© Leicashop Wien, 2007

 

Eine Leicaausrüstung aus dem Jahre 1931

Dies sei eine sehr interessante Ausrüstung, preist sie der Anbieter. Das ist sie tatsächlich, und gleich in mehrfacher Hinsicht.

Denn der Gehäusenummer nach handelt es sich um eine 1931 erzeugte Leica I mit Schraubfassung. Dazu hat sich der Besitzer zwischen 1931 und 1933 ein nicht nummeriertes Elmar 4,5/135 mm gekauft und ferner ein ebensowenig nummeriertes Elmar 3,5/50 mm.  Die Elmare 35 und 50 mm sind vernickelt und das Elmar 135 ist schwarz lackiert.

Ab 1933 hat Leitz die Objektive zur Leica nummeriert. Daher sind die Objektive vor 1933 gebaut worden.

Das Elmar 3,5/35 mm war überhaupt das erste Wechselobjektiv zur Leica und wurde ab 1930 angeboten, ab 1932 gab es das Objektiv in einer mit dem Entfernungsmesser der damals bereits erhältlichen Leica II gekuppelten Fassung – die auch an der Leica I (und an allen späteren Modellen der Leica verwendbar war. Ab 1933 wurde das Objektiv in einer verchromten Fassung angeboten (mit Nummer), sodass sich bei diesem Objektiv das Kaufdatum bis aufs Jahr genau festlegen lässt. Gleiches gilt sinngemäß für das Elmar 3,5/135 mm.

Irgendwann zwischen 1933 (als die Leica III auf den Markt kam) und 1950 (als Leitz derartige Umbauten der Leica I einstellte) hat der Besitzer seine Kamera umbauen lassen. Das war eine tiefgreifender Umbau: Nicht nur wurde ein Langzeitenwerk ins Gehäuse eingebaut, es wurde auch die Deckplatte ausgetauscht, ein Entfernungsmesser und die notwendige Entfernungsmesserkupplung eingebaut. Damit hatte er eine vielseitig verwendbare und bis auf die fehlende Verschlusszeit von 1/1000 Sekunde durchaus moderne Ausrüstung. Diese kürzeste Belichtungszeit bot Leitz erst in der ab 1935 lieferbaren Leica IIIa angeboten. Der Umbau der Kamera von Leica I auf den Stand der Leica III dürfte daher vor 1935 erfolgt sein.

Zubehör erwarb der Besitzer auch, teilweise ist es Bestandteil des Sets: einerseits Filter und einen Drahtauslöser, andererseits eine Metallkassette für selbst zugeschnittene Filme (fertig konfektionierte Patronen gab es nicht, als er die Kamera kaufte). Diese Kassette hat sich erhalten. Hingegen ist die leere Filmpatrone von Ilford, in der seinerzeit Ilford HPS, ein hochempfindlicher Schwarzweißfilm, fertig konfektioniert geliefert wurde, eine spätere, eher zufällige und für sich genommen wertlose Zutat.

Zusätzlich muss der seinerzeitige Besitzer auch noch Sucher für die Brennweiten 35 und 135 mm besessen haben – ohne diese Zusatzsucher sind die Wechselobjektive nicht verwendbar. Diese Sucher haben sich nicht erhalten.

Für sich genommen ist dies eine typische Ausrüstung mit Normalobjektiv und – für enge Gassen etc. – einem Weitwinkelobjektiv und zusätzlich einem langbrennweitigen Objektiv – im Zeitpunkt des Kaufes gab es für die Leica nichts Besseres (derartige Objektive lassen sich auch heute noch verwenden, vor allem wenn abgeblendet wird. Bei Bl. 4,5 halten sie den Vergleich mit modernen Objektiven nicht aus.

Wie viel eine solche Ausrüstung in dem gezeigten Zustand wohl wert sein mag? Der Verkäufer erwartet sich  ca. 1200 €. Ich denke, er wird auf den Verkauf eine Weile warten müssen - die Kamera ist an sich nicht unattraktiv und dem Aussehen nach zumindest nach dem Umbau nicht viel benutzt worden. Namentlich das Elmar 135 ist indessen in einem äußerlich nicht sehr ansprechenden Zustand - siehe die durch Anklicken vergrößerbare Abbildung.

 

 

 

© PETER LAUSCH/2005
Erstellt am 7. Februar 2007

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