| Fortsetzung des 13. Teils
Nikon F50
Im Jahre 1994 brachte Nikon mit der F50
eine Kamera mit leistungsfähiger Technik, aber einfacher Bedienung heraus,
so der Werbeslogan. Gedacht war sie als Nachfolgerin der F-401x, die in
die Jahre gekommen und zuletzt nicht mehr recht konkurrenzfähig gewesen
ist.
Bezüglich Technik muss man Nikon
zustimmen: als AF-Modul wird ein weiterentwickelter AM200 mit
Schärfenachführung eingesetzt. Dieser Modul ist 2001 nicht mehr ganz Stand
der Technik, ihm fehlt der Kreuzsensor, der sowohl vertikale als auch
horizontale Linien im Motiv mit gleicher Sicherheit und Schnelligkeit
scharf stellt. Die Kamera bietet Motivprogramme, ein normales Programm mit
Shiftmöglichkeit, aber auch Zeit- und Blendenautomatik und
selbstverständlich manuelle Einstellung. Die Motivprogramme umfassen die
uns heutzutage durchaus vertrauten Programme für Landschaftsfotografie
(Tendenz zu längeren Zeiten und viel Schärfentiefe), Porträtprogramm
(Tendenz zu geringer Schärfentiefe), Nahaufnahmeprogramm (mit der
eigentlich unzweckmäßigen Bevorzugung großer Blenden, um Blumen etc. vor
dem Hintergrund freizustellen; ist aber nicht mangelnde Schärfentiefe
eines der Probleme beim Fotografieren plastischer Gegenstände?), ferner
ein Action-Programm mit kurzen Belichtungszeiten, ein Bewegungsprogramm
als Gegenstück dazu (längere Belichtungszeiten lassen das schnell bewegte
Motiv verwischt erscheinen), das Silhouettenprogramm und das Nachtprogramm
mit längeren Belichtungszeiten bei Blitzaufnahmen, damit der Hintergrund
nicht in Dunkelheit verschwindet. Und die Blitzmessung erfolgt in Form der
3D-Matrixmessung mit 6 Messfeldern bei 1/125s kürzester Synchronzeit.
Und was ist mit der einfachen Bedienung?
Damit schaut es ein wenig finster aus.
Erstens unterscheidet die Kamera zwischen einem einfachen und einem Modus
für Fortgeschrittene, man könnte auch sagen, für die Ahnungslosen und für
die Wissenden. Mit einem Druckknopf links vom Sucher schaltet man zwischen
beiden Modi um. Je nachdem erscheint, wie ein maßgebendes Werk über Nikon
stolz vermeldet, "erstmalig eine LCD-Anzeige mit Punktmatrix", was den
potentiellen Käufer wohl ruhig schlafen ließ. Aber darum geht es mir gar
nicht.
Also: nach dem Einschalten der Kamera
wählen Sie mit dem Betriebsartenwahlschalter zwischen Simple und Advanced.
Bleiben wir beim Simple Modus. Sie sehen auf besagter Punktmatrix-LCD
Buchstaben, die Abkürzungen für Programmautomatik etc. Nun drücken Sie auf
die kleine Taste über P und rufen Sie damit die Programmautomatik auf. Nun
erscheinen mehrere Piktogramme mit nach links oder rechts weisenden
Pfeilen. Drücken Sie die Taste über einem Piktogramm und schon Sie haben
das entsprechende Motivprogramm eingestellt, z. B. das
Landschaftsprogramm. Erscheint das gewünschte Piktogramm aber nicht, ist
mit anderen Worten die Punktmatrix zu klein, um alle Piktogramme zu
zeigen, brauchen Sie bloß die Taste über einem Pfeil zu drücken,
allenfalls mehrmals, bis Sie das gewünschte Piktogramm tatsächlich sehen.
"Ein gewünschtes Programm lässt sich schnell und mühelos finden", meint
ein Maßgebender. Wer die Einfachheit einer Pocketkamera bei größerer
Flexibilität suche, finde die Antwort in der F50, schreibt er.
Sein Wort in Gottes Ohr. Andere Firmen
haben sich mit einer solch einfachen Bedienung nicht abgegeben, sondern
verwendeten schon 1994 und verwenden auch noch heute ein Drehrad mit den
entsprechenden Symbolen. Nikon selbst ist im übrigen, wie Sie ja wissen,
inzwischen mit seinen neueren Modellen ebenfalls aufs Drehrad verfallen.
Die F50 wird seit 1998 nicht mehr erzeugt und ist durch die F60 (mit
Drehrad) ersetzt worden, die aber auch nicht mehr erzeugt wird.
Damit wir uns nicht falsch verstehen. die F50 ist eine gute Kamera, mit
der sich technisch einwandfreie Aufnahmen machen lassen - aber wenn Sie
nicht ein ausgesprochener Liebhaber bzw. eine -in von Knöpfchendrücken und
Rädchen drehen sind, lassen Sie die Finger davon. Nikon hat das auch
eingesehen und baute danach intuitiver bedienbare Kameras.
Nikon F70
Rechtzeitig für das Weihnachtsgeschäft
1994 wurde die
F70
angeboten, die in vielen Eigenschaften als Nachfolgerin der F-601
erscheint. Nikon selbst sieht die F70 als Nachfolgerin der F-801s. Wie
auch immer, wichtig für die Entwicklung war die Kamera deshalb, weil
- erstmalig 3D-MultiSensor-Aufhellblitzen mit dem eingebauten
Blitzgerät möglich war, was in einfachem Deutsch im Wesentlichen
bedeutet, dass mit D-Nikkoren beim Blitzen dieselbe qualitativ
hochstehende Messmethode möglich war wie bei F90 und F90X mit den
aufsteckbaren Blitzgeräten von Nikon, SB-25 und SB-26 (oder einem
seither auf den Markt gekommenen). Mit älteren Geräten, meldet Nikon
stolz, kann man auch blitzen (no na!) aber halt leider nicht
3D-MultiSensor-Aufhellblitzen. Damit wurde beim Blitzen ein noch heute
gültiger Standard erreicht worden � man kann auch sagen, seither ist
nichts Besseres mehr entwickelt worden. Aber im Ernst: mit der F70 und
passendem Blitzgerät ist sowohl bei Dunkelheit als auch untertags beim
Aufhellblitzen weitgehend sichergestellt, dass das geblitzte Bild
naturgetreu erscheint und das früher für Blitzaufnahmen typische
Ergebnis (Vordergrund weiß, Hintergrund schwarz, dazwischen hoffentlich
ein erkennbares Gesicht) vermieden wird.
- ein wesentlich schnellerer AF-Modul mit der internen
Typenbezeichnung CAM276 verwendet wird, wie er seither auch bei anderen
Modellen eingebaut wird, aber nicht bei allen! Ich werde darauf bei den
einzelnen Modellen hinweisen, auf die ich noch zu sprechen komme.
Eine weitere Eigenschaft hat viele "User" (tut mir leid,
Nikon-Originalton) freilich gewaltig verärgert: ein mehrfarbiger
LCD-Monitor mit Symbolen für die wichtigsten Einstellungen, anstatt des
von Canon und anderen Erzeugern gewohnte Einstellrades mit aufgedruckten
Symbolen. Wie stellt man eine Belichtungsfunktion ein? 1. Funktionstaste
an der Kamera drücken; 2. Einstellrad drehen, bis im LCD-Monitor auf der
Gehäuseoberseite etwa A (für Zeitautomatik) blinkt. 3. Danach drückt man
die SET-Taste und dreht das Einstellrad, bis P erscheint. 4. Passt einem
die angebotene Zeit/Blendenkombination nicht, dreht man am Einstellrad
(ohne irgendeinen Tastendruck), bis die gewünschte Zeit oder Blende
angezeigt wird. 5. Nach Scharfstellung löst der glückliche Fotograf aus
und bekommt als Ergebnis vom Fotohändler eine technisch einwandfrei
belichtete Aufnahme (falls bei der Verarbeitung kein Fehler gemacht
wurde). Wünscht sich aber ein ganz Verwegener ein Motivprogramm, z. B.
Porträt, dreht man im obigen Schritt 3 das Einstellrad, bis Ps erscheint.
Als Schritt 4 drückt man die Ps-Taste gleich rechts vom Sucher und dreht,
aber bitte gleichzeitig, am Einstellrad, bis ein kleines schwarzes Dreieck
unter dem gewünschten Piktogramm erscheint (nach längerem Studium der
gelungenen Gebrauchsanleitung merkt man sich hoffentlich, was die
einzelnen Piktogramme so bedeuten sollen). Als Schritt 6 folgt sodann
(oder endlich) der Druck auf den Auslöser etc.
Ich nehme an, Sie verstehen jetzt, warum die Eigentümer dieses Modells
mit ihrer Kamera so glücklich sind und warum die Fa. Canon mit ihren
gleich teuren Modellen ausgezeichnete Umsätze machte.
Damit Sie mich aber nicht falsch verstehen: ist jemand mit seinem PC
samt Windows XP etc. auf vertrautem Fuß, kommt er durchaus mit einer F70
zurecht. Einmal verstanden, ist die von mir oben geschilderte Bedienung
durchaus logisch und verständlich. Ein Nachteil bleibt freilich: um die
obigen Schritte 1-5 bzw. 1-6 nachzuvollziehen, müssen Sie die Kamera vom
Auge nehmen und in der Praxis brauchen Sie für diese Einstellungen beide
Hände.
Ansonsten lässt sich über die Nikon F70 nicht viel sagen. Sie
funktioniert einwandfrei, ihre Möglichkeiten reichen, mit entsprechendem
Wissen genutzt, für die Praxis mehr als aus. Dem Trend zur Verwendung von
28mm-WW-Objektiven anstelle der Weitwinkel-Objektive mit 35mm und dem
größerem Anbot entsprechender Zooms, die auch die Brennweite 28mm
umfassen, entsprechend, leuchtet das eingebaute Blitzgerät auch Bilder
aus, die mit einem solchen Weitwinkel-Objektiv gemacht werden.
Die F70D ist werksseitig mit einer Datenrückwand versehen, denn
die Rückwand kann vom Anwender nicht selbst ausgetauscht werden, ebenso
wenig wie die Mattscheibe, eine von Nikon so bezeichnete "BriteView"-Scheibe
für besonders helle Wiedergabe des Sucherbildes, nicht übel, werden doch
die Objektive nicht eben lichtstärker.
Zwei kleine Mängel hat jede F70 bzw. F70D:
- Objektive mit Ai- oder Ai-S-Anschluss können zwar verwendet werden,
Matrixmessung ist dann aber nicht möglich; die alten Objektive mit
Blendengabel sind nicht verwendbar und können heute außer von Bastlern
nicht mehr umgebaut werden und auch die neuen G-Objektive ohne
Blendenskala können nur mit Programm- und Blendenautomatik verwendet
werden.
- ein üblicher, billiger mechanischer Drahtauslöser zur Vermeidung von
Erschütterungen bei der Auslösung kann nicht verwendet werden, ein
elektrisches Auslösekabel muss her. Das kostet. Der vergleichsweise hohe
Preis schmerzt weniger, weil sich, etwa bei Nachtaufnahmen, der Fotograf
den vielleicht 2 Minuten langen Druck auf den mechanischen Auslöser
erspart und statt dessen eine Art "T-Einstellung" benützt: erster Druck
öffnet, zweiter Druck schließt den Verschluss. Während der Belichtung
wird kein Strom verbraucht. Jetzt soll nur keiner einwenden, bei den
alten mechanischen Drahtauslösern um ein paar Euro habe es praktische
Feststeller gegeben, die genau das bewirkten ..........
Nikon F90X
Die seit 1994 als Ersatz für die F90 verkaufte F90X bietet dank neuer
Schaltungen einen um 25% schnelleren AF-Modul, wodurch die F90X unter
günstigsten Bedingungen bis zu 4 Bildern/s pro Sekunde scharfstellen und
aufnehmen kann. Die F90X unterscheidet sich von der F90 äußerlich kaum.
Zur F90X gibt es einen Hochformatgriff MB-10, der ausschaut wie ein Motor
mit Handgriff. An den Kameraboden angeschraubt, kann die Kamera sicherer
gehalten werden, wichtig besonders bei schweren Zoom- oder Teleobjektiven.
Nicht nur bei Aufnahmen im Hochformat kann die Kamera auch an diesem Griff
ausgelöst werden, entsprechende Kontakte sind am Gehäuse vorhanden. Dank
derselben Gehäuseform konnte der Griff auch an der F90 angeschraubt
werden, mangels spezieller Kontakte war, ohne Anpassung des Gehäuses, die
Auslösung der Kamera über den Griff aber nicht möglich.
Die F90X ermöglicht, ebenso wie vorher schon die F90, den Blitz mit
Belichtungszeiten bis zu 1/4000s zu benutzen, vorausgesetzt, ein
geeignetes Blitzgerät von Nikon wird verwendet, das SB26 mindestens. Das
funktioniert, indem eine ganze Reihe von Blitzen nacheinander in schneller
Folge abgefeuert werden, die das Negativ während der ganzen Zeit des
Verschlussablaufes belichten, ein Prinzip, das es von Pentax schon eine
Weile gibt.
Letztlich gilt für die F90X dasselbe wie für die F90: Trotz des äußeren
Plastikgehäuses ist die F90X nicht mit einer viel billigeren damaligen F50
oder F70 vergleichbar, sie ist nun einmal keine Kamera für den
Massenmarkt. Sie ist aber andererseits keine eigentliche Profikamera. Wer
kauft sie dann? Spitz gesagt, Amateure, die zuviel Geld haben und die in
meiner Jugend noch so genannten ernsthaften Amateure, welche in ihrem
ganzen Leben nicht so viele Aufnahmen machen wie ein Profi in einem Jahr
und dafür die F90X schön während der Woche in ihrer Kameratasche
aufbewahren und mit anderen Worten, nicht so beanspruchen wie ein Profi.
Andererseits sind das vielleicht wirklich die einzigen Leute, welche die
F90X kauften, denn die Leute mit zuviel Geld, die ich oben erwähnte,
kauften sich ohnehin gleich die F5. Sie hatte ein noch höheres
Sozialprestige, ist mit Einstellung auf P relativ einfach bedienbar und
schafft ganz wundervolle Bilder von der Tante Hermi vor dem Turm von Pisa
bei Sonnenschein (Datum der Aufnahme auf Wunsch rechts unten
einbelichtet).
Die Erzeugung der F90X ist im Laufe des Jahres 2001 eingestellt worden.
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Zuletzt bearbeitet: 7. Juli 2005
© 2005 Peter Lausch
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