist Schnelligkeit Trumpf. Vorbei sind die Zeiten, in denen Filme erst mühselig entwickelt und die geeigneten Negative möglichst schnell entwickelt werden mussten. Im Fernsehzeitalter kann sich das keine Zeitungsredaktion mehr leisten. Über Wunsch dieses Abnehmerkreises wurde es für Nikon daher notwendig, möglichst rasch, aber natürlich nur im Rahmen des technisch Machbaren, ein Gegenstück zur Mavica zu entwickeln, das den Bedürfnissen der Zeitungsleute genügen sollte.

Denen kommt es nicht so sehr auf Feinkörnigkeit und Auflösungsvermögen an, auch nicht auf Vergrößerungsfähigkeit. Kaum ein Zeitungsfoto ist größer als 9x12cm, und alle sind gerastert; Körnigkeit des Bildes ist nicht so störend wie bei einem Foto, das Sie oder ich für die Familie, für professionelle Verwendungen oder gar für Ausstellungen machen, bei denen die Juroren jeden sichtbare Silberkorn bemängeln.

Erstmals präsentierte Nikon 1986 einen Prototyp einer elektronischen Still Video Camera: die Nikon SVC. 

Entsprechend den damals lieferbaren elektronischen Bauteilen besaß die Kamera ein 2/3 inch messendes CCD (Charge coupled device), was einem Viertel der Fläche des KB-Negativs entspricht. Damit konnten Bilder mit sagenhaften 0,3 MB aufgenommen werden (die derzeit auf dem Markt käufliche neueste Generation digitaler Kameras für den Amateur hat CCDs mit über 5 MB). Außerdem konnten lediglich SW-Fotos aufgenommen werden, um die geringe Aufnahmeleistung durch die Wiedergabe von Farbinformationen nicht noch mehr zu verringern. Die Empfindlichkeit dieses CCD war allerdings relativ hoch und konnte vom Fotografen bei schlechten Lichtverhältnissen noch erhöht werden (etwa 400/800/1600 ISO entsprechend). So wie bei einem konventionellen Film mit steigender Empfindlichkeit die Feinkörnigkeit und die Auflösung sinkt, steigt bei einem CCD das sogenannte "Rauschen", das sich ganz ähnlich im Bild zeigt - das Foto verliert Kontrast, die "Körnigkeit" steigt, die Farben vergrauen.  

Zu dieser Kamera lieferte Nikon zwei spezielle Objektive: ein QV Nikkor 1,4/10-40mm und ein QV Nikkor 2/11-120mm. Die längste Brennweite dieses letztgenannten Objektivs entspricht bei Kleinbild einer Brennweite von 480mm, weil sich ja durch das kleine Aufnahmeformat scheinbar alle Brennweiten, umgerechnet auf Kleinbild, vervierfachen.

Das klingt ja gar nicht so schlecht, aber dabei bleibt es nicht: Gespeichert wurden die Aufnahmen wie bei der Mavica auf einer speziellen 2-inch Floppy disk, die aus der Kamera entnommen und zwecks Weiterleitung der Aufnahmen in ein spezielles Sendegerät eingelegt wurde. Der Allgemeinheit konnte solch eine Kamera nicht verkauft werden, wurde doch im selben Zeitraum von Nikon als Profikamera die Nikon F4 angeboten.  Die Nikon SVC hat sozusagen das undankbare Schicksal eines Vorläufers kommender Entwicklungen erlitten. Diese Rolle macht sie heute noch erwähnenswert. Dies ist hiermit geschehen. 

Übrigens wurden weder Mavica noch SVC als "Digitalkameras" bezeichnet, sondern als Still Video Cameras: sie waren eigentlich "Fernsehkameras für Einzelbildaufnahmen". Die Bilder konnten mit diversen teuren Zusatzgeräten auf den Fernsehbildschirmen wiedergegeben, aber weder im PC gespeichert noch gedruckt werden. Dabei zeichnete sich bei beiden Kameras  schon als Vision der wichtigste Vorteil des digitalen Bildes ab: die rasche Verfügbarkeit der Aufnahmen und die einfache Übermittlung  an Empfänger auch am anderen Ende der Welt. Wichtig für Profis.

1988 brachte Nikon dann die abgebildete Nikon QV-1000C auf den Markt, deren Chip insgesamt 380.000 Pixel aufweist. Mit Zusatzgeräten konnten die Aufnahmen von der 2 Zoll Floppy Disc übers Telefon an einen entfernten Drucker übermittelt und dort ausgedruckt werden.

Danach wurde es nach außen hin wieder still bei Nikon; es war offenkundig darum gegangen, zu demonstrieren, man sei gewillt, das Feld nicht kampflos irgendwelchen Radioerzeugern zu überlassen.

Daneben entwickelte Kodak unter weitgehender Verwendung von Nikon-Gehäusen eigene Digitalkameras.

1992 wurde auf der Basis einer Nikon F3HP die Kodak DCS (die in der Folge als DCS 100 bezeichnet wurde) präsentiert. Die Kamera besteht aus dem Gehäuse der Nikon und einem unten angesetzten Behälter für die Elektronik. Mit dieser 1,3 MP-Kamera, deren Chip ein Auflösungsvermögen von 1024x1280 Pixels aufweist, konnten - mit unterschiedlichen Empfindlichkeiten - sowohl SW- als auch Farbaufnahmen gemacht werden. Der Chip hat eine Größe von 20,5x16,4 mm, was die Brennweite der Objektive um den Faktor 1,8 verlängert. Die DCS 100 ist zwar relativ klein, zu ihr gehört jedoch eine mittels Kabel verbundene externe 200 MB fassende Festplatte samt Stromversorgung in einem Gehäuse, das etwa einem DIN A4 Aktenordner entspricht. 

Handlicher war dann die von 1992 bis 1994 verkaufte Kodak DCS200 auf der Basis der Nikon F-801, an die ein massiver Unterteil angebaut wurde, welcher die Elektronik enthält.  Die Kamera  verfügt über keinen Monitor , der umgebaute Sucher der F-801 vergrößert trotz des kleinen Chips von 14x9,3 mm das Sucherbild auf ungefähr 24x36 mm. Gespeichert werden die Aufnahmen auf einer internen 80 MB-Festplatte, deren Inhalt mittels SCSI-Anschluss an einen Computer übertragen werden muss. Da der Chip jedoch kleiner ist als das KB-Format, verlängert sich die Brennweite der jeweils verwendeten Nikkore für die Nikons um den Faktor 2,5. Dafür schafft der kleine Chip 1524x1012 Pixel. Auf deutsch: der Anwender hat dasselbe Problem wie bei der Verwendung seiner Nikkore an der Pronea 600i oder Pronea S für das APS-Format. Daran hat sich bis dato nichts geändert. Dies erklärt die Entwicklung neuer extremer Weitwinkelobjektive und -zooms: die Objektivbrennweite 28 mm entspricht in einer Digitalkamera von Kodak, Fuj oder Nikon in etwa der Brennweite 40 oder 42 mm. Bei der anderweitigen Konkurrenz ist das ebenso, weil fast alle miteinander gleichartige Speicherchips verwenden.

Die ab 1994 angebotene Kodak DCS 420 basiert auf dem Gehäuse einer Nikon F-90x, hat den gleichen Chip wie die DCS 200, gespeichert werden die Aufnahmen jedoch auf einer auswechselbaren PCMCIA-Karte. Die Kamera schaffte 5 Bilder in 2,25 Sekunden, dann war der interne Speicher voll und es konnte erst weiterfotografiert werden, sobald die Kamera die Bilder auf die PCMCIA-Karte überspielt hatte. 

Kodak vermarktete allerdings nicht nur Digital-SLRs auf der Basis der jeweiligen Nikon (Film-)SLRs, sondern auch auf der Basis von Canon SLRs. Da traf es sich, dass auch Fuji nicht abseits stehen wollte und in Zusammenarbeit mit Nikon begann, Digital-SLRs anzubieten. Die Gehäuse wurden von Nikon speziell entwickelt, entsprechen im Aussehen also nicht den gängigen Modellen für Film; das elektronische Innenleben stammt von Fuji. Verkauft wurden diese bis auf Namen und Typenbezeichnung identischen Kameras unter beiden Firmennamen.

Das erste Ergebnis dieser Zusammenarbeit zeigte Nikon 1994 bei der Photokina: die Nikon Fujix E2. Letztlich auf der Basis der Nikon F4 erzeugt, besaß die Kamera eine PC-Card, auf der bis 84 Bilder aufgenommen werden konnten, jedes mit einer Auflösung von max. 1,3 Millionen Pixel (1000x1280). Infolge eines eingebauten Adapters entspricht die Brennweite der angesetzten Nikkor-Objektive tatsächlich dem kleineren Aufnahmeformat des verwendeten Chips: ein Nikkor 2,8/20mm liefert auch an der E2 Super-Weitwinkelaufnahmen. Mit der kurz darauf lieferbaren E2s konnten 3 Bilder/sec aufgenommen werden, allerdings nur insgesamt 7 Stück auf einmal. Zu mehr reicht die Elektronik nicht. Die normale E2 verarbeitet hingegen nur 1 Bild/sec (die Kameramechanik würde schon mehr leisten, aber die Speicherung auf der PC-Card brauchte - ohne Zwischenspeicher - eben Zeit.

Als Gemeinschaftsentwicklung verkaufte Fuji identische Kameras als DS-505 (E2) und DS-515 (E2s).
  2 Jahre später, bei der Photokina 1996, zeigte sich der nächste Fortschritt: die Nikon Fujix E2N  Die Empfindlichkeit der Speicherkarte entspricht einem Film von 3200 ISO. Damit eignete sich die Kamera auch für Innenaufnahmen (bei Sportereignissen etwa) und ließ sich zusätzlich über einen Empfänger fernauslösen.

Kodak hat in der Folge eine Reihe von Weiterentwicklungen wiederum auf der Basis von Nikon SLRs verkauft, angefangen von der ab1995 verkauften DCS 460, einer Kamera ebenfalls auf der Basis der F-90x, aber mit einem Chip mit einem Fassungsvermögen von 6,23 MB, der bei voller Auflösung Bilder mit 2036x3060 Pixel liefert. Der Chip ist 28x19 mm groß, die Brennweitenverlängerung beträgt nur 1,28, wodurch bei Verwendung extremer Weitwinkelobjektive Aufnahmen mit einem Bildwinkel möglich werden, der dem Bildwinkel von Weitwinkelobjektiven an KB-Kameras entspricht.

Auf der Nikon F-90x basiert auch die 1996 vorgestellte Kodak DCS-410, die über einen 1,5 MB Chip mit 1524x1012 verfügt, wie ihn schon die DCS-420 ab 1994 eingebaut hatte. Die hatte damals allerdings ca. US$ 11.000 gekostet, die DCS-410 ging um durchschnittlich US$ 8.000 über den Ladentisch. Diese Kamera hatte als erste Digital-Reflex ein eingebautes Mikrophon, sodass man die Aufnahmedaten auch akustisch festhalten konnte.

Ab 1998 lieferte Kodak dann auf der Basis der Pronea 600i eine vereinfachte Kamera,  die Kodak DCS315 mit einer Auflösung von 1008x1520 Pixeln und einem gleichen 1,5 MB Chip, die zwar einfacher, aber auch billiger ist und die DCS 410 ersetzt.  

Ebenfalls auf der Pronea 600i basiert die 1998 präsentierte Kodak DCS-330 mit einem 3 MB fassenden Chip mit 2008x1504 Pixel.

 

 

 

 

 

 

 

1998 wurde von Nikon die gemeinsam mit Fuji weiter entwickelte und nebenstehend abgebildete  Nikon E3 präsentiert, sowie die E3s. Von Fuji gibt es entsprechende Kameras unter der Typenbezeichnung DS-505 bzw. DS-565. Nach wie vor beträgt die Auflösung nur 1,4 Mio Pixel, verbessert sind jedoch die fotografischen Möglichkeiten: automatische Belichtungsreihen sind nun möglich, die Empfindlichkeit kann je nach Motiv in 3 Stufen eingestellt werden und ein SCSI-Adapter ermöglicht die direkte Kabelverbindung zwischen Kamera und PC; über passende Software erfolgt die direkte Übertragung der Bilddateien zum PC und zum Bildbearbeitungsprogramm, oder, alternativ, zum Drucker.

Ab 1999 verkaufte Kodak gleich zwei neue Digitalkameras auf der Basis der Nikon F5, die DCS 620 und die DCS 660.

Besitzt die DCS 620 einen 2 MB Chip und ermöglicht nicht nur die Verwendung einer PC-Card, sondern auch des IBM Microdrive mit seinem viel größeren Fassungsvermögen, unterscheidet sich die DCS 660 nur durch durch den 6 MB fassenden Chip.  Im Aussehen entspricht die Neue praktisch der DCS 620: oben eine scheinbar unveränderte Nikon F5 mit entsprechender Aufschrift, hinten und unterhalb der F5 der elektronische Teil von Kodak mit unübersehbarer Aufschrift Kodak unten in der Mitte. Die  Kamera verfügt über einen neuen Chip im Format 18,3x22,7mm. Dennoch ist er noch immer kleiner als die nutzbare Oberfläche eines KB-Filmbildes. Nach wie vor galt auch bei Kodak: Ein 28mm-Objektiv liefert ein Bild, das in etwa dem Abbild eines 35mm-Weitwinkels auf Kleinbildfilm entspricht. Nach wie vor also schlechte Zeiten für die Liebhaber von Super-Weitwinkelfotos, denn was ich hier an Hand des 28ers festhalte, gilt auch für ein Nikkor 2,8/20 mm und für alle anderen Weitwinkelobjektive sinngemäß. andererseits freuen sich, wie ich schon festgehalten habe, über die unvermeidliche Brennweitenverlängerung die Fans von Sportaufnahmen und die Tierfotografen, die für eine z. B. formatfüllende Aufnahme nicht so nahe ans Motiv herangehen müssen.

1999 bei der PMA in Las Vegas präsentiert, lieferbar aber erst zu Anfang 2001 war die Nikon D1. Die Kamera ähnelt äußerlich einem Verschnitt von Nikon F 100 und Nikon F 5 und entspricht in wesentlichen Bedienungselementen und technischen Daten der F 100, der sozusagen der Handgriff der Nikon F5 angebaut wurde. Dazu kommt natürlich das elektronische Innenleben einer modernen Digitalkamera.

Hingegen ist die Ähnlichkeit mit den früheren Modellen digitaler SLRs von Nikon, den verschiedenen Varianten der E2 und der E3, weitgehend weggefallen, die ja ein doch eigenständiges, von keiner (Film-) SLR der Firma abgeleitetes Design aufwiesen. Wichtiger als diese Äußerlichkeiten ist ein anderer Umstand: Mit der Nikon D1 befreit sich Nikon von der Abhängigkeit von Kodak und von Fujifilm, und dieser Schritt war, wie wir nach 2,5 Jahren wissen, durchaus erfolgreich - siehe die nachfolgenden Ausführungen zu den Modellen von Kodak. 

In die D1 ist ein Chip mit 2,74 MB eingebaut, der Bilder mit max. 2012x1324 Pixel liefert. Dank eingebautem ausreichend dimensioniertem Zwischenspeicher schafft die Kamera in einem Zug 21 Aufnahmen hintereinander bei einer Frequenz von 4,5 Bildern in der Sekunde. Anstatt vieler Worte verweise ich auf den ausführlichen Test von hier.

Schon seit Juli 2000 hat Fuji eine neue Digitalkamera Fuji Finepix S1 Pro auf der mechanischen Basis der Nikon F60 (weshalb die Objektive von Nikon verwendbar sind) im Programm, interessant schon deshalb, weil Nikon das Gehäuse und wesentliche Bauteile für eine Digital-SLR liefert, welche die eigene, aber noch nicht lieferbare Nikon D1 im Preis deutlich unterbietet.

Herausragendes Merkmal der neuen Digital-SLR ist der Chip mit einer Auflösung von max. 6,13 Mio Bildpunkten auf der Basis von Fujis "SuperCCD"-Technologie. Diese seinerzeitige Ankündigung hat einiges Gemurre bei der Konkurrenz bewirkt, denn in der Praxis hat der 3,54MB-Chip eine Auflösung von 2304x1536,  doch interpoliert die Elektronik Zwischenwerte dazu, was die Bilddateien vergrößert und eine interpolierte Auflösung von 3024x2016 Pixel ergibt.  Das führt unter optimalen Umständen zu besser wirkenden Ausdrucken. Im Einzelnen gibt es einen wie in allen anderen Fällen auch herausragenden Test dieser ja nicht mehr lieferbaren Kamera bei Digital Preview.

Im Frühjahr 2001 werden zwei weiter entwickelte Modelle auf der Basis der Nikon D1 vorgestellt: einerseits die Nikon D1X für besonders hohe Qualität der Bilder, andererseits die Nikon D1H für besonders schnelle Aufnahmefolgen (max. 5 Bilder/Sekunde, bis 40 Bilder in einem Durchlauf möglich). Diese beiden Kameras habe ich anderswo ausführlich beschrieben. Einen ausführlichen Test gibt es bei dprev.

2001 erscheint auch eine verbesserte Version der DCS 660, die Kodak DCS 760, die bei gleichem Chip einen internen Speicher von 128 MB aufweist, was ermöglicht, mit einer Frequenz von 1,5 Bildern/Sekunde 24 Aufnahmen hintereinander zu schießen, bis der Speicher voll ist und eine Zwangspause hingenommen werden muss. Auch hier der Hinweis auf den ausführlichen Test.

Die DCS 760 ist Kodaks Antwort auf die Nikon D1X, mit der sie vieles gemeinsam hat, beruhen doch beide Kameras auf dem Gehäuse der Nikon F5. Eine offene Frage war damals (heute ist sie wohl beantwortet durch den Lauf der Ereignisse), wie Kodak es sich leisten kann, eine Kamera um ca. US$ 8.000 anzubieten, während die Vorgängerin, die DCS 660, zuletzt US$ 16.000 kostete. Dabei bietet die DCS 760 klar den besseren Gegenwert, die Preisdifferenz gar nicht berücksichtigt. Und dennoch wurde die DCS 760 trotz vergleichbarer Eigenschaften immer noch um ca. US$ 1.000 teurer angeboten als die Nikon D1X. Was man da im Zweifel wohl kaufen würde? Genau so war es denn auch.

Die ebenfalls  eingeführte DCS 720x wiederum basiert wie die größere Schwester auf der Nikon F5, hat aber einen Chip von 2 MB Fassungsvermögen. Der interne Speicher von ebenfalls 128 MB ermöglicht eine Bildfrequenz von 4,3 Bildern für mehr als 25 Bilder hintereinander. Vergleicht man die Daten dieser Kamera, zeigt sich, dass sie die Antwort von Kodak auf die Nikon D1H darstellt.

Die 2002 angekündigte Kodak DCS 760M ist eine auf die Werbefotografie spezialisierte Variante, die lediglich SW-Aufnahmen liefert, die dafür in einer solchen Größe, dass sie für ganzseitige Anzeigen in Zeitschriften jedenfalls reicht

Seit Frühjahr 2002 gibt es neu die Nikon D100 auf der Basis der Nikon F80, eine Abrundung des Profiprogramms von Nikon nach unten, aber immerhin auch mit - in vollem Format - 6 MB großen Bildern. Ende Februar wird die Kamera bei der PMA in Orlando vorgestellt werden; erfahrungsgemäß finden Sie ab diesem Zeitpunkt eine ausführliche Beschreibung der technischen Daten auf dieser Site.

Ebenfalls 2002 wurde die S1 Pro durch die Fujifilm Finepix S2 Pro mit 6,17 MB zu vergleichbarem Preis ersetzt. Durch Verwendung eines, wie bei Fuji üblich, selbst entwickelten Super-CCD Chips liefert die Kamera dabei 12 MB große Bilder, wobei die hohe Auflösung interpoliert wird. Die Kamera basiert auf der Nikon F80, was unter anderem bedeutet, das auch die preiswerten  G-Nikkore ohne Blendeneinstellung am Objektiv verwendet werden können.

Gespeichert werden die Aufnahmen mit den bei Kameras von Fuji üblichen SmartMedia Cards sowie alternativ auf Compact Flash oder auf einem Microdrive von IBM. Gespeichert wird nicht nur im Format .jpg, sondern auch im verlustfrei arbeitenden TIFF-Format und im RAW-Format, mit dem ein Bild weniger Speicherplatz auf der Speicherkarte als die entsprechende TIFF-Datei benötigt.

Wollen Sie sich ausführlich über die Kamera informieren, es gibt nichts Besseres als diese Site.  

Und seit Anfang 2003 ist - in kleinen Stückzahlen - die Kodak DCS Pro 14n lieferbar, mit Vollformat-Chip (24x36 mm), der nahezu 14 MB Daten speichert und Bilder mit einer Auflösung von bis zu 4500x3000 Pixel liefert, auf der Basis eines von Nikon nach Spezifikationen und unter Verwendung von Bauteilen der Nikon-(Film-)SLRs gebauten Gehäuses mit Nikon-Bajonett, gemeinsam mit dem vergleichbaren Modell von Canon die beiden einzigen Modelle ohne Verlängerungsfaktor der Brennweiten der verwendeten KB-Objektive - die Contax N Digital ausgenommen, deren Lieferbarkeit immer ein wenig nebulos erschien und die mit der Einstellung der Kameraproduktion durch die Erzeugerfirma im Orkus verschwunden ist. 

Inzwischen sind wir nach vielen, teils nur geringfügig, teils durch leistungsfähigere und vor allem größere Sensoren bei MP-Kapazitäten angelangt, von denen man früher nur träumen konnte.

Wie es weitergehen dürfte?

Unaufhaltsam ersetzt die digitale Aufnahmetechnik bei vielen Verwendungen die Fotografie auf Basis Fotochemie.  Das ist nicht das Ende der Welt; nicht wie Bilder entstehen, ist entscheidend, sondern was wir mit ihnen ausdrücken. "Schöne Fotos" kann man mit digitalen Kameras genauso machen wie auf einem Film.

Freuen wir uns dennoch an unseren "altmodischen" Kameras. Solange der Preisunterschied zu den digitalen Kameras so groß ist, wird die Entwicklung weitergehen. Danach werden dann unsere heutigen Kameras zu Sammlerobjekten, so wie es die Nikon I von 1947 geworden ist und eine neue Generation wird die Kameras sammeln, mit denen wir heute fotografieren. Merke: der Sammeltrieb ist dem Menschen angeboren. Ob auch unsere Nachkommen dann mit noch mit ihren 50, 60 oder 70 Jahre alten Leicas und Nikons fotografieren werden, ist freilich ungewiss: niemand weiß, wie lange es noch die üblichen Filme geben wird. 

So mag denn mit den heutigen Nikons das geschehen, was längst schon mit einer Vielzahl von Kameras geschehen ist, mit all den Rollfilmkameras mit ihren ausgefallenen Filmformaten, mit den Kameras fürs Karat-Format von Agfa, mit den Instamatic- und den Disc-Kameras, mit den Polaroids, um bloß ein paar zu nennen: sie alle taugen bloß noch für die Vitrine.

Aber wer, frage ich, wird sich wohl eine Kodak DCS 315 in die Vitrine stellen wollen?

Das Tempo der technischen Entwicklung wird sich bei den Digitalkameras noch weiter beschleunigen. Wenn Sie allein an die von mir vorgestellten Kameras (schon vom Preis her allesamt fast ausschließlich von Profis bezahlbar) denken und an ihr Erscheinungsjahr, merken Sie, dass der Produktionszyklus sehr kurz ist und die Innovationen in jedem neuen Modell beträchtlich.

Und gleichzeitig zeichnet sich ab, das der Markt in Zukunft von einigen wenigen Produzenten untereinander aufgeteilt wird: Fuji, Canon und Nikon sicher, Kodak vielleicht (keines der vorgestellten Modelle, auch nicht die aus dem Jahre 2002, ist mehr lieferbar, ausgenommen die Kodak DCS 14 Pro, deren Firmware alle Augenblicke "upgedated" werden muss, um Schwächen zu beseitigen). Sicher nicht Contax/Kyocera, deren digitale SLR Contax N Anfang Juni 2003 sang- und klanglos (wegen Erfolglosigkeit und technischer Probleme) eingestellt wurde. Achten Sie gegebenenfalls darauf, denn im Handel mögen noch einzelne solcher Ladenhüter stehen.
 

Neu bearbeitet am 30.1.2010
©  Peter Lausch

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