Fortsetzung 10. Teil

Nikon FA

Erinnern wir uns zurück: die mittenbetonte TTL-Messung ist von Nikon erstmalig 1967 eingeführt worden und wurde, geringfügig modifiziert, bislang beibehalten. Diese Messmethode, die auf der an sich einfachen Überlegung beruht, jeder Fotograf werde wohl den für ihn wichtigsten Teil des Motivs in der Mitte des Sucherbildes platzieren, bewährte sich hervorragend. Ein großer Teil der Motive, die mit dieser Meßmethode ausgemessen wurden, ist auf dem Film (sei es Farbe oder SW, Negativ- oder Diafilm) richtig belichtet worden. Dennoch gab es Situationen, in denen sich auch mit der mittenbetonten Belichtungsmessung keine einwandfrei belichteten Filme ergaben. Besonders deutlich zeigte sich das bei Diafilmen, wie sie früher noch viel häufiger als heute auch von Berufsfotografen benutzt wurden, haben diese Filme doch einen wesentlich geringeren Belichtungsspielraum als Negativfilme. Natürlich merkte sich ein jeder Nutzer mit der Zeit, in welchen Situationen er der Kamera auf die Sprünge helfen musste, wo er also seine Erfahrungen, so vorhanden, bewusst zur Korrektur der Belichtungsmessung, wie sie durch die Kamera vorgenommen wurde, einsetzte.

Das war nur möglich, wenn der Fotograf im vorhinein die kritische Situation erkannte und wenn er ferner gegenzusteuern wusste – keine ideale Situation für einen Erzeuger, der sich der gleichsam automatisch guten Qualität der mit seinen Produkten aufgenommen Bilder rühmte.

Die Techniker von Nippon Kogaku K. K. analysierten die möglichen Fehlerquellen der mittenbetonten Messung und entwickelten in der Folge an Hand der Ergebnisse von Tausenden Musterfotos Standardsituationen für die Helligkeitsunterschiede in einem Motiv. An Hand dieser Unterlagen teilten sie das Sucherfeld in insgesamt 5 Felder. 

Jedes dieser
Felder wurde bei der Belichtungsmessung gesondert gemessen. An Hand der unterschiedlichen Helligkeitsverteilung dieser 5 Felder errechnet sodann eine elektronische Recheneinheit (gegen die damals gerne verwendete Bezeichnung "Computer" sträubt sich 2001 die Feder, sozusagen!) an Hand der gespeicherten Belichtungsdaten der Musterfotos die im konkreten Fall korrekte Belichtung. Dazu bedarf es aber außerdem natürlich auch noch der Berücksichtigung der Filmempfindlichkeit, der Lichtstärke des verwendeten Objektivs, der Brennweite etc. Funktioniert das alles, wird die optimale Belichtung gewährleistet. Auch die AMP-Messung ist streng genommen nicht <narrensicher>, aber sie erbringt einen viel höheren Prozentsatz sozusagen <automatisch> richtig belichteter Bilder als die mittenbetonte Messung, vor allem unter schwierigen Verhältnissen, wie etwa hohem Kontrast und bei Gegenlichtaufnahmen.

Nach ausführlichen Tests dieses Systems wurde die entsprechende Kamera rund um die elektronischen Bauteile gebaut und das Ergebnis wurde 1983 von Nippon Kogaku K. K. der mehr oder minder staunenden Öffentlichkeit unter dem Namen Nikon FA präsentiert.

Die Nikon FA ist eine äußerlich der Nikon FM-2 sehr ähnliche Kamera, ist jedoch in ihren Eigenschaften mit dieser nur mehr sehr beschränkt vergleichbar.

Wesentliche Neuheit ist – neben der eben erwähnten neuartigen Belichtungsmessung (von Nikon AMP-Messung genannt, für Automatic Multi Pattern Metering) – die erstmalige Vorstellung einer Blendenautomatik, nachdem bisherige Kameras jeweils bestenfalls mit Zeitautomatik geliefert worden waren.

Genau genommen gibt es 2 Programmautomatiken. Eine davon wählt grundsätzlich kürzere Belichtungszeiten. Welche Version gewählt wird, hängt von der Brennweite des verwendeten Objektivs ab. Alle AF-, AI-S- und Serie E-Objektive mit Brennweiten ab 135 mm sowie Zoomobjektive mit einem Brennweitenbereich bis über 135 mm haben eine kleine Kerbe in der Objektivfassung, mittels derer die Kamera feststellt, dass die Kurzzeit-Automatik gewählt werden muss. An sich können jedoch an der FA auch die bisherigen Objektive in AI-Fassung, denen diese Kerbe fehlt, verwendet werden, nur muss dann besonders auf die von der Kamera gewählte Belichtungszeit geachtet werden, falls Objektive mit Brennweite ab 135 mm verwendet werden.

Dazu kommt, nicht nur bei Blendenautomatik, eine Cybernetic Override genannte Einrichtung. Einfach ausgedrückt: würde sich trotz Einstellung der kleinsten Blende noch immer eine Überbelichtung ergeben, stellt die Kamera automatisch die nächstkürzere Verschlusszeit ein etc, solange, bis eine korrekte Belichtung möglich ist – im Sucher leuchtet ein entsprechendes Symbol auf, das den Fotografen auf diese Änderung hinweist. Gleiches gilt sinngemäß bei Unterbelichtung. Zusätzlich wird auch noch berücksichtigt, ob die eingestellte Zeit mit dem verwendeten Objektiv überhaupt eine unverwackelte Aufnahme zulässt. Bei Objektiven über 135mm Brennweite werden daher keine längere Zeit als 1/125s toleriert. Das ist zwar bei einem 400mm Objektiv noch immer viel zu lange für unverwackelte Aufnahmen aus freier Hand, aber immerhin ......

Ferner verfügte die Nikon FA auch über Zeitautomatik, bei welcher zur vorgewählten Blende automatisch die richtige Verschlusszeit von der Kamera gewählt wird, wie dies schon im Prinzip seit der Nikon EL bei Nippon Kogaku K. K. üblich war, verfeinert nur durch die AMP-Messung und Cybernetic Override.

Nicht nur Zeit-, Blenden-, Programmautomatik und manuelle Einstellung von Zeit und Blende konnten gewählt werden, dies alles wurde überlagert dadurch, dass der Fotograf wahlweise auf die AMP-Messung verzichten und statt dessen mittenbetont messen konnte.

Wenn schon so viel Elektronik, dann sollte es auch auf eine TTL-Blitzmessung nicht ankommen und tatsächlich, sie gibt es, und auch noch mit Synchronzeiten bis 1/250s, wobei die Messung direkt auf der Filmoberfläche erfolgt. Wie schon erwähnt, dieses Prinzip hatte Minolta erfunden.

Natürlich gab es für die Nikon FA auch einen – eigenen – Motor. Er hieß MD-15. Es ließen sich aber auch die Motoren anschließen, welche die Nippon Kogaku K. K. für die Nikon FM und die Nikon FE entwickelt hatte, nämlich MD-11 und MD-12. Die Entwicklung auf diesem Sektor zeigt deutlich die allmähliche Weiterentwicklung eines wichtigen Zubehörteils. Daher einige Worte zu den Motoren:

  • Schon bei der Vorgängergeneration, den Nikkormats der unterschiedlichen Baureihen, gab es 1976 einen elektrisch angetriebenen Winder, den AW-1, der tatsächlich das tat (und nicht mehr), was sein Name andeutete: er transportierte nach jeder Aufnahme den Film weiter und ersparte dem Fotografen den manuellen Transport per Hebel. Er wurde an den Kameraboden der Modelle Nikkorrmat ELW und Nikon EL-2 angeschraubt. Mit Einzelauslösung schaffte man max. 2 Bilder/Sekunde, Serienaufnahmen waren nicht möglich. Für die Nikon FM erschien eine weiterentwickelte Version, der MD-11, der bereits 3,5 Bilder/s transportieren konnte und bei dem zwischen dem Transport eines einzelnen Bildes oder kontinuierlichem Transport gewählt werden konnte; dann wurde solange Aufnahme nach Aufnahme gemacht und dazwischen der Film transportiert, solange der Fotograf den Auslöser drückte, mit kurzen Belichtungszeiten eben 3,5 Bilder in der Sekunde – gegebenenfalls bis zum Filmende. Äußerlich unterscheidet er sich schon durch den fix angebrachten Handgriff vom AW-1. Der Motor hat einen vorne, unten am Griff, angebrachten Kontakt für elektrische Steuergeräte, etwa ein Intervalometer für Zeitrafferaufnahmen. Beschränkt wird seine Einsatzdauer durch den Mangel eines Steckers für externe Stromversorgung, etwa über das Stromnetz.
  • Zur Nikon FE erschien der Motor MD-12. Gegenüber dem MD-11 weist er zwei Verbesserungen auf: Der Druck auf den Auslöser des Motors schaltet die Belichtungsmessung der Kamera ein, 1 Minute später wird die Belichtungsmessung automatisch abgeschaltet, falls keine Aufnahme erfolgt ist. Hingegen muss beim MD-11 die Belichtungsmessung sich durch Druck auf den kameraseitigen Auslöser eingeschaltet und sodann der Auslöser am Motor betätigt werden, um den Film motorisch zu transportieren. Der zweite Unterschied liegt darin, dass der modernere MD-12 den Film bei Einstellung auf Einzelbild unmittelbar nach dem Verschlussablauf weitertransportiert, beim MD-11 erst nach Loslassen des Auslösers.


Der speziell für die Nikon FA geschaffene Motor MD-15 unterscheidet sich von seinen beiden Vorgängern durch die elektrische Auslösung, während die Auslösung der Kamera von den Vorgängern mechanisch durch einen elektrisch ausgelösten Stift im Motor bewirkt wurde. Das setzt natürlich entsprechende Kontakte im Gehäuseboden voraus, die bei Nikon FE und Nikon FM noch fehlten, bei der Nikon FA jedoch vorhanden sind. Durch zusätzliche Kontakte wird überdies die Stromversorgung der Nikon FA bei angesetztem und eingeschaltetem Motor durch dessen Batterien übernommen, sodass die Kamerabatterien geschont werden. Wird die Nikon FA immer mit dem Motor gemeinsam verwendet, werden die Kamerabatterien sozusagen überflüssig. Mit anderen Worten: an der Nikon FA sind zwar die beiden älteren Motoren verwendbar, aber sie nützen nicht alle vorgegebenen Möglichkeiten an der Kamera aus. Umgekehrt kann der MD-15 an Nikon FM und Nikon FE nicht verwendet werden.

Die Nikon FA besitzt, das kann man zusammenfassend ohne Übertreibung festhalten, eine Reihe von Eigenschaften, die ihr 1983 verdientermaßen den Ruf eines, wie wir heute sagen, Technologieträgers verschaffte.

Für die Nippon Kogaku K. K. stellt die einen wichtigen Meilenstein in der Weiterentwicklung der Nikons dar. Gekauft wurde sie gerne; sie war allerdings, schon auf Grund ihres Preises, nicht gerade ein Hit. Das Schicksal bescherte ihr auch keine lange Produktionszeit; schon 1987 wurde die Erzeugung eingestellt. Das verschafft heute dem Eigentümer einer Nikon FA auf dem Gebrauchtkameramarkt ein angenehmes Erlebnis, weil er seine pfleglich behandelte, von Dellen und Kratzern freie FA für etwa 400 Euro leicht privat verkaufen könnte. Nikon FAs werden einem allerdings recht selten angeboten. Ich habe leider noch keine gut erhaltene gefunden.

Noch eine Besonderheit gibt es bei der Nikon FA:

Nikon FA Gold

Die Fortschrittlichkeit der Nikon FA wurde von den Fachleuten unverzüglich erkannt. Unter anderem wurde ihr von einer Fachjury der Europäische Kamerapreis des Jahres 1984 verliehen. Das erfüllte Nikon mit derartigem Stolz, dass sie zur Feier dieser Auszeichnung eine vergoldete Version der FA auf den Markt brachten, die zweite goldene Nikon SLR nach der Nikon FM. Die FA war allerdings für betuchte Käufer auf dem freien Markt erhältlich und wurde nicht nur an wichtige Persönlichkeiten verschenkt. Seltsam ist jedoch, dass sich auf der Hinterseite des Gehäuses unterhalb des Schnellschalthebels eine Platte mit der Bezeichnung "Camera Grand Prix 1984" befindet, was auf eine eigenwillige Übersetzung hindeutet. 

2000 Stück wurden von diesem Prachtstück erzeugt. Vergoldet war nicht nur der Gehäuseoberteil, sondern auch der normaler Weise silberfarbene Teil der ansonsten schwarzen Objektivfassung (ein 1,4/50mm). Und die Belederung bestand nicht einfach aus schwarzer Lederimitation, sondern aus rotem Eidechsenleder - ein wenig kitschig, darf ich wohl sagen, aber halt japanischer Geschmack. Leider war der Goldüberzug (nicht irgendeine Legierung, sondern 24 Karat!) sehr empfindlich gegen Kratzer, daher wurde mit der Kamera auch gleich ein Poliertuch und ein Goldreiniger mitgeliefert.

Viele Fotos dürften mit diesen 2000 Kameras wohl nicht gemacht werden. Wäre ja schade um das Prachtstück. Aus mir spricht der pure Neid!

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 Zuletzt bearbeitet: 29.1.2010

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