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Teil/Fortsetzung: Nikon F
Die Nikon F war von überzeugender
Qualität und einer extrem hohen Verlässlichkeit. Sie war praktisch die
erste Kamera aus Japan, welche in großem Maßstab die Mär widerlegte, die
Japaner könnten keine Qualitätskameras bauen und nichts komme in der
Qualität einer Leica oder Contax aus Deutschland gleich. Die Mär wurde im
Alltag schon ab 1959 widerlegt; wer heute nach 35 Jahren eine Nikon F in
die Hand nimmt, weiß, dass die Behauptung von damals Tatsache ist.
Natürlich lernte auch die Nippon Kogaku KK. dazu. Das zeigt einerseits die
Tatsache, dass viele Teile der Nikon F von früheren Modellen übernommen
wurden, vom Filmtransporthebel über die Rückwandverriegelung bis zu den
Ösen für den Tragriemen.
Andererseits lernte die Firma von kleinen Firmen. Zum Motor S36 etwa gab
es ein "Battery Pack", am Körper oder in der Jackentasche zu tragen, mit
einem Kabel mit dem Motor verbunden. Ein Amerikaner namens Jacobson baute
in Los Angeles das Powercon, einen an den Motor anschraubbaren
Batteriehalter, der Kabel und separaten Batteriebehälter ersparte. Später
gab es eine Billigvariante namens Remopak (siehe nebenstehende Abbildung) für eine Firma TPI, auch aus Los
Angeles. Erzeugt wurden insgesamt bloß etwa 1.000 Stück, nicht viel
natürlich, aber mit diesen Produkten wurde der Original-Batterieteil
obsolet.
Nippon Kogaku KK.
reagierte 1964 mit einem eigenen Produkt, 5 Jahre nach Einführung des
Motors F36 und 3 Jahre nach Erscheinen des Powercon bzw.
Remopak.
Kleine Ursachen, große Wirkungen: ohne
Jacobsen und die Firma TPI würden wir am Ende noch immer kleine
Batteriebehälter mit Kabelverbindung zur Kamera mit uns herumtragen -
denken Sie daran, wenn Sie das nächste Mal Ihre motorisierte Kamera
einschalten.
Selten wird der gesonderte
Batteriebehälter von Nikon auf Bildern gezeigt. Ich tue es auch nicht. Ich
zeige Ihnen statt dessen eine Nikon F mit dem Motor F36 und dem eigenen
ansetzbaren Batterieteil (Powerpack genannt) von Nikon:

Für eine größere Wiedergabe jeweils auf das Bild klicken
Übrigens: vom Remopak gab es eine Variante
mit eigenem Motor namens Remodrive - für die Leica M3. Mit dieser Variante
verdiente die Firma Jacobson wirklich Geld. Sie verkaufte den Remodrive an
Leitz und Leitz verkaufte das Produkt als Leica M-Motor für die M2 und die
M4; der heutige Leica-Motor ist ein später Nachfahre.
So wie bei der Einführung der Nikon F die Firma viele Bauteile dieser
Kamera bei der gleichzeitig gebauten Nikon SP verwendet hat, wurden
diverse Bauteile,
wie bereits gesagt, im Laufe der Jahre verändert; nach Erscheinen der
Nikon F2 (der weiterentwickelten Nikon F) wurden auch Bauteile der Nikon
F2 an der Nikon F verwendet. Dafür nur zwei Beispiele: der
Selbstauslöserhebel der Nikon F entspricht in der Schlussphase dem der F2,
der Filmtransporthebel der Nikon F wird ersetzt durch den der F2 etc..
Dies ist schön erkennbar an der nachfolgenden Abbildung einer schwarzen
Nikon F Apollo mit Motor F36 und Batteriepack. Geändert haben sich jedoch
eine große Zahl an Details, die freilich auf die grundsätzliche Funktion
der Kamera keinen Einfluss haben. Eine vergleichende Übersicht aller
Änderungen und der Gemeinsamkeiten der Nikon F mit der Nikon S2, SP, S3
und S4 gibt es
hier. Sollte der Link nicht funktionieren, die Webseite findet sich
unter www.nikonhs.org, Article
Archive, Comparisons.
Die vorstehende Aufzählung der Vorzüge
der Nikon F in ihren verschiedenen Varianten zeigt, wie fortschrittlich
die Kamera in den 60er-Jahren im Vergleich mit damaligen Kameras war. Im
Vergleich mit heutigen Kameras zeigen sich auch die - nach heutigen
Maßstäben gemessen - Schwächen der damaligen Konstruktion.
Manche dieser Schwächen sind im Lauf der
Produktionsdauer beseitigt worden. Deshalb etwa hat Nikon verschiedene
Photomic-Aufsätze angeboten. Die Variante mit Ganzfeldmessung -
Photomic T
- wurde durch die mittenbetonte Messung des
Photomic Tn
abgelöst; dieser Aufsatz wiederum wurde durch den
Photomic FTN
ersetzt, welcher, wie oben
ausgeführt, die umständliche Anpassung des Messsystems an die größte
Öffnung des verwendeten Objektives beseitigte.
Zusammenfassung:
Modular aufgebaute SLR mit
Belichtungsmesseraufsätzen und integriertem Motoranschluss, einer großen
Vielfalt an Zubehör und einem der größten Objektivangebote der damaligen
Zeit. Profiqualität. Mit der Markteinführung der Nikon F endet die
Vorherrschaft deutscher Kameras auf dem Profimarkt.

Nikon F mit Langfilmmagazin und
Motor F250
Technische Daten Nikon F (ohne
Photomic-Aufsatz):
Spiegelreflexkamera für Kleinbildfilm und
Wechselobjektive (Nikon F-Bajonettfassung); horizontal ablaufender
Schlitzverschluss mit Verschlussvorhängen aus Titanfolie (bei den
allerersten Modellen noch mit Tuchvorhängen), Bildformat 24x36 mm,
Verschlusszeiten: T, B, 1 - 1/1000 Sekunde, mechanisch gesteuert,
Synchronzeit: 1/60 Sekunde
Blitzkontakt an der rechten Seitenwand (von vorne gesehen), kabelloser
Blitzanschluss über Spezialschuh, der über die Rückspulkurbel geschoben
wird, mechanischer Selbstauslöser mit 10 Sekunden Vorlaufzeit, keine
Mehrfachbelichtungsmöglichkeit und kein Okularverschluss,
Spiegelarretierung, Abblendtaste, integrierter Motoranschluss für Motore F
36 und F 250,
Schnellschalthebel, automatisch auf Null stellendes Bildzählwerk,
Standardobjektiv: Nikkor 1,4/50 mm oder 2/50 mm,
Gewicht mit Prisma und Nikkor 2/50: 715 g.
Ungefähre heutige Preisbasis für
gut erhaltene und funktionsfähige Nikon F mit 1,4/50 mm: 500 Euro.
Hinweis:
Nikon rühmt sich, zum Unterschied von
anderen Firmen bis heute dem Bajonett der der Nikon F treu geblieben zu
sein, sodass auch die seither neu produzierten Objektive an der Nikon F
verwendbar seien.
Das ist auch wahr so; ganz so schön ist
es aber auch wieder nicht. Denn die Objektive der ab 1979 erstmals zur
Nikon EM lieferbaren Objektive <Series E>, die AF- und die AFS-Objektive
neuer Fertigung lassen sich zwar ansetzen und einstellen, die
Belichtungsmessung ist indessen nur nach der Stop Down-Methode mit
Arbeitsblende möglich. Nicht nur das, mit den Zoomobjektiven mit
veränderlicher Anfangsöffnung (z. B. AF Zoom-Nikkor 3,5-4,5/28-105 mm)
müssen Sie zumindest bei Diafilmen bei der Belichtungsmessung auch noch
die veränderliche Anfangsöffnung berücksichtigen. Und gar nicht verwenden
können Sie in der Praxis die neuen preiswerten Objektive der G-Serie, weil
diese keine Blendeneinstellung haben - die Einstellung wird elektrisch von
der Kamera gesteuert.
Zur
Fortsetzung
Zuletzt bearbeitet: 7. Juli 2005
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