8. Teil: Nikon FM, Nikon FE, Nikon FE2 und Nikon EM

 

Nikon FM

Diese neue, schwarz und verchromt lieferbare kompakte Kamera übernahm ab 1977 die Rolle der früheren mechanischen Kameras vom Typ Nikkormat, die bis zur Typ FT3 (mit Ai-Kupplung) weiterentwickelt worden waren. Auch die FM ist, wie alle Nikons ab diesem Zeitpunkt, für die Ai-Kupplung eingerichtet, doch können dank umlegbaren Mitnehmers auch ältere Objektive verwendet werden, allerdings nur mit Arbeitsblendenmessung. Dafür funktionieren alle AF-Objektive mit Offenblendemessung - die Objektive der Serie G sind zwar ansetzbar, aber in der Praxis nicht verwendbar, weil sie keine Blendeneinstellung haben.

Das M weist darauf hin, dass es sich um eine rein
mechanische Kamera handelt, eine Batterie wird nur für die mittenbetonte TTL-Messung benötigt, nicht jedoch für die Steuerung des Verschlusses, eines vertikal ablaufenden Produkts der Firma Copal, das zugekauft wurde. Die Belichtung erfolgt auf Grund neuer Gallium-Fotodioden wesentlich schneller als bei den früher verwendeten Cds-Zellen, auch ist das Messsystem insgesamt bedeutend empfindlicher als bei den Nikkormat-Modellen bei ISO 100 reicht der Messbereich von 1 Sekunde bei Bl. 1,4 bis zu 1/1000 Sekunde bei Bl. 16, d. h. von Lichtwert 1 bis 18). Die Anzeige der Belichtungszeit im Sucher erfolgt nicht mehr durch einen Zeiger, sondern durch drei Dioden. Leuchtet die mittlere, sind Zeit und Blende richtig eingestellt � sofern die mittenbetonte Messung den richtigen Messwert ermittelt hat. Leuchtet die mittlere und die obere oder untere Diode, bedeutet das eine Abweichung vom Sollwert von bis zu 1 Lichtwert. Leuchtet nur die obere oder die untere Diode, dann beträgt die Abweichung 1 Lichtwert oder mehr.

Wie seit der ersten Nikkormat FT gewöhnt, wird der Belichtungsmesser eingeschaltet, indem der Filmtransporthebel ca. 30 Grad ausgeschwenkt wird. Abgeschaltet wird, indem der Hebel wieder an das Gehäuse angedrückt wird. Wird hingegen der ansetzbare Motor MD-11 (oder der später lieferbare MD-12) verwendet, wird das Mess-System mit einem drehbaren Ring um den Auslöser ein- und ausgeschaltet. Der MD-11 hatte freilich einen konstruktiven Schwachpunkt. Er schaltete sich nicht von selbst aus, sondern musste vom Fotografen gesondert ausgeschaltet werden, was manche Fotografen vergaßen. Mehr oder minder entladene Batterien waren die Folge. Dieser Mangel wurde mit dem Motor MD-12 beseitigt.

Der vertikale Ablauf der Verschlussvorhänge und der insgesamt schnellere Verschlussablauf ermöglicht eine Synchronzeit von 1/125 sec., was den Wünschen vieler Fotografen nach besseren Aufhellmöglichkeiten mit Blitzlicht bei hellem Tageslicht entspricht. 

Dank des modernen Verschlusses sind Belichtungszeiten von 1s - 1/1000s -  sowie zusätzlich B möglich. Dank des neuen Innenlebens erfolgt die Einstellung der Filmempfindlichkeit und der Zeiten nicht mehr an einem Ring um die Objektivfassung wie bei den Nikkormat-Modellen, sondern mittels eines auf der Oberseite angebrachten Drehknopfes. Die am Objektiv eingestellte Blende wird oberhalb des Sucherbildes eingespiegelt - sofern es hell ist, sieht man auch tatsächlich die eingestellte Blendenzahl. Daher finden sich an den Ai- und den AF-Objektiven mit Blendenring (nicht an der Serie G) auch zwei Blendenskalen; die kameraseitige (mit kleineren Ziffern) dient der Einspiegelung der Blendenzahl. 

Auch Kleinigkeiten erfreuen die Nutzer: die Nikon FM verfügt über einen Zubehörschuh auf dem Sucherprisma, etwas, worauf man bei den Nikkormats jahrelang warten und sich bis dahin mit Notlösungen zufrieden geben musste.

Zur Nikon FM erschien ein richtiger Motor, nicht bloß ein Winder wie bei ELW und EL-2; dieser Motor MD-11 wurde am Kameraboden angeschraubt und lieferte bis zu 3,5 Bilder in der Sekunde. Er besitzt einen wirklich nützlichen Handgriff, an dem die Kamera mit angesetztem Motor sicher und einfach gehalten werden kann. Aus 2 Gründen ist der   Motor MD-11 wichtig:

  • Zum Unterschied zum AW-1 zur Nikkormat EL  ist dies ein veritabler Motor mit einer im Zeitpunkt seines Erscheinens ansehnlichen Geschwindigkeit: 3,5 Bilder in der Sekunde bei Belichtungszeiten kürzer als 1/125 Sekunde. Er benötigt acht 1,5 Batterien LR6 (die allergewöhnlichste Größe, bei uns meist als Größe AA bezeichnet, z. B. von Mallory die MN1500) und schafft damit unter günstigen Umständen bis zu 150 Filmen! Zum Unterschied vom älteren AW-1 hat er einen praktischen Handgriff, an dem sich der Belichtungsmesser einschalten und ausschalten lässt, mit dem aber auch die Rückspulung des Films geschaltet werden kann.
  • Der MD-11 kann nicht nur an der Nikon FM verwendet werden, sondern auch an der späteren Nikon FA.

Gold FM 60th Anniversary

Im Jahre 1977 produzierte Nikon anlässlich des 60. Geburtstages der Firma und anlässlich der Einführung der 1. Kompaktkamera eine vergoldete Ausgabe der Nikon FM. Verkauft wurden diese vergoldeten Kameras nie, sie wurden an wichtige Persönlichkeiten verschenkt und dienten als Ausstellungsstücke. Wie viele vergoldete FM erzeugt wurden, ist unbekannt, es sind jedenfalls so wenige, dass ihre Existenz auch in Sammlerkreisen manchmal nicht bekannt ist. 

Die Gold FM ist aber eine voll funktionsfähige Kamera und hat auch einen Motoranschluss, obgleich wohl kein Mensch je mit ihr wirklich fotografiert hat.

Geliefert wurde sie mit einem Nikkor 1,4/50mm, dessen Nummer der Gehäusenummer unter dem Schnellschalthebel entspricht, nach dem Schema: FM134LX auf dem Gehäuse = 60134 auf dem Objektiv. Vergoldet ist der Gehäuseoberteil, die Fassung des Selbstauslöserhebels, die Bodenplatte und der Auslöser sowie die sonst silberfarbene Objektivfassung des ansonsten schwarzen Objektivs. Wenn Sie wissen wollen, wie diese wunderschöne, elegante Kamera ausschaut, Stephen Gandy hat zwei Bilder auf seiner Site.

Nikon FE

Ab 1978, ein Jahr nach der Nikon FM, produzierte Nikon die neue Nikon FE. Kein Wunder, ist sie in mechanischer Hinsicht weitgehend baugleich mit der Nikon FM und weist zusätzlich das von der Nikkormat EL-2 bekannte elektronische Innenleben auf. Sie schaut daher auf Anhieb nicht anders aus als die FM. Sie hat das gleiche Gehäuse mitbekommen; anstatt des mechanischen Verschlusses verfügt sie jedoch über eine elektronisch gesteuerte Ausgabe, das heißt, ohne Batterie funktioniert die Kamera nur sehr rudimentär. Man muss M90 auf dem Verschlusszeitenring einstellen, dann kann man mit einer 1/90s auslösen, aber nicht die Belichtung messen - mangels Strom.

Bei der Anzeige der Belichtungszeit ist man wieder einen Schritt rückwärts von den Leuchtdioden abgegangen. Die Einstellung der richtigen Belichtungszeit erfolgt indem man 2 Zeiger zur Deckung bringt. Dafür ist die Mattscheibe auswechselbar, nachdem das Objektiv abgenommen und mit einem speziellen Werkzeug im Gehäuse eine Weile herumgefummelt worden war. Immerhin ein Fortschritt, zumindest für geschickte Leute mit drei Händen gegenüber der Nikon FM, bei der die Mattscheibe nur in einer von Nikon autorisierten Werkstätte ausgewechselt werden konnte. Sobald die Nikon FE2 auf dem Markt war, konnten auch die etwas helleren Briteview-Mattscheiben eingebaut werden. Kein Vorteil ohne Nachteil: das Mattscheibenbild ist um etwa 1/3 heller, es muss jedoch auch die Einstellung der Filmempfindlichkeit angepasst werden, z. B. muss man bei einem ISO100-Film auf ISO80 einstellen.

Auch ist der Verschlusszeitenbereich größer als bei der Nikon FM und reicht von 8s � 1/1000s plus B. Die Synchronzeit beträgt 1/125s. Als erstes Vorzeichen der vielfältigen Steuerungsmöglichkeiten der Kamera- und der Blitzfunktionen leuchtet eine Diode auf, wenn ein Nikon-Blitzgerät eingeschaltet und blitzbereit ist. Falls eine kürzere Belichtungszeit eingestellt ist als für die einwandfreie Belichtung mit Blitzlicht nötig ist, blinkt diese Diode, weil ja in diesem Fall nur ein Teil des Bildes belichtet würde.   

Und schließlich gibt es schon wieder einen neuen Motor, den MD-12, der kann allerdings auch an der Nikon FM und an den späteren Modellen FM2, FE2 bis zur FA verwendet werden. Sie sehen ihn an der Abbildung der Nikon FE oben. Dieser Motor entspricht äußerlich dem MD-11, wie er zur Nikon FM geliefert wurde, unterscheidet sich im Innenleben jedoch in 2 - wichtigen - Details:

  • Der MD-12 schaltet sich automatisch 60 Sekunden nach dem letzten Druck auf den Auslöser ab. Der Vorgänger versorgt indessen das Messsystem der Kamera so lange, so lange er nicht extra ausgeschaltet wird - wird die Kamera über Tage und Wochen mit eingeschaltetem Motor abgestellt, sind allenfalls die Batterien erschöpft.
  • Der MD-12 transportiert den Film bei Einzelbildaufnahmen automatisch weiter, sobald der Verschluss abgelaufen ist. Beim älteren MD-11 erfolgt dies erst, wenn der Fotograf den Auslöser loslässt.

Mit dieser Weiterentwicklung und vorher schon mit dem MD-11 bzw. dem vorangehenden AW-1 (Winder zur Nikkormat ELW und EL-2) hat Nikon eine Entwicklung eingeleitet, die zu den heutigen integrierten Motorantrieben der SLRs der Nikon Corp. geführt hat. Der Motor ist nicht mehr ein exotisches Zubehör, das, sperrig und schwer, gelegentlich für besondere Aufnahmen an die Kamera angeschraubt wird (jahrelang wurde von Nikon mit den Bildern einer Brückensprengung geworben), sondern der Motor macht dem Fotografen (bei minimalem Gewicht) das Leben leichter, indem er einen schnelleren Filmtransport ermöglicht (und auch die Rückspulung beschleunigt).

Die hervorragende Qualität des Motors MD-12 (und aller nachfolgenden Anbaumotoren) lässt den Kauf eines gebrauchten Motors auch 20 Jahre nach seinem Erscheinen noch ohne Risiko zu. Sie können ihn auch noch neu kaufen; er wird auch heute noch als Zubehör zur Nikon FM3A geliefert.

Wer will, kann auch die Rückwand gegen eine Datenrückwand MF-12 austauschen und dann das Datum rechts unten in das Bild einbelichten.

Hinsichtlich der Verwendbarkeit der Objektive gilt das zur Nikon FM oben geschriebene.

Obgleich für den Massenmarkt gedacht und eine Stufe unter der Nikon F2 angesiedelt, waren Nikon FM und Nikon FE dennoch zu teuer; man könnte auch sagen, sie waren zu gut. 

Nikon FE2

Die seit März 1983 lieferbare verbesserte Ausgabe der FE erhielt einige neue, durch die technische Entwicklung inzwischen möglich gewordene Eigenschaften: als kürzeste Belichtungszeit 1/4000sec, eine mechanische Belichtungszeit bei Batterieausfall von 1/250sec und eine TTL-Blitzbelichtungsmessung. Die Produktion dieser verbesserten Ausgabe und an der Typenbezeichnung rein äußerlich leicht erkennbaren Nikon FE2 wurde durch diese neuen Features allerdings wesentlich verteuert und schon 1987 eingestellt, die verbesserte FM2n wurde jedoch bis 1997 erzeugt.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die Nachfolgerin der Nikon FE als Nikon FE2 nach dem Willen Nikons eigentlich die Nikon FA werden sollte. Deren Entwicklung  dauerte allerdings länger als erwartet, weil sich die Entwicklung der Mehrfeld-Innenmessung dieser technisch wirklich wichtigen neuen Kamera verzögerte, sodass sie erst im September 1983 in kleinen Stückzahlen auf dem Markt erschien. Um jedoch die FE durch ein neues Modell ersetzen zu können, entschloss sich Nikon, sozusagen eine vereinfachte FA als Nikon FE2 zu erzeugen. Zumindest behauptet das der Autor der von mir bereits öfters erwähnten quasi offiziellen Firmengeschichte in spezieller englischer Übersetzung.

Bei der FE2 wurde die Umlegbarkeit des Blendenmitnehmers weggelassen; die alten Nikkore mit Blendenmitnehmer sind trotz unverändertem Bajonett nicht ansetzbar, weil der Blendenmitnehmer beschädigt werden kann. Hingegen sind alle AI- und AF-Objektive mit Offenblendemessung verwendbar - ausgenommen die Objektive der Serie G ohne Blendenskala auf dem Objektiv.

Nikon EM

Wieder einmal wurde die Marktforschung zu Rate gezogen: wie musste ein echtes Volumensmodell beschaffen sein, eine Kamera, mit der auch der, sagen wir es ganz offen, unbedarfte Amateur zurechtkam und die ihn nicht überforderte?

Die Antwort wurde 1979 gegeben und sie hieß: Nikon EM. 

Die EM ist eine vollautomatische Kamera, bei Einstellung auf Auto steuert sie die passende Belichtungszeit mit ihrem elektronischen Verschluss automatisch, entsprechend der am Objektiv eingestellten Blende. Weggelassen wurde alles, was der (ergänze: unbedarfte) Amateur nach Auffassung Nikons nicht brauchte: es gab keine Taste zum Abblenden des Objektivs, keine Vorauslösung des Spiegels (wer fotografiert schon mit einem alten Fisheye-Objektiv?), keine manuelle Einstellung der Verschlusszeiten, keine Blitzbuchse für Kabelblitzgeräte. Dafür gab es einen Hot Shoe und ein spezielles, systemkonformes Blitzgerät, das SB-E. Dafür gab es eine mechanisch gesteuerte Verschlusszeit, am euphemistisch so genannten Zeiteinstellknopf mit M90 bezeichnet und die Einstellung auf B. Und dann gab es die Zeitautomatik (A). Das war's. Weggelassen wurde auch die Möglichkeit, das Ergebnis der mittenbetonten Messung manuell durch Einstellung einer Belichtungskorrektur wirklich zu beeinflussen; Allerdings fand sich eine Gegenlichttaste links neben dem Objektiv. Ein Druck auf diese verlängert die Belichtungszeit um zwei Blendenstufen (z. B. 1/60s statt 1/250s). Damit wird bei Filmen für SW- oder Farbnegative mit ihrem vergleichsweise großen Belichtungsspielraum die Belichtungszeit bei Gegenlicht in den allermeisten Fällen ausreichend genau korrigiert. Für Diafilme reicht diese Einrichtung nicht wirklich aus. 1979 wurde dies ausgiebig in den Fachzeitschriften erörtert; die Zeit hat der Nippon Kogaku K. K. recht gegeben: damals wie heute fotografiert nur ein kleiner Prozentsatz mit Diafilmen (ca. 5%, zu denen ich gehöre), und diese Leute werden sich
eben keine Nikon EM gekauft haben. Weggelassen wurde - etwa im Vergleich mit der Nikon FE - auch sonst noch einiges:

  • Der Druckknopf für die Einstellung auf Arbeitsblende (zur Kontrolle der Schärfentiefe vor der Aufnahme) fehlt.
  • Die Einstellscheiben können nicht ausgewechselt werden.
  • Doppelbelichtungen sind nicht möglich.
  • Der externe Blitzanschluss fehlt, vorhanden ist nur der Hot Shoe.
  • Alte Objektive, die nicht auf AI umgebaut worden sind, können nicht verwendet werden.

Und wann haben Sie das alles zum letzten Mal benötigt?

Nur der Vollständigkeit halber: durch Änderung der Einstellung der Filmempfindlichkeit konnte dennoch eine Belichtungskorrektur auch in kleineren Schritten erfolgen. Das ist einerseits umständlich und vom angepeilten Käuferkreis wohl auch nicht zu verlangen gewesen.

Mit all diesen Maßnahmen wurde sichergestellt, dass das Gehäuse preiswert hergestellt und verkauft werden konnte. Gleichzeitig wurde eine ganze Objektivreihe neu angeboten, welche auf den Anwenderkreis ausgelegt war, der die Nikon EM kaufen sollte: die Objektive der Serie E, zunächst 5, ab 1980 sieben Objektive, mit Daten von 1:2,8/28mm bis 1:2,8/100mm, samt Zoomobjektiv 1:3,5/75-150mm. 

Diese Objektive sind optisch qualitativ ebenso gut wie sozusagen normale Nikkor-Objektive; allerdings wurde für den mechanischen Aufbau viel Kunststoff verwendet und die Objektive wurden teils computergesteuert zusammengebaut. Sie sind deshalb nicht schlechter; in der Praxis halten sie ebenso lange wie die anderen Nikkor-Objektive, wenn man bedenkt, dass der durchschnittliche Amateur seine Objektive überwiegend in ihrer Samthülle herumträgt, ohne sie mechanisch zu beanspruchen - zum Unterschied vom Profi. Nichtsdestoweniger haben die Objektive der Serie E den Ruf billiger Jakobs, wenn auch, wie gesagt, zu Unrecht.

Wem die Serie E zu billig war, konnte sich natürlich gleichsam normale Objektive zu bedeutend höherem Preis kaufen; die alten Objektive aus der Vor-Ai-Ära mit ihren Blendenkupplern sind allerdings nicht mehr verwendbar. Wiederum: Nikon ging, wie ich meine, zu Recht davon aus, dass die Käufer der Nikon EM ohnehin keine Objektive besitzen, die seit einigen Jahren nicht mehr gefertigt wurden. Der typische Käufer kaufte die Nikon EM als seine erste SLR. Alle seither gebauten Ai- und AIS-Objektive sind hingegen mit Offenblendemessung verwendbar, ausgenommen die neuen Objektive der Serie G, die keine eigene Blendeneinstellung besitzen.

Wer unbedingt einen Winder haben wollte, bekam ihn, den MD-E. Verwendbar war auch der MD-14, der bis 3,2 Bilder/Sekunde liefern konnte. Der MD-14 konnte auch an den späteren Modellen Nikon FG und FG-20 verwendet werden.

Um es zusammenzufassen: 

Früher haben die Firmen einfach die beste Kamera gebaut, die sie zusammenbrachten. Die Nikon EM ist das erste Beispiel einer Kamera von Nikon, die ganz auf den Amateurmarkt abgestellt wurde. Vorbei sind die Zeiten einer Nikkormat, zum Beispiel der FT3, die auch von Profis als Ersatzkamera gekauft wurden, falls ihre teure Profikamera Nikon F oder Nikon F2 aussetzen sollte. Die Nikon EM mit ihren beschränkten Möglichkeiten kaufte kein - vernünftiger - Profi als Reservekamera.

Andererseits: Wird durch das Gehäuse aus Polykarbonat wirklich die Funktionsfähigkeit der Kamera beeinträchtigt? Bricht durch das damals so beschimpfte <Plastikgehäuse> die Welt zusammen, wenngleich doch das Innenleben der Kamera aus Aluminium und Messing besteht, samt einem Bajonettanschluss aus Stahl? Befriedigt die Kamera nicht doch die Bedürfnisse von Anwendern, die von einfachen Sucherkameras auf ihre erste SLR umsteigen, weil sie Wechselobjektive verwenden wollen, sich aber möglichst nicht mit diversen Einstellmöglichkeiten auseinandersetzen möchten? Wer etwa bei schönem Wetter Familienfotos machen oder Landschaften fotografieren will, dem reicht die EM vollkommen.

Wie sich nachträglich gezeigt hat, besitzt die Nikon EM viele Eigenschaften, die sich bei späteren Modellen, nicht nur von Nikon, bewährten - auch an die Plastikgehäuse haben wir uns inzwischen ja schon gewöhnt, und neuerdings auch an die Anschlussbajonette aus Plastik - auch an Kameras von Nikon. Aber natürlich, damals .....

Nur am Rande: mir ist es damals nicht anders ergangen. Die EM war sozusagen unter meiner Würde. Heute denk' ich ein wenig differenzierter über die Kamera. Und mit der Nikon FG hat Nikon ja die offenkundig übertriebene Beschränkung aufs Minimum ja beseitigt.

 

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 © Peter Lausch
Zuletzt bearbeitet: 7. Juli 2005

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